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Der Sammler

Ident. Nr.: F.V. 305

ObjID: obj:960636

Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Barlach (1870 - 1938),
Künstler*in
Datierung
1913 (Guss 1934)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Sammler
Übersetzung: The Collector
Provenienz
Galerie Ferdinand Möller, Berlin,
1934
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 34,2 x 31,5 x 21,5 cm
Erwerbung
Seit 2011 Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Objektbeschreibung

1930 vereinbarte der Galerist Alfred Flechtheim mit Barlach den Guss von 20 verschiedenen Kleinbronzen nach meist älteren Entwürfen zum Verkauf. Karl Scheffler schrieb über die erste Ausstellung dieser meist intimen Werke: „'Der Sammler' aus dem Jahr 1913 ist […] unverkennbar nach Daumier orientiert. Es ist eine jener Zeichnungen Daumiers, auf denen ein in einer Mappe umherstöbernder Sammler dargestellt ist, ins Plastische übertragen worden“ (Karl Scheffler, Barlachs Bronzen, in: Kunst und Künstler, 29. Jg. [1930], S. 99 f.). Für die Skulptur „Der Sammler“ waren bis zu zehn nummerierte Güsse vorgesehen. Ab Ende 1933 befand sich die Berliner Galerie des jüdischen Kunsthändlers Flechtheim in Liquidation. 1934 goss die Bronzegießerei Noack im Auftrag Barlachs ein weiteres, unnummeriertes Exemplar, das die Nationalgalerie über die Galerie Ferdinand Möller im Mai erwarb – im Auftrag der Kunstabteilung des Kultusministeriums (für den Schreibtisch des jungen Museumsreferenten Hans Werner von Oppen). Der Ankauf eines Werkes des bereits heftig umstrittenen Bildhauers durch das Ministerium war somit verschleiert. Noch gab es in vielen Institutionen starke Kräfte, welche die Kunst der Expressionisten und insbesondere Barlachs verteidigten, sie gar als Kunst der „neuen Zeit“ etablieren wollten. An Leo Kestenberg schrieb Barlach Ende August 1933: „… immerhin kann ich nicht ohne Dank das Eintreten der einen und anderen Persönlichkeit in der neuen Regierung für mich verzeichnen“ (E. Barlach, Die Briefe II, München 1969, Nr. 1067). Der Einsatz für die moderne Kunst blieb jedoch chancenlos: 1937 wurden von Oppen und andere Mitglieder der Kunstabteilung des Ministeriums, aber auch Eberhard Hanfstaengl und Alfred Hentzen aus der Nationalgalerie entlassen oder versetzt. 1938 wurde die Plastik „Der Sammler“ mit anderen Kunstwerken des Ministeriums als „entartete Kunst“ in der Nationalgalerie magaziniert. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz