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Komposition: Sitzendes Mädchen

Ident. Nr.: A II 795

ObjID: obj:960319

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Mario Sironi (1885 - 1961),
Künstler*in
Datierung
um 1927/1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Komposition: Sitzendes Mädchen
Originaltitel: Composizione: Ragazza seduta
Übersetzung: Composition: Girl, Seated
Originaltitel: Composizione: figure
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 80 cm
Erwerbung
1932 Ankauf zusammen mit anderen Werken im Tausch gegen ein Michetti Gemälde

Objektbeschreibung

Als einer von sieben Malern gehörte Sironi der Gruppe Novecento an, die 1922 unter anderem von der Kunstkritikerin und Mäzenin Margherita Sarfatti, die in engem Verhältnis zu Benito Mussolini stand, gegründet worden war. Die Gruppe strebte einen modernen Klassizismus an, der die faschistische Ära begleiten sollte. Zwar sind die monumentalen, vereinfachten Formen des „Industriebildes“ und der „Komposition“ typisch für Sironi, doch wer triumphale Ansichten erwartet, wird enttäuscht: Das „Industriebild“ (A II 794) sieht düster aus, die Frau mit Kind auf dem Arm steht offenbar in keiner Beziehung zu der sich hinter ihr erhebenden Industrieanlage. Neben ihr sitzt ein Bettler mit ausgestreckter Hand. Im Gegensatz zu den klaren Linien der Kleidung der Frau und der geraden, klaren Linie von ihrer Stirn zu ihrer Nasenspitze – ein Verweis auf die Renaissancemalerei – ist das schattige Gesicht des Bettlers durch geschmierte schwarze Linien verzerrt. Im Hintergrund, der vor allem aus einfarbigen Flächen besteht, kann das Blau des Himmels die dominierenden Brauntöne kaum ablösen. Ähnlich dunkel und enigmatisch wirkt die Beziehung zwischen der Frau und dem Mann in der „Komposition“ (A II 795). Beide Figuren sind im Halbschatten in groben Zügen und halb nackt dargestellt. Es ist eine intime Situation mit einer noch nicht ganz abgeschlossenen Handlung. Die Betrachter:innen bleiben außen vor. Die grobe Darstellung der Körper markiert eine entschiedene Abkehr von den klassizistischen Idealen des Novecento. Zusammen mit 13 weiteren Werken aus Italien gelangten die beiden Gemälde von Sironi Ende 1932 durch einen Bildertausch an die Nationalgalerie und waren ab Februar 1933 in deren Neuer Abteilung im Kronprinzen-Palais zu sehen. Bald jedoch regte sich deutliche Kritik an vielen dieser Arbeiten (vgl. Dieter Scholz, Faschistische Bilder in der Nationalgalerie?, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Band 53 [2011], S. 131–146). Am 30. Oktober 1937 wurde die „Komposition“ als „entartet“ beschlagnahmt, aber ein Jahr später der Nationalgalerie zurückgegeben. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz