Selbstbildnis Verso: Bildnis eines bärtigen Mannes
Ident. Nr.: A IV 546
ObjID: obj:960479
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1945
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Selbstbildnis Verso: Bildnis eines bärtigen MannesÜbersetzung: Self Portrait Verso: Portrait of a Bearded Man
- Provenienz
- Nachlass/Vermächtnis: Sohn des Künstlers, Berlin (West),
1985Kauf: Staatlicher Kunsthandel der DDR,
1985–1986 - Material / Technik
- Tempera auf Sackleinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 57,5 x 43,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/960479
Objektbeschreibung
Immer wieder widmete sich Strempel dem Selbstporträt, meist in ähnlicher Pose: ohne Hintergrundszene und die Attribute des Malers wie Pinsel oder Staffelei, dafür oft mit Zigarette und runder Brille, die Kleidung proletarisch, den Betrachter:innen direkt ins Gesicht blickend. Sein frühestes erhaltenes Selbstbildnis (Privatbesitz) zeigt ihn im Alter von 20 Jahren. In der vorliegenden Ausführung von 1945 kommt bei dem nun 41-Jährigen erstmals der Bart hinzu, sein Gesichtsausdruck wirkt verschmitzt, die Kippe hängt lässig im Mundwinkel. Strempel gehörte zur „verschollenen Generation“ (Rainer Zimmermann, Die Kunst der verschollenen Generation, Düsseldorf/Wien 1980), zu jenen Künstlern, die um 1900 geboren und im Zusammenhang mit der NS-Zeit um ihren Erfolg gebracht worden waren. Verglichen mit anderen, strengen Selbstporträts dieser Maler – in der Sammlung der Nationalgalerie beispielsweise die Bildnisse von Bernhard Kretzschmar (1946, A IV 268) oder Hans Grundig (1946, A IV 2) – wirkt Strempel hier geradezu entspannt. Dabei lagen zwölf schwere Jahre hinter ihm: 1933 war die Karriere ins Stocken geraten, nach Angriffen und Verboten ging er ins Pariser Exil, wo er ohne Arbeitserlaubnis lebte. Nach Beginn des Krieges wurde er verhaftet, interniert und an Deutschland ausgeliefert. Schließlich schickte man ihn als Bausoldat nach Griechenland und Jugoslawien an die Front. Bei seiner Rückkehr nach Berlin hatte er nicht nur die dort verbliebenen älteren Werke, sondern auch seine Bilder aus Paris verloren. 1945 bedeutete für ihn einen Neuanfang, dem er im Porträt abwartend, aber selbstbewusst entgegensieht. | Sven Haase
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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