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Die Blinden

Ident. Nr.: B 5/5

ObjID: obj:959409

1949 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Hofer (1878 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1948
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Blinden
Übersetzung: The Blind
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 82 cm
Erwerbung
1949 Ankauf von der Galerie Franz, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Schutz- und wehrlose Menschen im nächtlichen Außenraum sind ein häufiges Motiv in Hofers Darstellungen (vgl. „Schlafende Menschen“, B 505). Hierzu gehört auch die sich orientierungslos zusammendrängende Vierergruppe von Blinden in einem dunklen Wald. Die Figuren werden von zwei Bäumen eingerahmt, was jedoch keinen Schutz suggeriert, sondern eher ein Gefangensein vermittelt. Ähnliche Szenen mit umherirrenden oder gar stürzenden Sehbehinderten finden sich in der Ikonografie seit dem 16. Jahrhundert (vgl. Pieter Brueghel d.Ä., „Der Blindensturz“, 1568; Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel). Unter den vielfältigen Interpretationsansätzen findet sich die körperliche Blindheit als Metapher für eine mentale Verblendung und die ins Verderben führende Abkehr vom richtigen Weg. Hofer hatte die 1948 ausgeführte Komposition erstmals 1919 unter dem Titel „Irrende im Walde“ (WVZ Wohlert/Eisenbeis 394) umgesetzt. Unter dem Eindruck der Erlebnisse beider Weltkriege könnte Hofer das Motiv vor allem als Ausdruck eines Ausgeliefertseins des Menschen angesichts einer bedrohlichen Welt verstanden haben. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz