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Brigadefeier - Gerüstbauer

Ident. Nr.: A IV 621

ObjID: obj:960726

Details (Expert)

Beteiligte
Sighard Gille (1941 ),
Künstler*in
Datierung
1975-1977
Weitere Titel
Sammlungstitel: Brigadefeier - Gerüstbauer
Übersetzung: Brigade Celebration - Scaffolders
Provenienz
Überweisung: Auftragsarbeit Ministerium für Kultur der DDR,
1965
Zentralkomitee für Kunstausstellungen der DDR ,
1963–1989
Abmessungen
Höhe x Breite: ca. 170 x 255 cm
Erwerbung
1989 Überweisung des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR

Objektbeschreibung

Konträr zum Sprichwort „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ zeigt Gilles asymmetrisches Diptychon auf der linken, größeren Bildtafel eine feiernde Gesellschaft und auf der rechten Seite Gerüstbauer bei der Arbeit. Wegen der Darstellung dieser ausgelassenen Feier entbrannte 1977 eine Kontroverse um das Werk. In einer Rundfunkrezension zur 8. „Kunstausstellung der DDR“ von Radio DDR II am 5.11.1977 ging Nationalgalerie-Direktor Willi Geismeier auf die Kritik ein: „Man muss auch das zweite Bild beachten, jene Darstellung enorm anstrengender, harter und gefährlicher Arbeit, um zu dem ersten Zugang zu finden. Die Situation – ein Gartenfest in schon vorgerücktem Stadium. Einer richtet die in Mitleidenschaft gezogenen Lampions wieder, ein zweiter berauscht sich an den Klängen aus einem Kassettenrecorder, daneben ein Knäuel lärmender und prostender Leute, einander umhalsend oder schulterklopfend. Scheinbar über ihnen schwebend eine witzig pointierte Frauengestalt, die wie ein Putto mit zwei Torten erscheint. Das ganze also augenscheinlich eine sehr feuchte, eine sehr fröhliche Angelegenheit, eine deftige und turbulente dazu, denn die Hauptakteure sind […] hart arbeitende gestandene Männer. Allein das ist es aber sicherlich noch nicht, was Widerspruch hervorruft, denn wer hätte eine ähnliche Situation nicht schon einmal beobachtet oder miterlebt! Das eigentlich Provozierende ist vor allem die Darstellungsweise, sie wirkt grob und direkt, glättet und idealisiert nicht […].“ Die Darstellung der Männer und ihrer Arbeit geht auf die Erfahrung zurück, die Gille 1970 bei der Brigade Heinrich Rau gemacht hatte (vgl. WVZ Schmidt/Bußmann 2016, 82, 163). | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz