Logo

Der Dirigent

Ident. Nr.: B 816

ObjID: obj:960800

1966 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Kirchner (1902 - 1984),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Dirigent
Übersetzung: The Conductor
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze und Mahagoniholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: ca. 230 x 145 x 90 cm (Gesamtmaße)
Höhe x Breite x Tiefe: Figur: 121,5 x 134,5 x 50 cm
Höhe x Breite x Tiefe: Podest: 125 x 145 x 90 cm
Erwerbung
1966 Ankauf vom Künstler, München, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Wie eine Festung mutet Kirchners Notenpult an, über dem sich der kantige Körper des Dirigenten erhebt. Die feingliedrigen, wie tastend ausgestreckten Finger, der erhobene Taktstock in seiner Rechten sowie die angespannte Kopfhaltung verweisen auf das Nichtmaterielle hinter dem Motiv: die Musik. Der Kontrast zwischen dem Gewicht des Objekts und der Leichtigkeit der Musik wird durch die brachiale Bearbeitung der Bronze verstärkt, die von Schrunden, Flicken und Furchen bedeckt ist. Kirchner hatte sich autodidaktisch die Technik des Bronzegießens angeeignet und war von 1932 bis zu seiner Ernennung zum Professor für Bildhauerei 1952 Werkstattleiter für Erzguss an der Akademie der bildenden Künste München. Die der Akademie angeschlossene Gießerei entwickelte sich unter Kirchner zu einem kreativen Zentrum, dessen Einfluss bislang nur an wenigen Stellen – wie etwa im Werk seinem Kollegen und Vertrauten Toni Stadlers – in der Forschung aufscheint. Das 1966 vom Berliner Senat für Wissenschaft und Kunst für die Galerie des 20. Jahrhunderts erworbene Werk wird ergänzt durch einen vom Künstler dafür entworfenen Sockel aus grob bearbeitetem Mahagoniholz. Ob es sich bei der Bronze um die Darstellung des nicht unumstrittenen Dirigenten Karl Böhm (1894–1981) handelt, wie eine Notiz der Senatsverwaltung nahelegt, bleibt offen, zumal Kirchner keine offensichtlich porträthaften Züge anlegte. Böhm wurde ein Jahr nach dem Erwerb der Bronze, 1967, der Berliner Kunstpreis zugesprochen. Zwei kleinformatige Studien gehen dem Werk voraus (WVZ Höfert 1987, 197). | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Ohne Titel 1-6 (Die Apokalypse)

Ohne Titel 1-6 (Die Apokalypse)

Der gebürtige Brite Hayter war nach einem Studium der Chemie und Geologie 1926 nach Paris gegangen, um an der Académie Julian Kunst zu studieren. Er wandte sich nun vor allem der Druckgrafik zu. Bereits 1927 führte er ein privates Atelier für experimentelle Grafik, das ab 1931 als „Atelier 17“ bekannt wurde. Es war bald ein kreativer Ort der Lehre und des Gedankenaustauschs für Künstler wie Yves Tanguy, André Masson, Joan Miró, Wassily Kandinsky, Roberto Matta und Hans Arp. Anfang der 1930er-Jahre löste sich Hayter von seinen figurativen Anfängen und baute mehr und mehr abstrakte, organische Formen in seine Grafiken ein, die seine Nähe zu den Surrealisten bezeugen. Zu den frühesten Arbeiten, die diesen Wechsel dokumentieren, gehört die sechsteilige Radierserie „Apokalypse“. Die auf den ersten Blättern noch dominanten figurativen Elemente – ein Mann, dessen Herz offen in seiner Brust schlägt; eine Gruppe von Pferden oder ein brennendes Haus, das von tiefen Rissen umgeben ist – werden von amorphen Linien- und Flächengebilden überlagert, die in den letzten drei Blättern überhandnehmen und den apokalyptischen Prozess der Auflösung unterstreichen. Erst als die Veröffentlichung der Radierungen, begleitet von Versen des surrealistischen Dichters Georges Hugnet, in der Pariser Édition Jeanne Bucher 1932 bevorstand, wurde deren Reihenfolge festgelegt. Seine künstlerische Expertise nahm Hayter 1940 mit nach New York, wo er ein neues Atelier eröffnete, das bald zum Anlaufpunkt von Künstlern wie William Baziotes, Robert Motherwell, Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und Adolph Gottlieb wurde. | Maike Steinkamp