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Bildnis eines Ingenieurs (Juri Bogdanow)

Ident. Nr.: A IV 531

ObjID: obj:959961

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Frank Ruddigkeit (1939 -),
Künstler*in
Datierung
1979
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis eines Ingenieurs (Juri Bogdanow)
Übersetzung: Portrait of a Engineer (Yuri Bogdanov)
Provenienz
Zentralkomitee der SED, Abteilung Kultur,
1981
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 120 x 100 cm
Erwerbung
1981 Übereignung des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Mädchenporträt in Rot

Mädchenporträt in Rot

Menschen waren Berganders Spezialität, egal ob in Gruppen oder als Porträt, ob er sie als freier Künstler, politischer Maler oder Lehrer der Kunsthochschule abbildete. Die junge Frau finden wir in einer unklaren Situation vor: Ist sie allein? Hat sie ein Gegenüber? Wirkt sie defensiv oder selbstbewusst, verträumt für sich oder nachdenklich im Gespräch? Berganders minimalistischer Stil, der „alles dramatisch Wirkende meidet“ und dagegen auf die „Kraft des Verhaltenen“ setzt (Arthur Dänhardt, Rudolf Bergander, Dresden 1978, S. 7), hat seinen Preis: Es gibt keine Bewegung oder Raumtiefe, Effekte von Licht und Schatten sind äußerst sparsam eingesetzt, dem Bild fehlt eine Story. Aber der Künstler, der nach seinen Anfängen während der Neuen Sachlichkeit stilistisch in der DDR eine 180-Grad-Wende vollzog, gleicht diesen scheinbaren Mangel mit anderen Mitteln aus: Die vordergründig grobe Formsprache, bei dem die Ölfarbe dick in mehreren Schichten aufgetragen wurde, offenbart ein expressiv-realistisches Bildnis, das gerade durch sein reduziertes Setting ins Auge sticht. Die Farbtöne knallen regelrecht. Der Pullover der Porträtierten ist fast Pink, Lippenstift, Make-up und Ohrschmuck sitzen, der große weiße Kragen erscheint geradezu majestätisch. Ist ihr Auftritt an ihre eigenen Erwartungen geknüpft oder an die anderer? Ebenfalls 1959 zeigt eine Radierung dieselbe Frau in identischer Pose („Mädchen Porträtkopf“, in: Rudolf Bergander – Werkverzeichnis. Handzeichnungen, Aquarelle, Druckgrafik, bearb. v. Waltraut Schumann, Dresden 1978, 1714). Doch die zentrale Frage soll auch hier unbeantwortet bleiben: Wer ist das Mädchen in Rot? | Sven Haase

Reiter

Reiter

Blumenthal gehörte nicht zu den vom NS-Regime verfolgten Künstlern. Er fand durch Preise, Stipendien und einen günstigen Arbeitsort im Haus der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin staatliche Unterstützung. Gleichwohl entsprachen seine Figuren nicht der seinerzeit offiziell propagierten Monumentalkunst. So beurteilte der Bildhauer Fritz Klimsch in einem Gutachten vom 26. April 1934 für die Preußische Akademie der Künste Blumenthals Plastiken als „formlosen Archaismus“ und „verhängnisvolle Individualität“ (Akademie der Künste, Berlin, PrAdK 943, Bl. 313 f). Im Sommer 1937 wurde unter anderem sein „Schreitender“ (1929/1930) im Museum Folkwang in Essen als „entartet“ beschlagnahmt (WVZ Isermeyer 1993, F 24). Vermutlich aufgrund dieser Vorkommnisse verstümmelte oder zerstörte Blumenthal im selben Jahr einige seiner frühen Gipse. Er wurde aber weiterhin zu öffentlichen Wettbewerben eingeladen. So reichte er 1936 bei der Stadt Hannover einen Entwurf für die künstlerische Ausgestaltung des Geländes um den neu angelegten Maschsee ein. Sein Modell zeigte einen Reiter, der nackt auf einem sich aufbäumenden Pferd sitzt. Die Figurengruppe weist die für Blumenthal typische Stilisierung und langgestreckte Gliedmaßen auf, wobei das Motiv des Reiters damals durchaus geläufig war. Der Entwurf wurde bei dem Wettbewerb nicht berücksichtigt, was jedoch durch ein „äußerlich-technisches Versehen“ bedingt war (Carl Georg Heise an Walter Bauer, 6.3.1941, zit. nach ebd., S. 74). Das 1944 in Zink gegossene Modell gelangte 1952/1953 über die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten an die Nationalgalerie (Ost). | Maike Steinkamp

Koreanisches Mädchen (I)

Koreanisches Mädchen (I)

1950 engagierte der niederländische Architekt und Rektor der neu gegründeten Hochschule für bildende und angewandte Künste, Mart Stam, Balden als Dozent für das Grundlagenstudium nach Berlin-Weißensee. Die damit verbundenen Verpflichtungen schränkte ihn künstlerisch ein, ebenso wie die kulturpolitischen Auseinandersetzungen um die Ausrichtung der Kunst in der DDR. Für die Jahre 1950–1953 sind keine Skulpturen von ihm nachgewiesen – es war die Hochphase der sogenannten Formalismus-Debatte, im Rahmen derer der Sozialistische Realismus als verbindliche künstlerische Ausdrucksform definiert und jegliche Abstraktion verurteilt wurde. Ab 1954 entstanden wieder einige wenige Arbeiten, darunter eine Reihe von Darstellungen junger Koreanerinnen und Koreaner, mit denen Balden sich vermutlich auf den Koreakrieg 1950–1953 bezieht. Die weltpolitische Dimension des Krieges in dem geteilten Staat und seine Parallelen zur Lage im geteilten Deutschland haben Balden sicher beschäftigt. Proportional stimmig aufgebaut, zeigen die Porträts alle eine maskenhafte Reglosigkeit ohne individualisierende Nuancierungen. Während die Frisur sämtlicher weiblicher Büsten als Bubikopf mit kurzem Pony gestaltet ist, haben die männlichen kurzes Haar mit Scheitel. Auch das namenlose Porträt des koreanischen Mädchens aus dem Bestand der Nationalgalerie weist diese Stilisierung auf und steht damit stellvertretend für das gesamte koreanische Volk und dessen Zukunft. | Maike Steinkamp

Auf dem Meer

Auf dem Meer

»Schon als Kind hatte ich versucht, einem Granitfindling, der auf dem väterlichen Acker geborgen und neben den Granitgebilden des Großvaters im Vorgarten aufgestellt wurde, meinen plastischen Willen aufzuzwingen« (Joachim Utech, Wie ich Bildhauer wurde, in: Die Kunst für Alle, 55. Jg. [1939/1940], H.1, S.14). Der in Belgard (heute Białogard) geborene Künstler war bereits als Kind von den Tonreliefs und Granitskulpturen des Großvaters Bogislav Utech beeindruckt. Mitte der 1920er-Jahre begann der zum Studienrat für Kunsterziehung ausgebildete Utech selbst in Stein, vornehmlich in Granit, zu arbeiten. »Ich lernte die Strukturen und Gesteinsschichtungen kennen. Studierte im Ägyptischen Museum in Berlin eingehend an den dortigen Granitplastiken ihre Technik. Fand so die Meißelstellung, die ein erfolgreiches Schaffen in Granit verlangt« (ebd., S. 15 f.). Dieses Wissen wendete Utech bei der vorliegenden Büste aus schwarz-weiß gesprenkeltem Granit an. Der »Christuskopf« ist durch seine langgezogene Form, den langen Nasenrücken und die nur angedeuteten, wenig ausgeführten Merkmale des Gesichts gekennzeichnet. Die Präsentation zweier Granitköpfe in der Nachwuchsausstellung im Berliner Verlagshaus Hermann Reckendorf 1930 brachte Utech Anerkennung. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe wurde zu seinem Fürsprecher, der ihm den Kontakt zur Berliner Galerie Ferdinand Möller vermittelte. Über diese gelangte der »Christuskopf«, wie der Zweittitel des Werkes lautet, mittels eines Tauschs 1938 in die Sammlung der Nationalgalerie. | Stefanie Meisgeier

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Mit architekturgebundener Plastik machte sich Albiker ab 1905 einen Namen. Sie entstand oft in Zusammenarbeit mit dem befreundeten (Garten-)Architekten, Maler und Keramiker Max Laeuger, der an der Technischen Hochschule in Karlsruhe lehrte. Gemeinsam entwarfen sie etwa die Fassaden- und Innenraumgestaltung des 1911/1912 erbauten Küchlin-Varieté-Theaters in Basel. Für das von 1913 bis 1915 nach Plänen von Robert Curjel und Karl Moser im neoklassizistischen Stil errichtete Konzerthaus Karlsruhe schuf der Bildhauer ein Giebelrelief mit dem Titel „Die Geburt der schaumgeborenen Venus“. In der Mitte platzierte er eine stehende weibliche Gestalt und zu beiden Seiten je eine Figurengruppe aus zwei Frauen. Das schlecht erhaltene Fragment stellt vermutlich einen Vorentwurf für das letztlich umgesetzte, 1944 jedoch zerstörte Relief des Konzerthauses dar. Es zeigt die linke Seite der Darstellung, also nur zwei der insgesamt fünf Aktfiguren, eine stehend, die andere kniend, einander durch eine Berührung der Arme verbunden. In Anbetracht der „aussergewöhnlichen Dimensionen“ des Giebelfeldes lobten die Konzerthaus-Architekten Albikers Werk, da ihnen „die Verhältnisse dieser Gruppe in sich sowohl wie zum ganzen Giebelfeld … äusserst glücklich“ erschienen (zit. nach Beate Eckstein, Im öffentlichen Auftrag. Architektur und Denkmalsplastik der 1920er bis 1950er Jahre im Werk von Karl Albiker, Richard Scheibe und Josef Wackerle, Hamburg 2005, S. 27). Im Gegensatz zu anderen Reliefs, etwa zwei Supraporten (B III 303 a und b), wirkt dieses Fragment durch die sparsame Verteilung und ruhige Haltung der Figuren eher statisch und flach. | Uta Caspary

Christus auf dem Meere

Christus auf dem Meere

Das großformatige Gemälde „Christus auf dem Meere“ entstand für die Frühjahrsausstellung der Berliner Secession 1919. 13 Künstler waren ausgewählt worden, um für den Hauptsaal monumentale Kompositionen anzufertigen und so die Idee des Wandbildes neu zu beleben. Der gelernte Porzellanmaler Kohlhoff war seit 1914 in Berliner Ausstellungen vertreten. Als Beitrag für die Secession wählte er das biblische Motiv der Stillung des Sturmes (vgl. Matthäus 8, 24–27; Markus 4, 35–41, und Lukas 8, 22–25): Bei einer nächtlichen Fahrt über den See Genezareth werden Jesus und seine Jünger von einem Unwetter überrascht. Daraufhin wecken die verängstigten Jünger den schlafenden Jesus, der Wind und Wellen Einhalt gebietet. Die bekanntesten Darstellungen dieses Themas stammen von Rembrandt (1633, Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, dort gestohlen 1990) und Eugène Delacroix (1841–1854, unter anderem Metropolitan Museum of Art, New York). Kohlhoff übernahm den Blick von oben auf das Segelboot, radikalisierte die steile Perspektive und verwendete ein expressionistisches Formrepertoire, geschult an Werken El Grecos (1541–1614), die Kohlhoff 1915 in der Berliner Galerie Paul Cassirer gesehen hatte. „Über dunkel rötlich-braune, blaue und gelbe Farben huschen die fließenden, erregenden Lichterwellen des Spaniers“, notierte Max Osborn 1919 zu Kohlhoffs Bild (Max Osborn, Die Wiedererweckung des Wandbildes, in: Deutsche Kunst und Dekoration, 44. Jg. [1919], S. 173). „Christus auf dem Meere“ hing zunächst im Saal der Orientabteilung der Preußischen Staatsbibliothek und wurde am 1. Februar 1937 an die Nationalgalerie überwiesen. | Dieter Scholz

Nacht über Deutschland

Nacht über Deutschland

Die Wirkungsmacht des Bildes wurde 1947 bei seiner ersten Präsentation in der Berliner Galerie Franz deutlich. Hier hatte der Künstler ein Meisterwerk erschaffen, „dessen Anklage aufwühlt, dessen Stummheit spricht“ (Nacht-Express, 15.4.1947). Der Kunsthistoriker Edwin Redslob nannte das düstere Triptychon, das mit seinem Bezug zur christlichen Malerei auch deren Antithese formulierte, den „Altar der Hitlerzeit“ (Der Tagesspiegel, 12.4.1947). Die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus fiel brutal aus und zielte auf die schonungslose Aufdeckung der Verbrechen. In der Mitteltafel hat Strempel eigene Lagererfahrungen verarbeitet – sie legt die Barbarei in den KZs offen. Der linke Flügel stellt die Angst im Bunker während der Bombennächte dar, der rechte zeigt eine versteckte jüdische Familie. Lediglich die Predella deutet mit dem Widerstand im Untergrund die vage Hoffnung auf Befreiung an. Adolf Jannasch schlug noch im selben Jahr die Erwerbung für die Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ vor. Wie zaghaft die Aufarbeitung des Naziterrors war, zeigt die Geschichte des Flügels zur Judenverfolgung. Während hier die gelben Sterne auf der Brust der Eltern nur angedeutet sind, war in der ersten Fassung die Beschriftung „Jude“ klar erkennbar (Horst Strempel, Ausst.-Kat. Galerie Franz, Berlin, 1947, o. S.). Die Mutter blickte die Betrachter:innen voller Entsetzen an und schien um Hilfe zu rufen. Diese plastische Darstellung war wohl zu viel: Nach Intervention Jannaschs gestaltete Strempel sie um. Wie Hans Grundigs „Den Opfern des Faschismus“ (um 1947; Galerie Neue Meister, Dresden) gehört „Nacht über Deutschland“ zu den Hauptwerken der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem NS-Staat, verschwand jedoch für Jahrzehnte im Depot. | Sven Haase