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Bildnis des Dichters Nikolaus Lenau

Ident. Nr.: A II 704

ObjID: obj:960242

Details (Expert)

Beteiligte
Johann Umlauf (1825 - 1916),
Maler*in
Datierung
um 1844
Provenienz
Kunstsalon Hermann Abels, Köln,
7.2.1930
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 26,3 x 21,3 cm
Erwerbung
1930 erworben von dem Kunstsalon Hermann Abels, Köln, im Tausch gegen Moritz von Schwinds "Brustbild eines jungen Mannes"

Objektbeschreibung

Nikolaus Lenau (1802–1850), eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau, zählte neben Ludwig Uhland zu den erfolgreichsten und bestbezahlten Dichtern seiner Zeit. In klangvollen Versen verlieh er jener melancholisch-pessimistischen Stimmungslage Ausdruck, die schon in der zeitgenössischen Kritik mit dem Begriff der Weltschmerz-Dichtung umschrieben wurde. Viele seiner Gedichte, insbesondere die »Schilf«- (1832) und »Waldlieder« (1843), wurden von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt oder Richard Strauss vertont. In den 1830er Jahren entstand mit der Neudichtung des »Faust«-Stoffes (Erstausgabe 1836) ein erstes ambitioniertes Versepos.
Abwechselnd in Stuttgart und Wien lebend, dürfte Lenau in den frühen 1840er Jahren den Bildnismaler Johann Umlauf kennengelernt haben, der seit 1839 unter Joseph von Führich in Wien studierte. Bereits 1833/34 hatte ein anderer Wiener, Carl Rahl, den Dichter in einem lebensgroßen, oftmals kopierten Brustbild als Inbegriff des getriebenen Romantikers porträtiert (eine Replik im Goethe-Museum, Frankfurt am Main). Umlaufs Fassung ist im Vergleich dazu in der Stilisierung zurückhaltender: Das Halbfigurenbildnis zeigt Lenau zwar mit ins Profil gedrehtem Gesicht und schwermütig in die Ferne gerichtetem Blick, ein Buch symbolhaft auf dem Schoß, doch ebenso ist der erfolgreiche Dichter und Frauenliebling in modischer Kleidung und mit charakteristischem Schnauzbart gegeben. Wenige Jahre später, 1850, starb Lenau in einer Heilanstalt in Oberdöbling bei Wien an den Folgen einer Syphiliserkrankung. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Märkische Landschaft

Märkische Landschaft

Im Sommer 1880 lebten und arbeiteten die Malerfreunde Carl Schuch und Karl Hagemeister gemeinsam in Kähnsdorf bei Beelitz in der Mark Brandenburg. Hagemeister stammte aus dieser noch ganz unbekannten herben Landschaft, in die er den gebürtigen Wiener geladen hatte. Während Schuch, vom Stilleben herkommend, über die Einbeziehung von Architektur versuchte, sich den Formen der Landschaft zu nähern (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 35), bedurfte Hagemeister keiner geraden Linie für seine große »Märkische Landschaft«. Sie ist übersichtlich gegliedert: der See im Vordergrund, die geschwungenen Uferstreifen in der Mitte und große Baumgruppen vor einem bewölkten Himmel im Hintergrund.In seinen Erinnerungen notierte Hagemeister über die Aufenthalte in der Mark Brandenburg, »hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet« (K. Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928, Typoskript im Archiv des Bröhan-Museums, Berlin). Doch scheint auch Schefflers Hinweis auf die intime Naturauffassung der Malerschule von Barbizon, mit der sich Hagemeister während seiner Weimarer Lehrzeit beschäftigt hatte, sehr angebracht.1910 veröffentlichte Karl Scheffler in der Zeitschrift »Kunst und Künstler« eine erste Würdigung des Malers: »Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen« (in: Kunst und Künstler, 8. Jg., 1910, S. 415–416).Fünfzehn Jahre vor Leistikows »Grunewaldsee« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 622) erfaßte Hagemeister die Schönheit märkischer Seen in diesem dunkeltonigen, groß aufgefaßten, auffallend ähnlich kurvenreichen Landschaftsbild. | Angelika Wesenberg

