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Großes Requiem

Ident. Nr.: A IV 344

ObjID: obj:959925

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Erwin Hahs (1887 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1944/1945
Weitere Titel
Sammlungstitel: Großes Requiem
Übersetzung: Great Requiem
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Iris Hahs-Hofstetter, Zernsdorf,
1970–1977
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 181 x 132 cm
Erwerbung
1977 Ankauf von der Witwe des Künstlers, Iris Hahs-Hofstetter

Objektbeschreibung

Durch die Nationalsozialisten wurde Hahs 1933 nicht nur seiner Professur in Halle enthoben, auch die Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen wie dem Theater oder dem Verkehrsamt war ihm nicht mehr erlaubt. Zunächst hielt er sich mit Gelegenheitsarbeiten sowie durch Zuwendungen von Freunden über Wasser, von 1938 bis 1940 arbeitete er als Restaurator, und seit 1942 war er Kunsterzieher am Winckelmann-Gymnasium in Stendal. Dort erhielt er 1944 den Auftrag, anlässlich des 55. Geburtstags von Adolf Hitler ein großes Porträt für die Aula zu malen. Hahs stellte den Diktator in einen Mantel gehüllt als Kniestück im Halbprofil dar, den Blick auf das Gegenüber gerichtet. Im Hintergrund waren brennende Häuser zu sehen, eine unübersehbare Kritik am „Führer“. Nach einigen Wochen musste das Bild auf Druck der NSDAP abgehängt werden. Der Künstler erhielt die Leinwand zurück und übermalte sie. In Auseinandersetzung mit dem Namenspatron der Schule, Johann Joachim Winckelmann, und dessen Beschäftigung mit der Antike, gestaltete Hahs nun die Hauptfigur des „Großen Requiems“, einen nackten Mann, der eine Fackel auf einem Opferstein löscht, nach der berühmten Ildefonso-Gruppe im Madrider Prado. Die als Personifikation des Todes gedeutete Männerfigur hebt abwehrend die Hand, drei verzweifelte Frauengestalten trauern und beten. Auf diese Weise ergänzen christliche Motive das Antikenzitat. Das Gemälde wurde 2014 mittels Röntgenstrahlen durchleuchtet, und auf dem so entstandenen Foto zeigt sich geisterhaft die Physiognomie des Mannes mit dem markanten Schnurrbart. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz