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Sinnendes Mädchen

Ident. Nr.: A IV 145

ObjID: obj:960361

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lachnit (1899 - 1962),
Künstler*in
Datierung
um 1950
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sinnendes Mädchen
Übersetzung: Contemplative Girl
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Max Lachnit, Dresden,
wahrscheinlich 1962 - 1968
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 79,5 cm
Erwerbung
1968 Ankauf von Max Lachnit, Dresden

Objektbeschreibung

Seit Anfang April 1947 lehrte Lachnit als Professor für Malerei an der wiedereröffneten Hochschule der Bildenden Künste in Dresden. Er versuchte durch arrangierte Kompositionen, wie hier einem weiblichen Modell neben einem Stuhl mit drapierten Tüchern und Früchten, zunächst die formalen Werte eines Bildes zu vermitteln. Grundlegend schienen ihm die theoretischen Überlegungen des Briten Clive Bell zu sein. Dessen in deutscher Übersetzung 1922 bei Paul Westheim in Dresden publizierte Schrift „Kunst“ hatte er schon als junger Mann studiert. Es ging Bell um die Schaffung einer bedeutsamen ästhetischen Form mithilfe von Linie, Form und Farbe. Dem Vorwurf des „Formalismus“ versuchten die Schüler Lachnits und Lachnit selbst durch Anlehnung an die Frührenaissance zu entgehen, entsprechend orientierte er auf die Leimfarbenmalerei, wie sich mehrere Schüler noch nach Jahren erinnerten. „Während alle anderen Klassen mit Ölfarben malten, arbeiteten wir bei Lachnit ausschließlich mit Leimfarben. Die Bildkomposition war uns wichtig und Piero della Francesca unsere Ikone.“ (Christian Kirsten, Erinnerung an Lachnit, in: Wilhelm Lachnit, Ausst.-Kat., Dresden, 2012, S. 178) Bei dieser Komposition heben sich das Mädchen, in reduzierter Form- und Farbbehandlung wiedergegeben, und das Stuhlstillleben, ebenfalls in Gelb und Braun gehalten, von dem hellblauen Hintergrund ab, ein stärkerer blauer Streifen hinterfängt das leuchtend gelbe Tuch und setzt rechts einen kräftigen Akzent zu dem Mädchen links. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz