Logo

Bozzetto n. 2

Ident. Nr.: B 399

ObjID: obj:960446

1958 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Umberto Mastroianni (1910 - 1998),
Künstler*in
Datierung
1956
Abmessungen
Höhe x Breite: 102,5 x 72 cm
Erwerbung
1958 Ankauf von der Ausstellungsleitung der 29. Biennale di Venezia durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Die Zeichnung „Bozzetto n. 2“ ist Teil der Werkgruppe „Cartoni scalfiti in bianco e nero“ aus den Jahren 1956/1957, Reliefkartons in Schwarz und Weiß. „Bozzetto n. 2“ ist mit schwarzer Tusche auf Holzpappe gezeichnet. Im hochrechteckigen Format bildet sich durch Linien, geometrische Formen und Schraffuren ein räumliches Gefüge. Auf schwarzem Grund sind Dreiecke, Rechtecke sowie Bogensegmente ineinander verschränkt. Einzelne Linien sind wie Strahlen über das Gebilde hinausgezogen und markieren gleichzeitig die Kontur des Konstrukts. Mastroianni nutzte die schwarze Farbe der Tusche nicht, um die Formen zu füllen, sondern durch Freilassungen helle Formen entstehen zu lassen. Der schwarze Hintergrund bringt den gelblichen Ton der Holzpappe leuchtend hervor und unterstützt durch den starken Kontrast die Dynamik der Bildelemente. Der hier entstandene Raum wirkt mit den vielfältigen abstrahierten Formen stark bewegt. Mit dem Wort „bozzetto“, das bereits seit dem 15. Jahrhundert in Italien für malerische oder plastische Skizzen verwendet wurde, beschreibt der Künstler den skizzenhaften Charakter der Zeichnung und verweist auf den modellhaften Versuch, Linien, Flächen und Kreissegmente in dynamischer Verbindung darzustellen. Die Zeichnung kann als Ausgangspunkt für seine Skulpturen aus Bronze gesehen werden. | Stefanie Meisgeier

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz