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Herabschreitender

Ident. Nr.: o.Nr.

ObjID: obj:959605

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Kolbe (1877 - 1947),
Künstler*in
Datierung
1939/1940 (Guss 1940)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Herabschreitender
Übersetzung: Descending Man
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1941
Walter Funk, Reichwirtschaftsministerium, Berlin,
1941–1945
Abteilung Kunst, Magistrat von Groß Berlin, sichergestellt durch Kurt Reutti,
396335
Depot Georg Kolbe Museum ?,
402984
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 215 x 57 x 54 cm
Erwerbung
1950er Jahre vermutlich Überweisung vom Senat von Berlin an die Nationalgalerie (West)

Objektbeschreibung

Den „Herabschreitenden“ schuf Kolbe für den „Ring der Statuen“, sein ambitioniertestes Projekt im Spätwerk, das aus Entwürfen für ein Friedrich-Nietzsche-Denkmal hervorgegangen war. 1941 schloss der Bildhauer mit der Stadt Frankfurt am Main einen Vertrag (posthume Aufstellung des „Rings der Statuen“ im Rothschildpark). Von den vorgesehenen sieben Figuren waren damals erst vier weibliche in Bronze ausgeführt. Der „Herabschreitende“ wurde im Herbst 1940 gegossen; dies war nur möglich, weil Kolbe dafür mehrere ältere Bronzen einschmelzen ließ, da wegen des Krieges ein Gussverbot für Bronzen herrschte. Die Statue war 1940/1941 in Berlin und in München als verkäuflich ausgestellt. In der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München wurde sie 1941 von Walther Funk für 18.000 Reichsmark erworben (Archiv Haus der Kunst, München). Funk war seit 1938 Reichswirtschaftsminister und wurde im Folgejahr auch Präsident der Reichsbank. Unklar ist, ob die große Bronze in einem Gebäude der Reichsbank, dem Ministerium (möglicherweise in einem Garten) oder bei Funk privat aufgestellt war. 1943 wurde das Gipsmodell des „Herabschreitenden“ bei einem Luftangriff in der Berliner Gießerei Noack zerstört. Die geplante zweite Bronze, die für den „Ring der Statuen“ vorgesehen war, konnte deshalb nicht mehr hergestellt werden, sodass die erste Figur ein Unikat blieb. Wie und wann dieses Werk in die Nationalgalerie gelangte, ist in deren Unterlagen nicht dokumentiert. Möglicherweise war der Kunstfahnder Kurt Reutti nach Kriegsende an der Sicherstellung der Statue beteiligt (vgl. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, VI, HA, NL Reutti, Nr. 7, Bl. 106). | Ursel Berger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz