Logo

Moskau mit Kreml

Ident. Nr.: A III 286

ObjID: obj:959950

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Vogeler (1872 - 1942),
Künstler*in
Datierung
1939
Weitere Titel
Sammlungstitel: Moskau mit Kreml
Übersetzung: Moscow and Kremlin
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1942
Nachlass/Vermächtnis: Jan Vogeler, Moskau,
1942 - Ende 1952
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 47,5 x 73 cm
Erwerbung
1952 Schenkung der Regierung der UdSSR an die DDR aus dem Moskauer Nachlass Heinrich Vogelers. 1953 der Nationalgalerie (Ost) übergeben

Objektbeschreibung

Bei ihrer Ankunft in Moskau 1931 waren Vogeler und seine Familie im „Haus der Regierung“ am Ufer der Moskwa nahe dem Kreml untergekommen, wo schon Vogelers Schwiegermutter, Bronisława Marchlewska, lebte. Der komfortable Wohnkomplex war für die sowjetische Elite sowie herausragende Kunst- und Kulturschaffende der UdSSR vorgesehen und beherbergte nach 1933 auch einige politische Emigranten aus Deutschland. Viele Bewohner des Hauses fielen zwischen 1935 und 1938 den stalinistischen „Säuberungen“ zum Opfer. Vogeler war dank seiner Verwandtschaft mit den Marchlewskis nicht davon betroffen. Er lebte bis zu seiner Zwangsevakuierung 1941 in unterschiedlichen Wohnungen des Komplexes. Sein Gemälde der nächtlichen schneebedeckten Moskauer Straßen und Dächer bis hin zum Kreml zeigt den Blick aus seiner letzten Wohnung dort. Wie viele Bilder Vogelers aus dieser Zeit ist seine Ansicht in einem impressionistischen, lockeren Pinselduktus und ausdrucksstarker Farbigkeit gemalt. Gleichzeitig bleiben sie einer exakten Darstellungsweise verpflichtet, welche das Sujet oder wie hier die heimelige Stimmung der verschneiten Stadt perfekt einzufangen vermag. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz