Logo

Martyrium I

Ident. Nr.: NG 52/91

ObjID: obj:960232

Schenkung Otto van de Loo
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Helmut Sturm (1932 - 2008),
Künstler*in
Datierung
1960
Weitere Titel
Sammlungstitel: Martyrium I
Übersetzung: Martyrdom I
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1961
Otto van de Loo, München,
1961–1991
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 139,5 x 145 cm
Erwerbung
1991 Schenkung Otto van de Loo, München

Objektbeschreibung

Sturm begann 1952 sein Studium der Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste München. Nach zwei Semestern wechselte er in die Malereiklasse von Erich Glette. Dort bekam er eine gute handwerkliche Ausbildung und trat in engen Austausch mit anderen jungen Künstler*innen. 1957 schloss Sturm sich mit den Malern Lothar Fischer, HP Zimmer und Heimrad Prem zur Gruppe SPUR zusammen. „Martyrium I“ ist eines von drei Werken, die Sturm 1960 im Facettenstil ausgearbeitet hat. Dazu erklärte Fischer: „Wichtig war uns die Facettierung der einzelnen Formen, das Überlagern der Schichten, das Dichtgefüge eines Bildes, das Bild als bewegter Kosmos.“ (Lothar Fischer im „SPUR-Gespräch“ 1979, in: Gruppe SPUR 1958–1965. Eine Dokumentation, Ausst.-Kat. Galerie van de Loo, München 1979, S. 20) Auf dem Bild sind mit festen schwarzen Pinselstrichen umrissene Figuren zu erkennen. Einzelne Gesichter und Arme scheinen aus dem Bildgrund hervorzutreten und wieder zu verschwinden. Grau und helle Erdtöne verleihen dem Werk zusätzlich Bildtiefe. Sturm nahm für die Mitglieder der Gruppe SPUR in Anspruch, die Synthese aus dem analytischen Kubismus und dem tachistischen Strukturalismus hervorzubringen (Brief Helmut Sturm an HP Zimmer, 17.5.1959, in: Nilpferd des höllischen Urwalds. Situationisten, Gruppe SPUR, Kommune I, hrsg. v. Wolfgang Dreßen u.a., Berlin 1991, S. 135–137). Die „Martyrium“-Werke könnten als ein Versuch dieser Synthese gewertet werden. | Sarah Hampel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz