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Die Familie Claude Terrasse im Garten

Ident. Nr.: NG 49/80

ObjID: obj:960076

Details (Expert)

Beteiligte
Pierre Bonnard (1867 - 1947),
Maler*in
Datierung
1896
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Mme. Pierre Bonnard (Ehefrau des Künstlers),
376209
Melles Bowers, Marseilles,
376210
Wildenstein & Co., Inc., New York,
1980
Material / Technik
Öl auf Papier und Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 220,4 x 313,7 cm
Erwerbung
1980 Ankauf von Wildenstein & Co., Inc., New York

Objektbeschreibung

Eine familiäre Szene hat Pierre Bonnard auf diesen vierteiligen Wandschirm, einen Paravent, gemalt: Im Vordergrund ist Bonnards Schwester Andrée mit zweien ihrer Kinder und dem Hund Ravageau zu sehen, links in einer Laube der Schwager und Freund Claude Terrasse über eine Partitur gebeugt. Die Mutter ist unter dem Laub des Kastanienbaums kaum sichtbar und steht doch im Mittelpunkt. Die Längsstreben, die ehemaligen Scharnierstellen andeutend, verleihen der Komposition Spannung und schaffen kühne Anschnitte.
Mit der Japanmode des späten 19. Jahrhunderts fanden Paravents, asiatische und in Europa gemalte, ihre Liebhaber. Vor allem die Nabis erprobten an ihnen ihre dekorativ flächige Malerei. Bonnard schrieb rückblickend: »Zu dieser Zeit (d. h. zwischen 1890 und 95) hatte ich persönlich die Vorstellung einer volkstümlichen Produktion von Gebrauchskunst: Graphiken, Möbel, Fächer, Wandschirme etc.« (zit. nach: K. Henkel und C. Bohlmann, Garten des Lebens, ein Wandschirm von Pierre Bonnard, Köln 2002, S. 59). Seinen wohl ersten Wandschirm »Frauen im Garten« (Kunsthaus, Zürich), eine Komposition in Form von vier schmalen hohen Tafeln, stellte Bonnard bereits 1891 aus, wobei ihm die Funktion des Paravents in erster Linie Vehikel für eine neue Malerei in neuen Formaten war.
1888 hatten einige Studenten der Académie Julian in Paris unter dem prägenden Einfluß der Flächenmalerei von Gauguin die Künstlergruppe Nabis (hebräisch für Erleuchtete, Propheten) gegründet. Die jungen Künstler Pierre Bonnard, Maurice Denis, Paul Sérusier und andere suchten, in Abgrenzung zum objektivierenden Impressionismus, wieder eine subjektive, inhaltsbetonte Sicht auf die Welt. Als geeignetes Mittel erschien ihnen eine formbewußte Kunst, die die Nähe zu den angewandten Künsten nicht scheut. Von besonderem Einfluß, nicht nur für diesen Kreis, war die japanische Graphik, die seit einigen Jahren in Mengen nach Europa, vor allem nach Paris gelangte.
1896 erhielt Bonnard eine erste Einzelausstellung in der bedeutenden Kunsthandlung Durand-Ruel. Im selben Jahr entstand sein größtes Werk, »Die Familie Claude Terrasse im Garten«. Die dekorative Flächenhaftigkeit der japanischen Bildauffassung wirkte damals unverbraucht und frisch, und Bonnard nahm sie auch hier auf. Selbst die Vorliebe für Karomuster ist der japanischen Kunst entlehnt, und vielleicht wirkte die Begeisterung für Japan auf die Mode zurück. Bonnard hat mehrfach Frauen mit karierten Kleidungsstücken gemalt. Das rotgelbe Kleid steht hier auffällig neben dem bräunlichen, leeren Grund. Aber diese Gartenszene ist mehr als dekorativ, sie meint ein irdisches Paradies, zugleich klingt das Thema der Lebensalter an. Bonnard, der selbst keine Kinder hatte, zeichnete und malte oft die Kinder seiner Schwester und er verbrachte gern Zeit auf dem Landsitz seiner Familie Le Clos, er besaß dort sogar ein eigenes Atelier. Der Wandschirm blieb lange im Besitz der Familie. Vermutlich ist er im Zusammenhang mit einem geplanten Verkauf bildmäßig auf einen Bildträger montiert worden. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Der Watzmann

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»Vom Prof. Friedrich ist noch eine recht schöne große Landschaft hier«, schrieb das Literarische Conversations-Blatt anlässlich der Dresdner Akademieausstellung 1825, »eine einsame Gebirgsgegend. Trefflich sind die verschiedenen Tinten der höhern Bergregionen dargestellt: vorn, zwischen den sich thürmenden Basaltblöcken, drängen sich noch Gras und Bäumchen hervor, höher hinauf ziehen sich Nebel um die öden Bergrücken, ganz oben schimmern die Felsenstirnen, mit ewigem Schnee bedeckt, in ungetrübter Klarheit. Die völlige Einsamkeit hat hier etwas Schauerliches, man sehnt sich danach, wenigstens einen Adler oder eine Gemse zu erblicken: vergebens, kein Leben wohnt hier, als das der Luft und des Lichts, jeder Pulsschlag des Gefühls stockt in dieser Höhe!« (zit. nach: Literarisches Conversations-Blatt 1825, S. 888; auch zit. in: H. Börsch-Supan und K. W. Jähnig, Caspar David Friedrich, München 1973, S. 106). Caspar David Friedrich war nie in den Alpen, dennoch malte er mehrere Ansichten dieses Gebirges. Für die Komposition seines Gemäldes »Der Watzmann« nutzte er verschiedene Vorlagen. Zentral war für ihn eine Aquarellstudie der Gipfelpartie, die sein Schüler Johann August Heinrich vor Ort festgehalten hatte (Nationalmuseum Oslo). Zudem verwendete er eigene Skizzen seiner Reise durch den Harz. Dem Motiv des Felsens in der Mitte des Vordergrundes liegen Zeichnungen des Trudensteins am Hohnekopf in der Nähe des Brockens vom 28. Juni 1811 zugrunde (Standort unbekannt). Bereits 1824 hatte Friedrich eine großformatige Alpenlandschaft in Dresden präsentiert. Auf dem Bild war ein Blick zum Mont Blanc dargestellt (»Hochgebirge«, Öl auf Leinwand, 131 x 167 cm, ehemals Nationalgalerie Berlin, Kriegsverlust). Wie beim »Watzmann« diente auch hier eine fremde Zeichnung als Vorlage, in diesem Fall ein Blatt von Carl Gustav Carus. Friedrich malte seinen »Watzmann« wohl in Reaktion auf das denselben Gipfel zeigende, 1824 in Dresden ausgestellte Werk des 23-jährigen Ludwig Richter (Neue Pinakothek, München). Detailreiche, erzählerische Darstellungen wie diese lehnte er ab.          In Friedrichs Bild erscheint der in hellem Licht strahlende die Größe und das Unermessliche der Natur verkörpernde Gletscherberg fern und entrückt, wie ein Symbol göttlicher Majestät. Zarte Dünste schweben vor den darunter liegenden Bergrücken des Archenkopfes und des Grünsteins. Subtil hat Friedrich die dort zwischen Grün und Violett changierenden Farbtöne wiedergegeben. Kein lebendiges Wesen ist in der Einsamkeit dieser Hochgebirgslandschaft zu erkennen. Die pyramidale Komposition gipfelt im leuchtenden Weiß des ewigen Eises, eine Bildidee, die Friedrich schon zwei Jahre zuvor in seinem berühmten Gemälde »Das Eismeer« (Hamburger Kunsthalle) entwickelt hatte. Eberhard Hanfstaengl, der den »Watzmann« für die Berliner Nationalgalerie erwarb, bewunderte Friedrichs »bildnerische und dichterische Kraft [...], mit der er eigenes und fremdes Naturbild in eine phantasievoll gesteigerte Form bringt, die alles Vedutenhafte verliert und zu einem Inbegriff der Gebirgsdarstellung wird« (E. Hanfstaengl, Vier neue Bilder von Caspar David Friedrich, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 58, 1937, S. 223). | Birgit Verwiebe

Meeresküste mit Schiffer und Booten

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Der als Historienmaler erfolgreiche Carl Friedrich Lessing hegte großes Interesse für die Landschaft. Im Gegensatz zu anderen Künstlern reiste er nicht nach Italien, stattdessen widmete er sich als Mitbegründer des Düsseldorfer Landschaftlichen Komponiervereins verschiedenen Gegenden in Deutschland. Waren die Landschaften zu Beginn seiner Laufbahn noch romantisch aufgefaßt, so trugen sie später realistische Züge.Von geologischen Interessen geleitet, durchwanderte Lessing mehrfach die Eifel, eine rauhe, von vorzeitlichem Vulkanismus geprägte Gebirgslandschaft. Hier trat ihm »die Natur in der reinen, gleichsam nackten Eigenthümlichkeit ihres Daseins entgegen« (F. von Uechtritz, Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben, Bd. 1, Düsseldorf 1839, S. 395). Im Ergebnis seiner sechs Reisen in die Eifel – die beiden letzten unternahm er 1871 und 1872 – entstanden mehrere weiträumige Landschaften. Eine frühe Eifellandschaft erwarb der Sammler Wagener (1834, ehemals Nationalgalerie, Kriegsverlust, heute Muzeum Narodowe w Warszawie). Lessing belebte seine Bilder oft mit Rittern und Burgen und – wie in »Burg in der Eifel« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 844) – auch mit Landsknechten und Waldarbeitern. Die späte großformatige Komposition »Eifellandschaft bei Gewitter« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 214) wird von dramatischem Wettergeschehen beherrscht. Zu sehen ist eine sommerliche Landschaft voller schroffer Felsen, durch die ein Gewitter zieht. Sonnenflecken und tiefdunkle Schatten geben spannungsreiche Kontraste. Ein Bauernpaar eilt einen Weg entlang in Richtung eines Dorfes, in dem ein Brand ausgebrochen ist, wohl ausgelöst durch das Gewitter. Das Gemälde war 1876, im Jahr der Eröffnung der Nationalgalerie, vom Künstler erworben worden. 1878 wurde es auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. | Birgit Verwiebe

Selbstbildnis

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Sabine, die Tochter des Berliner Porträt- und Historienmalers Gustav Graef, studierte, als sie dieses Selbstporträt malte, noch nicht lange im Schülerinnenatelier von Carl Gussow in Berlin. Zunächst hatte sie ein Musikstudium begonnen, das sie abbrach, da ihr als Frau der Besuch der Kompositionsklasse verwehrt war. In den bildenden Künsten boten seit kurzem etliche Künstler als Nebenverdienst Damenklassen an. Aber auch ihr Leben als Malerin, als Gattin des Malers Reinhold Lepsius sowie als Mittelpunkt eines Salons, in dem um 1900 unter anderem Georg Simmel, später der Dichter Stefan George verkehrten, blieb nicht von spezifischen Kränkungen frei. In diesem erstaunlich sicheren Selbstbildnis sehen wir die 21jährige Schülerin mit den Insignien der neu gewählten Profession, Pinsel und Palette. Aber sie ist nicht aktiv, die Augen sind fast geschlossen, der Kopf ist sinnend zur Seite geneigt. Es ist ein Moment der inneren Schau oder Inspiration dargestellt; eine Situation, die Arnold Böcklin zehn Jahre zuvor durch den geigenden Tod symbolisiert hatte (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 633). Es gibt überraschende Ähnlichkeiten zwischen der Haltung der Dargestellten und jener des Engels in Caravaggios »Evangelist Matthäus mit dem Engel« (um 1595/96, Gemäldegalerie, Berlin, Kriegsverlust). Dem Engel ist bei Darstellungen dieser Art eine inspirierende, gleichsam federführende Rolle zugeschrieben. Seine Verschmelzung mit dem Inspirierten selbst war ein sehr moderner Gedanke. Die Künstlerin also zeigt sich hier als »eine inspiriert-Inspirierende« (A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 72). Sabine Graef malt sich in diesem Selbstbildnis vor einem neutralen Hintergrund, mit androgynen, vergeistigten Gesichtszügen, nicht aber im Malkittel, sondern in einem modisch anspruchsvollen Kleid, wie es ähnlich die Schauspielerin Sarah Bernhardt trug. Ein ganzes Lebensprogramm scheint in dem Bildnis Ausdruck gefunden zu haben. | Angelika Wesenberg