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Ruderer. Studie zu den Fresken in der Zoologischen Station Neapel

Ident. Nr.: A I 1024/4

ObjID: obj:960431

Details (Expert)

Beteiligte
Hans von Marées (1837 - 1887),
Maler*in
Datierung
1873
Provenienz
Ingenieur Petersen, Neapel,
376970
Ingenieur Storrer, Neapel,
376971
Gabriele Palumbo, Neapel,
376972
Adolf von Hildebrand, München/Florenz,
4.12.1907
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 136 x 166,5 cm

Objektbeschreibung

Nach dreijährigem Aufenthalt in Deutschland kehrte Marées 1873 in das ›klassische Land‹ zurück, in dem er zuvor schon jahrelang gelebt hatte; er sollte es nicht wieder verlassen. Er entfloh dem Wirtschaftsfieber der deutschen Gründerjahre ebenso wie Bismarcks Machtpolitik und dem Trubel der Ausstellungen und Kunstvereine. Zwischen den Kunstbetrieb und sich schaltete er seinen Mäzen Conrad Fiedler. Doch so sehr die Isoliertheit seinem elitären Kunstideal entgegenkam, so wenig verabschiedete er sich von monumentalen, raumgebundenen Bildgattungen, die eine strukturierte Gemeinschaft von Betrachtern voraussetzen, und namentlich vom Fresko, das seit Beginn des Jahrhunderts einen romantischen Bund zwischen Kunst und Volk besiegeln sollte, faktisch aber nur die Kunst an Fürsten band.
Doch wie die Fresken der Casa Bartholdy ging Marées’ erster und einziger Auftrag auf diesem Gebiet von einem Privatmann aus und war nur für eine beschränkte Öffentlichkeit bestimmt. Der junge, darwinistisch motivierte deutsche Zoologe Anton Dohrn hatte bei Neapel eine Station zur Beobachtung der Meeresfauna eingerichtet und darin einen Saal – dem Studium und der abendlichen geistigen Geselligkeit vorbehalten – zum Gesamtkunstwerk aus Fresken und dekorativer Plastik bestimmt. Dazu gehörte auch der Ausblick auf die blaue Bucht, den die Bildkompositionen fortsetzen; es gehörten dazu die in dem Raum aufgestellten Bücher; und ebenso die Musik und die wissenschaftlichen Veranstaltungen. Marées’ Konzept entstand in Gemeinschaft mit dem ihm damals noch eng befreundeten, zehn Jahre jüngeren Bildhauer Adolf Hildebrand, und sehr gegen seine Gewohnheit vollendete er die großen Bilder in wenigen Monaten – mit zu leichter Hand, wie der Geldgeber Conrad Fiedler fand.
Gemeinsam mit dem noch sehr jungen Bildhauer Adolf Hildebrand, seinem Freund (der die dekorativen Einfassungen und plastische Arbeiten übernahm), gestaltete Marées alle vier Wände mit neun Fresken. Das gemeinsame Thema ist, vom Üblichen abweichend, nicht Geschichte, Religion oder Allegorie. Eher schon eine große ›allégorie réelle‹ im Sinne Courbets, in der die Wirklichkeitsdichte durch das Metaphorische nicht gemindert wird. Im Mittelpunkt steht das benachbarte Meer, der Forschungsgegenstand der Stazione Zoologica: Unter dem Freskensaal befindet sich das eigentliche ›Aquarium‹. Die Bilder erkunden nicht das Wasser selbst, sondern schildern die Küste und ihre Bewohner.
Ein über mehrere Wandabschnitte verteiltes Fresko, einem Panorama ähnlich, schildert die Ausfahrt von Fischern; ein anderes, wie ein Fischerboot ins Wasser geschoben wird; ein drittes das abendliche Beieinandersitzen der Gelehrten mit ihren Freunden, den Künstlern, vor einem Wirtshaus; ein weiteres zeigt einen paradiesartigen Orangenhain mit Gärtnern und sitzenden Frauen. Dynamischer Kraftaufwand wechselt mit statischer Ruhe, Schrägen mit Senkrechten, offene Tiefe mit raumschließenden Fronten. Sehr weite Bildräume, der Verzicht auf Erzählendes zugunsten zeitloser Ruhe, die feierliche Strenge und Vereinfachung von Haltungen und Komposition, die Suche nach Größe und Allgemeingültigkeit: All das hebt Sujets, die damals nur der Genremalerei angemessen schienen, auf die Höhe des Idealen.
Jeweils unmittelbar bevor Marées seine Gehilfen ein Stück Wand mit Putz bewerfen ließ, um ›al fresco‹ zu arbeiten – was eine sichere Hand erforderte –, entstanden zur Übung nach dem Modell ›Skizzen‹ in Öl zu Teilen der Komposition, jeweils in der endgültigen Größe: Meist sind es Einzelfiguren, doch die Dynamik der Ruderer konnte nur an der ganzen Vierergruppe eingeübt werden. Die fünf in Berlin erhaltenen Skizzen zeigen eine unterschiedliche Faktur: summarisch und fast monochrom wie der »Grabende Mann«, an dem auch die Reuezüge deutlich zu erkennen sind, oder stark ausgearbeitet und farbig. Dies hat bei Uta Gerlach-Laxner die Vermutung ausgelöst, die »Ruderer« könnten, statt eine vorbereitende Arbeit, eine nachträgliche Variante sein (vgl. U. Gerlach-Laxner, Hans von Marées, München 1980, S. 135). Wie dem auch sei, die strahlende, ungebrochene Farbigkeit dieses Bildes – eine wahre Trikolore! – ruft die Gleichzeitigkeit mit ähnlichen Werken von Manet und Monet ins Bewußtsein, wie auch der Einsatz der Parallelen schon früh den Namen Ferdinand Hodlers auf den Plan rief. Die schlichte Hoheit der »Frau auf der Treppe« in ihrer kubisch gebauten Umgebung muß heute an den frühen Picasso erinnern. Andererseits ist die »Austernfrau« eine Anleihe aus Tizians »Tempelgang Mariä« (1534–1538, Gallerie dell’Accademia, Venedig). Diese Figur fehlt noch im farbigen Gesamtentwurf des Freskos »Pergola«. Ihre Hinzufügung rückt die Sitzende auf ihrem hohen Treppenpfosten in die Mittelachse und räumt die ganze rechte Bildhälfte einer schmucklosen, großflächigen Architektur ein, in der die Alte, ganz in die rechte Bildecke versetzt, die dichtgedrängte Männergruppe der linken Bildhälfte balanciert.
In allen diesen Arbeiten für Neapel ist ein unbefangener Realismus am Werke, den keine klassizistischen Rückgriffe trüben. So suggeriert die Farbe licht- und winderfüllte Luft um die bewegten massigen Körper, obwohl diese die ganze Fläche der Ölskizze füllen – während sie auf dem Fresko klein vor riesigem Himmel und weiter Wasserfläche erscheinen. Andererseits bereiten schon die Teile die entschiedene Konstruktion der Fresken vor: hier den Parallelismus der Schrägen, die sich im Fresko gegen pfahlhafte Senk- und gedehnte Waagerechten stemmen. Marées bestand auf bewußtes, theoretisch begründetes Arbeiten, und zugleich nimmt man in seinen Arbeiten einen Grundklang von verschleierter, träumerischer Entrücktheit wahr, eine labile Balance von Geometrie und Geheimnis. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 24.04.2026

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Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Blick auf Paris

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Max Schlichting hat mehrfach Blicke über Paris gemalt. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1897 zeigte er das Bild »Hoch über Paris« (Kat.-Nr. 1260), das von der Nationalgalerie aus der Großen Berliner Kunstausstellung 1911 erworben, 1913 aber gegen das Bild »Pariser Boulevard am Abend« getauscht wurde. Im Herbst 1898 verließ er Paris. In Berlin wurde er 1899 Mitglied der Berliner Secession, wodurch eine weitere Beteiligung an den von der Akademie und dem Verein Berliner Künstler veranstalteten offiziellen Ausstellungen ausgeschlossen war. Anfang 1902 trat er wohl aus diesem Grund aus der Secession wieder aus. Auf der zweiten Ausstellung der Berliner Secession im Jahr 1900 hatte Schlichting einen »Blick auf Paris vom Montmartre aus« gezeigt (Kat.-Nr. 290), vermutlich das vorliegende Bild. Es ist der Signatur zufolge im September 1898 entstanden. Das dort als verkäuflich ausgewiesene Werk war 1905 erneut auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen (Kat.-Nr. 945). Hier wurde es aus Staatsmitteln für die Nationalgalerie erworben. Mit den beiden Rückenfiguren am Zaun, der zugleich den Vordergrund begrenzt, schaut der Betrachter vom Montmartre über das Häusermeer auf das abendliche Paris und die Kirche Saint-Vincent-de-Paul (erbaut 1824–1844 von Jean-Baptiste Lepère und seinem Schwiegersohn Jakob Ignaz Hittorff), die dominant vor der verschwimmenden Ferne steht. Eine ähnliche Fassung von 1910 in festeren Formen und größerem Format befindet sich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf. | Angelika Wesenberg

Der Kammersänger Karl Wallenreiter

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Arco di Miseno bei Miliscola mit Blick nach Nisida

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Der aus Wien stammende Joseph Rebell lebte von 1810 bis 1824 in Italien. Angeregt dazu wurde er von seinem Lehrer Michael Wutky, der viele Jahre in Neapel verbrachte. Ab 1812 wirkte Rebell für drei Jahre als Maler am Hofe Joachim von Murats, des zeitweiligen Königs von Neapel. Nach dessen Sturz und Erschießung 1815 kehrte er nach Rom zurück. Wenige Jahre später, 1819, schuf der Künstler im Auftrag von Kaiser Franz I. vier großformatige Landschaftsansichten der Gegenden um Neapel: »Der Hafen Granatello bei Portici«, »Sonnenuntergang über den Campi Flegrei«, »Meeressturm am Arco di Miseno bei Miliscola« sowie eine »Ansicht der Stadt Vietri mit Blick auf den Meerbusen von Salerno« (alle vier Gemälde in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien). Anstoß zu diesem Auftrag war eine Landschaft von Tivoli, mit welcher der Maler an der zu Ehren des österreichischen Monarchen 1819 gezeigten Ausstellung der deutschen Künstler im römischen Palazzo Caffarelli teilgenommen hatte. Im gleichen Jahr, nach Eintreffen der vier Auftragswerke am Wiener Hof, bot der Kaiser Rebell die Stelle des Direktors der Kaiserlichen Gemäldegalerie an und berief ihn zudem zum Leiter der Landschaftsklasse an der Akademie der bildenden Künste. Ende der 1820er Jahre wiederholte Rebell einige der für Franz I. gemalten Werke mehrmals. Sowohl mit der »Ansicht der Stadt Vietri« als auch mit »Arco di Miseno bei Miliscola« besitzt die Nationalgalerie im Format kleinere Fassungen der Wiener Bilder (Inv.-Nr. A II 578 und W.S. 185). Das erstgenannte Gemälde zeigt einen Fernblick auf Küste, Meer und Berge zwischen Vietri und Amalfi, im Vordergrund zurückhaltend belebt mit Landleuten. In der Darstellung des einst am Capo di Miseno ins Meer ragenden Felsbogens treibt im sturmgepeitschten Meer ein gekentertes Fischerboot auf die Küste zu. Düstere, von Sonnenstrahlen durchbrochene Wolkengebilde am Himmel steigern die Dramatik der Situation. | Birgit Verwiebe

Dachauerin mit Kind

Dachauerin mit Kind

Um 1870 kopierte Leibl in der Münchner Alten Pinakothek von Cornelis de Vos die in prächtiger Kleidung dargestellte »Charlotte Butkens mit ihrem Sohn« (die Kopie von Leibl im Wallraf-Richartz-Museum, Köln). Als er während seines Aufenthaltes in Graßlfing bei Dachau, vom Frühjahr 1873 bis Herbst 1874, eine »Dachauerin mit Kind« malte, vermutlich die Müllerin Ploner (Lebensdaten unbekannt), wird er sich an diese Arbeit erinnert haben. Auch die Dachauerin trägt eine festliche Tracht, weniger farbenfreudig und kontrastreich, aber doch geeignet, den verschiedenen Strukturen und Farbnuancen nachzuspüren. Leibls Vorstellung von Ehrlichkeit kam die schlichtere, bäuerliche Frau mit ihrem Kind sogar mehr entgegen; ihre monochrome Kleidung erlaubte eher, den Eigenwert der puren Malfläche herauszustellen. Weder bei Cornelis de Vos noch bei Leibl ist eine Szene dargestellt, in beiden Fällen schaut die Mutter eher zurückhaltend, das Kind frei aus dem Bild heraus. Leibl nimmt das alte Genre der Bildnismalerei bewußt auf. Mutter und Kind sind trotz ihres einfachen Standes als Individuen erfaßt. Dabei spielte soziales Engagement für Leibl kaum eine Rolle. Er wählte seine bäuerlichen Modelle ihrer herben Schönheit wegen. Das Bild ist von dem Gegensatz zwischen den hellen Gesichtern von Mutter und Kind sowie der bläulichen Rückwand zu den dunklen, schwarz-braunen Trachten geprägt. Sie sind silhouettenhaft gegen den hellen Grund gesetzt. Die unvermittelten Kontraste zwischen hell und dunkel empfand der Vorbesitzer, ein Herr Elias in Brüssel, um 1890 als so störend, daß er »die hellen Stellen mit einem trüben Firnis überziehen ließ« (E. Waldmann, Wilhelm Leibl, Berlin 1930, S. 54). Unterdessen ist das Bild restauriert worden. | Angelika Wesenberg

Huldigung der Schlesischen Stände vor Friedrich II. in Breslau 1741. Skizze

Huldigung der Schlesischen Stände vor Friedrich II. in Breslau 1741. Skizze

Schon Ende 1853 hatte der Schlesische Kunstverein in Breslau bei Menzel – der seine Geburtsprovinz niemals vergessen hatte – ein Bild aus der schlesischen Geschichte bestellt, ihm die Wahl des Themas aber überlassen. Das große Bild konnte im Juli 1855 in der Lüderitzschen Buchhandlung in Berlin ausgestellt werden. Lange gehörte es dem Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau und befindet sich heute als Treuhandgut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Nationalgalerie (vgl. auch die Studie Inv.-Nr. A III 505).In einem Holzschnitt Menzels zum 15. Kapitel von Franz Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842) ist das Ereignis schon in einer auf drei Personen konzentrierten Darstellung festgehalten. Aus dem Kontext wird deutlich, daß die Zeremonie keineswegs nur einer Routine folgte, sondern erst durch den erfolgreichen Verlauf des Feldzuges von 1741 ermöglicht wurde. Die Erbhuldigung im Fürstensaal des Breslauer Rathauses am 7. November 1841 sollte die auch in späteren Jahren umstrittene Eroberung Schlesiens legitimieren. Menzel folgt einem (apokryphen) Bericht von Friedrichs Freund Baron Bielfeld, wonach das Reichsschwert, auf das die Ständevertreter ihren Schwur leisten mußten, unauffindbar blieb, worauf Friedrich kurzentschlossen und keck seinen Degen zog, um es zu ersetzen.Eine Zeichnung Menzels (Verbleib unbekannt) verzeichnet die Namen der Anwesenden, unter ihnen Prinz Leopold I. von Anhalt-Dessau (hinter Feldmarschall Graf von Schwerin, der von Friedrich den Degen entgegennimmt) und Prinz August Wilhelm, Friedrichs Bruder (rechts vom König) sowie Staatsminister Graf von Podewils (an den Thronstufen). Rechts stehen Vertreter der Kirche. Bei der Übertragung in das große Format wurden Lichtführung und auch Figurenmotive verändert, was die Gesamtwirkung ruhiger und geschlossener, aber auch zeremonieller und konventioneller macht. | Claude Keisch