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Melonenesser

Ident. Nr.: A IV 559

ObjID: obj:960547

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lachnit (1899 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1957
Weitere Titel
Sammlungstitel: Melonenesser
Übersetzung: Eating Watermelons
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Helene Lachnit, Dresden,
wahrscheinlich 1972 - 1986
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 80 cm
Erwerbung
1986 Ankauf von Helene Lachnit, Dresden

Objektbeschreibung

Von September bis Ende November 1956 bereiste Lachnit gemeinsam mit dem Malerfreund Karl Kröner Italien. Sie sahen die Biennale in Venedig, waren in Rom, Lachnit traf Freunde auf Ischia. Zurück in Dresden fasste Lachnit seine Eindrücke für einen Zeitungsartikel so zusammen: „Mein Erleben war wie ein großer Gesang, den ich malend und zeichnend dirigiere. Meine Arbeit soll eine Huldigung an Italien werden, zyklisch, ein einziger Blumenkorb, ein Bukett des Dankes. […] Das Schwerblütige des Deutschen verwandelt sich hier in Duft.“ (zit. nach Wilhelm Lachnit. Gemälde Graphik, Zeichnungen, Ausst.-Kat., Akademie der Künste der DDR, Berlin 1990, S. 65 f.) 1957 entstanden eine Reihe von Landschaften, die das Gesehene wiedergeben, aber auch einige große Figurenbilder, die zum Teil auf frühere Arbeiten zurückgreifen. Eine Monotypie „Melonenesser“ von 1953, die Darstellung nur des Knaben, hatte Lachnit 1956 im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg ausgestellt. Was nun ist das Italienische an den neu entstandenen Bildern? Die „Melonenesser“ wie auch die „Lesende mit Papagei“ (Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus) füllen den Bildraum völlig aus, sie stoßen geradezu an die obere Bildkante, diese Figuren benötigen kein Gegenüber, sie sind nicht individualisiert, sondern scheinen ruhig ihrem Tun hingegeben. Es ist wahrscheinlich, dass Lachnit in Neapel die Wandbilder von Hans von Mareés in der Zoologischen Station gesehen hatte. Melonenesser und Lesende sind so zeitlos und monumentalisiert wie die Orangenpflücker dort. Und wie bei Mareés sind sie auf der Suche nach Größe in strenger, einfacher Komposition gegeben. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Auf dem Meer

Auf dem Meer

»Schon als Kind hatte ich versucht, einem Granitfindling, der auf dem väterlichen Acker geborgen und neben den Granitgebilden des Großvaters im Vorgarten aufgestellt wurde, meinen plastischen Willen aufzuzwingen« (Joachim Utech, Wie ich Bildhauer wurde, in: Die Kunst für Alle, 55. Jg. [1939/1940], H.1, S.14). Der in Belgard (heute Białogard) geborene Künstler war bereits als Kind von den Tonreliefs und Granitskulpturen des Großvaters Bogislav Utech beeindruckt. Mitte der 1920er-Jahre begann der zum Studienrat für Kunsterziehung ausgebildete Utech selbst in Stein, vornehmlich in Granit, zu arbeiten. »Ich lernte die Strukturen und Gesteinsschichtungen kennen. Studierte im Ägyptischen Museum in Berlin eingehend an den dortigen Granitplastiken ihre Technik. Fand so die Meißelstellung, die ein erfolgreiches Schaffen in Granit verlangt« (ebd., S. 15 f.). Dieses Wissen wendete Utech bei der vorliegenden Büste aus schwarz-weiß gesprenkeltem Granit an. Der »Christuskopf« ist durch seine langgezogene Form, den langen Nasenrücken und die nur angedeuteten, wenig ausgeführten Merkmale des Gesichts gekennzeichnet. Die Präsentation zweier Granitköpfe in der Nachwuchsausstellung im Berliner Verlagshaus Hermann Reckendorf 1930 brachte Utech Anerkennung. Der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe wurde zu seinem Fürsprecher, der ihm den Kontakt zur Berliner Galerie Ferdinand Möller vermittelte. Über diese gelangte der »Christuskopf«, wie der Zweittitel des Werkes lautet, mittels eines Tauschs 1938 in die Sammlung der Nationalgalerie. | Stefanie Meisgeier

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Entwurf zum Giebelrelief "Die Geburt der schaumgeborenen Venus" für das Konzerthaus Karlsruhe (Fragment)

Mit architekturgebundener Plastik machte sich Albiker ab 1905 einen Namen. Sie entstand oft in Zusammenarbeit mit dem befreundeten (Garten-)Architekten, Maler und Keramiker Max Laeuger, der an der Technischen Hochschule in Karlsruhe lehrte. Gemeinsam entwarfen sie etwa die Fassaden- und Innenraumgestaltung des 1911/1912 erbauten Küchlin-Varieté-Theaters in Basel. Für das von 1913 bis 1915 nach Plänen von Robert Curjel und Karl Moser im neoklassizistischen Stil errichtete Konzerthaus Karlsruhe schuf der Bildhauer ein Giebelrelief mit dem Titel „Die Geburt der schaumgeborenen Venus“. In der Mitte platzierte er eine stehende weibliche Gestalt und zu beiden Seiten je eine Figurengruppe aus zwei Frauen. Das schlecht erhaltene Fragment stellt vermutlich einen Vorentwurf für das letztlich umgesetzte, 1944 jedoch zerstörte Relief des Konzerthauses dar. Es zeigt die linke Seite der Darstellung, also nur zwei der insgesamt fünf Aktfiguren, eine stehend, die andere kniend, einander durch eine Berührung der Arme verbunden. In Anbetracht der „aussergewöhnlichen Dimensionen“ des Giebelfeldes lobten die Konzerthaus-Architekten Albikers Werk, da ihnen „die Verhältnisse dieser Gruppe in sich sowohl wie zum ganzen Giebelfeld … äusserst glücklich“ erschienen (zit. nach Beate Eckstein, Im öffentlichen Auftrag. Architektur und Denkmalsplastik der 1920er bis 1950er Jahre im Werk von Karl Albiker, Richard Scheibe und Josef Wackerle, Hamburg 2005, S. 27). Im Gegensatz zu anderen Reliefs, etwa zwei Supraporten (B III 303 a und b), wirkt dieses Fragment durch die sparsame Verteilung und ruhige Haltung der Figuren eher statisch und flach. | Uta Caspary

Christus auf dem Meere

Christus auf dem Meere

Das großformatige Gemälde „Christus auf dem Meere“ entstand für die Frühjahrsausstellung der Berliner Secession 1919. 13 Künstler waren ausgewählt worden, um für den Hauptsaal monumentale Kompositionen anzufertigen und so die Idee des Wandbildes neu zu beleben. Der gelernte Porzellanmaler Kohlhoff war seit 1914 in Berliner Ausstellungen vertreten. Als Beitrag für die Secession wählte er das biblische Motiv der Stillung des Sturmes (vgl. Matthäus 8, 24–27; Markus 4, 35–41, und Lukas 8, 22–25): Bei einer nächtlichen Fahrt über den See Genezareth werden Jesus und seine Jünger von einem Unwetter überrascht. Daraufhin wecken die verängstigten Jünger den schlafenden Jesus, der Wind und Wellen Einhalt gebietet. Die bekanntesten Darstellungen dieses Themas stammen von Rembrandt (1633, Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, dort gestohlen 1990) und Eugène Delacroix (1841–1854, unter anderem Metropolitan Museum of Art, New York). Kohlhoff übernahm den Blick von oben auf das Segelboot, radikalisierte die steile Perspektive und verwendete ein expressionistisches Formrepertoire, geschult an Werken El Grecos (1541–1614), die Kohlhoff 1915 in der Berliner Galerie Paul Cassirer gesehen hatte. „Über dunkel rötlich-braune, blaue und gelbe Farben huschen die fließenden, erregenden Lichterwellen des Spaniers“, notierte Max Osborn 1919 zu Kohlhoffs Bild (Max Osborn, Die Wiedererweckung des Wandbildes, in: Deutsche Kunst und Dekoration, 44. Jg. [1919], S. 173). „Christus auf dem Meere“ hing zunächst im Saal der Orientabteilung der Preußischen Staatsbibliothek und wurde am 1. Februar 1937 an die Nationalgalerie überwiesen. | Dieter Scholz

Nacht über Deutschland

Nacht über Deutschland

Die Wirkungsmacht des Bildes wurde 1947 bei seiner ersten Präsentation in der Berliner Galerie Franz deutlich. Hier hatte der Künstler ein Meisterwerk erschaffen, „dessen Anklage aufwühlt, dessen Stummheit spricht“ (Nacht-Express, 15.4.1947). Der Kunsthistoriker Edwin Redslob nannte das düstere Triptychon, das mit seinem Bezug zur christlichen Malerei auch deren Antithese formulierte, den „Altar der Hitlerzeit“ (Der Tagesspiegel, 12.4.1947). Die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus fiel brutal aus und zielte auf die schonungslose Aufdeckung der Verbrechen. In der Mitteltafel hat Strempel eigene Lagererfahrungen verarbeitet – sie legt die Barbarei in den KZs offen. Der linke Flügel stellt die Angst im Bunker während der Bombennächte dar, der rechte zeigt eine versteckte jüdische Familie. Lediglich die Predella deutet mit dem Widerstand im Untergrund die vage Hoffnung auf Befreiung an. Adolf Jannasch schlug noch im selben Jahr die Erwerbung für die Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ vor. Wie zaghaft die Aufarbeitung des Naziterrors war, zeigt die Geschichte des Flügels zur Judenverfolgung. Während hier die gelben Sterne auf der Brust der Eltern nur angedeutet sind, war in der ersten Fassung die Beschriftung „Jude“ klar erkennbar (Horst Strempel, Ausst.-Kat. Galerie Franz, Berlin, 1947, o. S.). Die Mutter blickte die Betrachter:innen voller Entsetzen an und schien um Hilfe zu rufen. Diese plastische Darstellung war wohl zu viel: Nach Intervention Jannaschs gestaltete Strempel sie um. Wie Hans Grundigs „Den Opfern des Faschismus“ (um 1947; Galerie Neue Meister, Dresden) gehört „Nacht über Deutschland“ zu den Hauptwerken der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem NS-Staat, verschwand jedoch für Jahrzehnte im Depot. | Sven Haase

Kleine stehende Guerrera

Kleine stehende Guerrera

Für das mindestestens ein Mal bei Noack in Berlin in Bronze gegossene Werk stand dem Künstler Trude Jalowetz-Guermonprez (1910–1976) Modell (vgl. „Kleine Stehende im Hemd“). Marcks hatte die junge Textilkünstlerin 1931 während seiner Lehrtätigkeit auf Burg Giebichenstein in Halle kennengelernt. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme verlor nicht nur der Bildhauer seine Anstellung, auch die jüdischstämmige Jalowetz musste die Schule verlassen und emigrierte über Wien nach Holland. Im Februar und Oktober 1934 entstanden bei Treffen mit Marcks in Putten und Wasenaar zahlreiche Zeichnungen und plastische Entwürfe: „Jalo war 2 mal einige Tage hier. Bis 5 Stunden am Tage hat sie mir stillgehalten. Über 6 ½ Pfund Zeichnungen und 5 Plastiken habe ich zusammengewercht“ (Brief an Erich Consemüller, 2.3.1934, in: Gerhard Marcks, 1889–1981. Briefe und Werke, München 1988, S. 79; vgl. die Vorzeichnungen in der Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen, Inv.-Nr. D 158–160). Motivisch ist die inzwischen beschädigte stehende Aktfigur mit sich hinter den Kopf fassender linker Hand eine Vorstudie zu der im selben Jahr ausgeführten Bronze „Stehende Trude“ (WVZ Rudloff 1977, 288). Im Gegensatz zu der späteren, in komplizierten Achsenverschiebungen und deutlichen Volumina dynamisch aufgebauten Plastik wirkt die Körpermodellierung der „Kleinen stehenden Guerrera“ hölzern und flach. Marcks spezifizierte in seinem Werktagebuch für „Gyps & Bronze 1919–1934“ die „Kl. Stehende T. J.“ als „Guerera [sic]“: als Kriegerin (Archiv Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen) – wohl in Anspielung auf Jalowetz’ schwierige Lebensumstände zu jener Zeit. | Yvette Deseyve

Glanz und Elend der Reformen

Glanz und Elend der Reformen

Klapheck wollte, dass seine Bilder als ein Epos gelesen werden, dessen Hauptfiguren „nicht vom Menschen, sondern von seinen wichtigsten Gebrauchsgegenständen verkörpert werden“ (Klapheck, in: Konrad Klapheck, Ausst.-Kat. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1966, S. 21). Zu den Protagonisten dieser epischen Welt zählte er Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Schuhleisten und Taschenmesser, Telefone, Bügeleisen und Rollschuhe. Dinge dieser Art, auf deren Präsentation in Werbung er besondern achtete, verband er in seiner Bildfindung mit wegweisenden Werken der Kunstgeschichte von der Romantik bis zum Surrealismus sowie mit zeitgeschichtlichen Fotografien. Das Werk „Glanz und Elend der Reformen“ zeigt eine hochstilisierte, schlicht konstruierte Planierraupe, deren Vorbild möglicherweise ein Spielzeug war. Die Maschine füllt das Bild ganz aus und ist aus der Froschperspektive dargestellt, wodurch sie imposant, ja beinahe monströs wirkt. Alles, was ihr im Wege steht, macht sie ordentlich und einheitlich, jedoch zugleich kompromisslos platt. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Reformen, die in den frühen 1970er-Jahren von der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt in der Bundesrepublik angestoßen wurden, entfaltet das Bild eine starke Ambivalenz. Es spiegelt die Skepsis gegenüber den Auswirkungen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen wider, wo der politische Apparat an den komplexen Bedürfnissen und Zwängen der Nachkriegsgesellschaft vorbeizuarbeiten schien. | Catherine Nichols