Der Watzmann

Der Watzmann

»Vom Prof. Friedrich ist noch eine recht schöne große Landschaft hier«, schrieb das Literarische Conversations-Blatt anlässlich der Dresdner Akademieausstellung 1825, »eine einsame Gebirgsgegend. Trefflich sind die verschiedenen Tinten der höhern Bergregionen dargestellt: vorn, zwischen den sich thürmenden Basaltblöcken, drängen sich noch Gras und Bäumchen hervor, höher hinauf ziehen sich Nebel um die öden Bergrücken, ganz oben schimmern die Felsenstirnen, mit ewigem Schnee bedeckt, in ungetrübter Klarheit. Die völlige Einsamkeit hat hier etwas Schauerliches, man sehnt sich danach, wenigstens einen Adler oder eine Gemse zu erblicken: vergebens, kein Leben wohnt hier, als das der Luft und des Lichts, jeder Pulsschlag des Gefühls stockt in dieser Höhe!« (zit. nach: Literarisches Conversations-Blatt 1825, S. 888; auch zit. in: H. Börsch-Supan und K. W. Jähnig, Caspar David Friedrich, München 1973, S. 106). Caspar David Friedrich war nie in den Alpen, dennoch malte er mehrere Ansichten dieses Gebirges. Für die Komposition seines Gemäldes »Der Watzmann« nutzte er verschiedene Vorlagen. Zentral war für ihn eine Aquarellstudie der Gipfelpartie, die sein Schüler Johann August Heinrich vor Ort festgehalten hatte (Nationalmuseum Oslo). Zudem verwendete er eigene Skizzen seiner Reise durch den Harz. Dem Motiv des Felsens in der Mitte des Vordergrundes liegen Zeichnungen des Trudensteins am Hohnekopf in der Nähe des Brockens vom 28. Juni 1811 zugrunde (Standort unbekannt). Bereits 1824 hatte Friedrich eine großformatige Alpenlandschaft in Dresden präsentiert. Auf dem Bild war ein Blick zum Mont Blanc dargestellt (»Hochgebirge«, Öl auf Leinwand, 131 x 167 cm, ehemals Nationalgalerie Berlin, Kriegsverlust). Wie beim »Watzmann« diente auch hier eine fremde Zeichnung als Vorlage, in diesem Fall ein Blatt von Carl Gustav Carus. Friedrich malte seinen »Watzmann« wohl in Reaktion auf das denselben Gipfel zeigende, 1824 in Dresden ausgestellte Werk des 23-jährigen Ludwig Richter (Neue Pinakothek, München). Detailreiche, erzählerische Darstellungen wie diese lehnte er ab.          In Friedrichs Bild erscheint der in hellem Licht strahlende die Größe und das Unermessliche der Natur verkörpernde Gletscherberg fern und entrückt, wie ein Symbol göttlicher Majestät. Zarte Dünste schweben vor den darunter liegenden Bergrücken des Archenkopfes und des Grünsteins. Subtil hat Friedrich die dort zwischen Grün und Violett changierenden Farbtöne wiedergegeben. Kein lebendiges Wesen ist in der Einsamkeit dieser Hochgebirgslandschaft zu erkennen. Die pyramidale Komposition gipfelt im leuchtenden Weiß des ewigen Eises, eine Bildidee, die Friedrich schon zwei Jahre zuvor in seinem berühmten Gemälde »Das Eismeer« (Hamburger Kunsthalle) entwickelt hatte. Eberhard Hanfstaengl, der den »Watzmann« für die Berliner Nationalgalerie erwarb, bewunderte Friedrichs »bildnerische und dichterische Kraft [...], mit der er eigenes und fremdes Naturbild in eine phantasievoll gesteigerte Form bringt, die alles Vedutenhafte verliert und zu einem Inbegriff der Gebirgsdarstellung wird« (E. Hanfstaengl, Vier neue Bilder von Caspar David Friedrich, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 58, 1937, S. 223). | Birgit Verwiebe

Meeresküste mit Schiffer und Booten

Meeresküste mit Schiffer und Booten

1887 reiste Friedrich Preller mit seinen Schülern von der Dresdner Akademie an die Ostsee, besuchte erstmals die Insel Rügen und die Malerkolonie auf der Insel Vilm. Doch auch wenn Preller, berühmt für seine Bilder südlicher, meist italienischer Landschaften, bis 1899 fast jährlich nach Vilm reiste und dort Studien anfertigte, erschloß sich ihm die Ostseeregion nur schwer. »Es ging mir«, schrieb er an die befreundete Frau von Holstein am 6. November 1887, »wie es Jedem geht, der sich eine bestimmte Vorstellung macht und Alles total anders findet. […] In mir lebte die Vorstellung des Landes wie es mein Vater gemalt hat: rauschendes Meer und Hühnengräber mit 1000 jährigen Eichen, und ich fand eine Natur zwar fein und reizvoll, aber gänzlich charakterlos und was noch schlimmer ist: physiognomielos. […] Das Rügen meines Vaters ist das Phantasiegebilde eines großen Künstlers, den diese Natur nicht eigentlich anregte, sondern der seinen Geist in die Natur hineinlegte. Nun will ich versuchen, ob ich diesem mir neuen Lande auch eine Seite abgewinnen kann« (Tagebücher des Künstlers, München 1904, S. 252).Nach den Studien auf Rügen sind nur wenige Bilder entstanden. Eines davon, über die Sammlung Dr. Georg August Freund in die Nationalgalerie gelangt, zeigt in gewittriger Stimmung einen Blick auf den bewegten Rügener Bodden. Im Vordergrund ist ein Fischer neben seinem Boot zu sehen, der Pfeife rauchend den Horizont beobachtet. Ein großer Fels ragt rechts von ihm wie ein urzeitlicher Findling aus dem Sand. – Vgl. die Abbildung der zugehörigen Studie in der Broschüre »Der Vilm, die Maler-Insel« von Toni Preller, der Ehefrau des Künstlers, aus dem Jahr 1906 (Blasewitz, Verlag Emil Boden, o. Pag.). | Regina Freyberger