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Die Ausgezeichnete

Ident. Nr.: A IV 580

ObjID: obj:959739

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wolfgang Mattheuer (1927 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1973/1974
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Ausgezeichnete
Übersetzung: The Honouree
Geografische Bezüge
Provenienz
Rat des Bezirkes Leipzig, Abteilung Kultur,
spätestens 1976 - 1.12.1987
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 124,5 x 100 cm
Erwerbung
1987 Übereignung des Rates des Bezirkes Leipzig

Objektbeschreibung

In einem kahlen Raum sitzt einsam an einem langen, schmucklosen Tisch eine ältere, in sich gekehrte Frau. Vor ihr liegt ein trister Bund Tulpen, auf den sie teilnahmelos blickt. Am Ende eines langen Arbeitslebens scheint sie nach der feierlichen Ehrung als „Heldin der Arbeit“ im sozialistischen Arbeiterstaat von allen verlassen zu sein. Die von Mattheuer in einer klaren, realistischen Formensprache dargestellte Frau konterkariert das bis zum Ende der DDR vermittelte, ideologisch zentrale Leitbild von der fleißigen und vor allem glücklichen Arbeiterschaft. Mattheuers „Ausgezeichnete“ entlarvt dieses Ideal als Illusion. Das Gemälde geht auf ein gleichnamiges Bild aus dem Jahr 1968 (WVZ Michels G 68/9) zurück, das die Künstlerin Lea Grundig zeigt, die zwischen 1964 und 1970 Präsidentin des staatlich geförderten Verbandes Bildender Künstler der DDR war. In der Version von 1973 trägt die am Tisch sitzende Frau dagegen die Gesichtszüge von Mattheuers Mutter. Dabei ist das Gemälde jedoch nicht als Porträt zu verstehen, sondern es weist über das Private hinaus ins Allgemeine. Es fordert die Betrachtenden auf, die Welt um sich herum genauer wahrzunehmen, um einerseits ihre Schönheit, andererseits aber auch ihre Zerrissenheit zu sehen. „Die Ausgezeichnete“ war eines der am meisten diskutierten Gemälde der 1970er-Jahre in der DDR. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz