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Kopf des Dirigenten Hermann Levi

Ident. Nr.: A I 763

ObjID: obj:960470

Details (Expert)

Beteiligte
Franz von Lenbach (1836 - 1904),
Maler*in
Datierung
1882
Provenienz
Hermann Levi, München/Partenkirchen,
13.5.1900
Nachlass/Vermächtnis: Mary Levi(-Fiedler-Balling), München/Partenkirchen,
13.5.1900 - 7.7.1902 (Vorlaßvertrag mit dem preußischen Staat)/10.3.1919
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 45 x 32 cm
Erwerbung
1902 Vorlaß der Mary Levi (spätere Balling), München und Partenkirchen, aus der Sammlung ihres verstorbenen Ehemanns Hermann Levi; 1919 endgültige Übergabe nach dem Tod der Stifterin

Objektbeschreibung

Der Komponist und Dirigent Hermann Levi (1839–1900) prägte mit großem Weitblick das deutsche Musikleben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er förderte Johannes Brahms, später Richard Strauß und Engelbert Humperdinck. Werke von Robert Schumann, Berlioz oder Verdi brachte er teils in deutscher Erstaufführung auf die Bühne, und seine stilbildenden Münchner Neuaufführungen der Opern Mozarts prägen die Rezeption des Wiener Komponisten bis heute.
Der ehemalige Schüler des Hofkapellmeisters Vinzenz Lachner in Mannheim und später des Leipziger Konservatoriums war, nach Stellen in Saarbrücken und an der Deutschen Oper in Rotterdam, 1864 zum ersten Kapellmeister des Badischen Hoftheaters in Karlsruhe ernannt worden. Nahebei, im Dorf Lichtenthal bei Baden-Baden, verkehrte er im Künstlerkreis um Clara Schumann und traf sich mit den Freunden Johannes Brahms und Julius Allgeyer, der ihn 1865 mit Anselm Feuerbach bekannt machte. Levi begann seitdem, Werke von Feuerbach zu sammeln, in den 1870er Jahren folgten Arbeiten von Böcklin, Marées und später Hans Thoma – eine Leidenschaft, die ihn mit dem Kunsttheoretiker Conrad Fiedler verband. Ein »Zufall hat es gefügt, daß Fiedler und ich – ohne daß wir uns kannten […] – auf Werke der bildenden Kunst genau denselben Geschmack setzten«, schrieb Levi am 22. November 1898 an Thoma (Bayerische Staatsbibliothek, Leviana I, 48, Conzepte 1898–1899, o. Pag.). Finanzielle Mittel waren allerdings stets knapp, so daß Levi immer wieder einzelne Arbeiten für Neuerwerbungen verkaufen mußte. Dies änderte sich auch nicht, als Levi 1872 an die Königliche Hofoper nach München berufen wurde, der er bis 1896, zuletzt als Generalmusikdirektor, vorstand. Als außerordentliches Mitglied der Künstlervereinigung Allotria lernte er in diesen Jahren Franz von Lenbach kennen; er wurde ein enger Freund, der ihn mehrfach porträtierte. Zugleich intensivierte sich der Kontakt mit Richard Wagner, für den Levi 1882 die Uraufführung des »Parsifal« in Bayreuth dirigierte. Als Conrad Fiedler 1895 tödlich verunglückte, heiratete Levi kurz darauf dessen Witwe Mary, die Tochter des Direktors der Berliner Gemäldegalerie, Julius Meyer. Für beide entwarf Adolf Hildebrand die Villa am Riedberg in Partenkirchen, in der Levi seit 1897 unter anderem die Edition der von ihm aus dem Italienischen neu übersetzten Opern Mozarts beendete. Hildebrand war es auch, der schließlich die Totenmaske des Freundes abnahm und in einem Brief notierte: »Sein Kopf sah herrlich aus, ein verklärtes Christusbild« (zit. nach: Hildebrand und seine Welt, München 1962, S. 475). Lenbach muß Jahre zuvor eine ganz ähnliche Assoziation gehabt haben, als er 1882 Levi auf Goldgrund porträtierte: nur das bärtige Gesicht, ganz frontal gegeben, wie aus der Bildtradition des Schweißtuchs der heiligen Veronika bekannt. Als Teil der Kunstsammlung Levis und zusammen mit Werken aus der Sammlung Conrad Fiedlers gelangte dieses Bild im Jahr 1902 zunächst als Vorlaß der Witwe Mary Fiedler-Levi (später verheiratete Balling) in den Bestand der Nationalgalerie. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Märkische Landschaft

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Im Sommer 1880 lebten und arbeiteten die Malerfreunde Carl Schuch und Karl Hagemeister gemeinsam in Kähnsdorf bei Beelitz in der Mark Brandenburg. Hagemeister stammte aus dieser noch ganz unbekannten herben Landschaft, in die er den gebürtigen Wiener geladen hatte. Während Schuch, vom Stilleben herkommend, über die Einbeziehung von Architektur versuchte, sich den Formen der Landschaft zu nähern (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 35), bedurfte Hagemeister keiner geraden Linie für seine große »Märkische Landschaft«. Sie ist übersichtlich gegliedert: der See im Vordergrund, die geschwungenen Uferstreifen in der Mitte und große Baumgruppen vor einem bewölkten Himmel im Hintergrund.In seinen Erinnerungen notierte Hagemeister über die Aufenthalte in der Mark Brandenburg, »hier begannen wir aus dem Ton zu malen im Sinne von Leibl und Courbet« (K. Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928, Typoskript im Archiv des Bröhan-Museums, Berlin). Doch scheint auch Schefflers Hinweis auf die intime Naturauffassung der Malerschule von Barbizon, mit der sich Hagemeister während seiner Weimarer Lehrzeit beschäftigt hatte, sehr angebracht.1910 veröffentlichte Karl Scheffler in der Zeitschrift »Kunst und Künstler« eine erste Würdigung des Malers: »Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen« (in: Kunst und Künstler, 8. Jg., 1910, S. 415–416).Fünfzehn Jahre vor Leistikows »Grunewaldsee« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 622) erfaßte Hagemeister die Schönheit märkischer Seen in diesem dunkeltonigen, groß aufgefaßten, auffallend ähnlich kurvenreichen Landschaftsbild. | Angelika Wesenberg

Der Watzmann

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»Vom Prof. Friedrich ist noch eine recht schöne große Landschaft hier«, schrieb das Literarische Conversations-Blatt anlässlich der Dresdner Akademieausstellung 1825, »eine einsame Gebirgsgegend. Trefflich sind die verschiedenen Tinten der höhern Bergregionen dargestellt: vorn, zwischen den sich thürmenden Basaltblöcken, drängen sich noch Gras und Bäumchen hervor, höher hinauf ziehen sich Nebel um die öden Bergrücken, ganz oben schimmern die Felsenstirnen, mit ewigem Schnee bedeckt, in ungetrübter Klarheit. Die völlige Einsamkeit hat hier etwas Schauerliches, man sehnt sich danach, wenigstens einen Adler oder eine Gemse zu erblicken: vergebens, kein Leben wohnt hier, als das der Luft und des Lichts, jeder Pulsschlag des Gefühls stockt in dieser Höhe!« (zit. nach: Literarisches Conversations-Blatt 1825, S. 888; auch zit. in: H. Börsch-Supan und K. W. Jähnig, Caspar David Friedrich, München 1973, S. 106). Caspar David Friedrich war nie in den Alpen, dennoch malte er mehrere Ansichten dieses Gebirges. Für die Komposition seines Gemäldes »Der Watzmann« nutzte er verschiedene Vorlagen. Zentral war für ihn eine Aquarellstudie der Gipfelpartie, die sein Schüler Johann August Heinrich vor Ort festgehalten hatte (Nationalmuseum Oslo). Zudem verwendete er eigene Skizzen seiner Reise durch den Harz. Dem Motiv des Felsens in der Mitte des Vordergrundes liegen Zeichnungen des Trudensteins am Hohnekopf in der Nähe des Brockens vom 28. Juni 1811 zugrunde (Standort unbekannt). Bereits 1824 hatte Friedrich eine großformatige Alpenlandschaft in Dresden präsentiert. Auf dem Bild war ein Blick zum Mont Blanc dargestellt (»Hochgebirge«, Öl auf Leinwand, 131 x 167 cm, ehemals Nationalgalerie Berlin, Kriegsverlust). Wie beim »Watzmann« diente auch hier eine fremde Zeichnung als Vorlage, in diesem Fall ein Blatt von Carl Gustav Carus. Friedrich malte seinen »Watzmann« wohl in Reaktion auf das denselben Gipfel zeigende, 1824 in Dresden ausgestellte Werk des 23-jährigen Ludwig Richter (Neue Pinakothek, München). Detailreiche, erzählerische Darstellungen wie diese lehnte er ab.          In Friedrichs Bild erscheint der in hellem Licht strahlende die Größe und das Unermessliche der Natur verkörpernde Gletscherberg fern und entrückt, wie ein Symbol göttlicher Majestät. Zarte Dünste schweben vor den darunter liegenden Bergrücken des Archenkopfes und des Grünsteins. Subtil hat Friedrich die dort zwischen Grün und Violett changierenden Farbtöne wiedergegeben. Kein lebendiges Wesen ist in der Einsamkeit dieser Hochgebirgslandschaft zu erkennen. Die pyramidale Komposition gipfelt im leuchtenden Weiß des ewigen Eises, eine Bildidee, die Friedrich schon zwei Jahre zuvor in seinem berühmten Gemälde »Das Eismeer« (Hamburger Kunsthalle) entwickelt hatte. Eberhard Hanfstaengl, der den »Watzmann« für die Berliner Nationalgalerie erwarb, bewunderte Friedrichs »bildnerische und dichterische Kraft [...], mit der er eigenes und fremdes Naturbild in eine phantasievoll gesteigerte Form bringt, die alles Vedutenhafte verliert und zu einem Inbegriff der Gebirgsdarstellung wird« (E. Hanfstaengl, Vier neue Bilder von Caspar David Friedrich, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 58, 1937, S. 223). | Birgit Verwiebe

Meeresküste mit Schiffer und Booten

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1887 reiste Friedrich Preller mit seinen Schülern von der Dresdner Akademie an die Ostsee, besuchte erstmals die Insel Rügen und die Malerkolonie auf der Insel Vilm. Doch auch wenn Preller, berühmt für seine Bilder südlicher, meist italienischer Landschaften, bis 1899 fast jährlich nach Vilm reiste und dort Studien anfertigte, erschloß sich ihm die Ostseeregion nur schwer. »Es ging mir«, schrieb er an die befreundete Frau von Holstein am 6. November 1887, »wie es Jedem geht, der sich eine bestimmte Vorstellung macht und Alles total anders findet. […] In mir lebte die Vorstellung des Landes wie es mein Vater gemalt hat: rauschendes Meer und Hühnengräber mit 1000 jährigen Eichen, und ich fand eine Natur zwar fein und reizvoll, aber gänzlich charakterlos und was noch schlimmer ist: physiognomielos. […] Das Rügen meines Vaters ist das Phantasiegebilde eines großen Künstlers, den diese Natur nicht eigentlich anregte, sondern der seinen Geist in die Natur hineinlegte. Nun will ich versuchen, ob ich diesem mir neuen Lande auch eine Seite abgewinnen kann« (Tagebücher des Künstlers, München 1904, S. 252).Nach den Studien auf Rügen sind nur wenige Bilder entstanden. Eines davon, über die Sammlung Dr. Georg August Freund in die Nationalgalerie gelangt, zeigt in gewittriger Stimmung einen Blick auf den bewegten Rügener Bodden. Im Vordergrund ist ein Fischer neben seinem Boot zu sehen, der Pfeife rauchend den Horizont beobachtet. Ein großer Fels ragt rechts von ihm wie ein urzeitlicher Findling aus dem Sand. – Vgl. die Abbildung der zugehörigen Studie in der Broschüre »Der Vilm, die Maler-Insel« von Toni Preller, der Ehefrau des Künstlers, aus dem Jahr 1906 (Blasewitz, Verlag Emil Boden, o. Pag.). | Regina Freyberger