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O Deutschland, bleiche Mutter

Ident. Nr.: B III 200

ObjID: obj:960903

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1961-1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: O Deutschland, bleiche Mutter
Übersetzung: Germany, Pale Mother
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 230 x 157 x 158 cm
Erwerbung
1980 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost), aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

1933 schrieb Bertolt Brecht im Exil das Gedicht „Deutschland“: „Mögen andere von ihrer Schande sprechen / ich spreche von der meinen. / O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie sitzest du besudelt / Unter den Völkern. / Unter den Befleckten / Fällst du auf. […] O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie haben deine Söhne dich zugerichtet / Daß du unter den Völkern sitzest / Ein Gespött oder eine Furcht!“ Dieses Gedicht nahm Cremer zum Ausgangspunkt seines Denkmals für das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich, mit dem er 1960 beauftragt wurde. In Mauthausen hatten verschiedene Länder bereits Denkmale aufgestellt, sodass auch jenes von Cremer für die Opfer eines Landes steht. Hier wird Deutschland durch eine Mutterfigur verkörpert, die – wie im Brecht-Gedicht – zugleich Opfer und Täterin ist. Ihr Oberkörper ist von einem rau gearbeiteten Umhang eingeengt, die Augen sind geschlossen. Sie trägt eine Verletzung auf der Stirn, die der Kunsthistoriker Gerd Brüne als Kainsmal identifiziert, Symbol der Schuld des Brudermörders im alttestamentlichen Buch Genesis (Gerd Brüne, Pathos und Sozialismus, Weimar 2005, S. 236–238). Auch wenn diese komplexe Figur ursprünglich für den Kontext einer KZ-Gedenkstätte konzipiert wurde, sprach nichts dagegen, sie auch für Museen zu erwerben. Der zweite Entwurf, nur 73 cm groß, kam 1967 in die Sammlung der Nationalgalerie (B III 36), ein 230 cm hoher Guss der Figur im Jahr 1980 (B III 200); auch weitere Museen erwarben Güsse. Von 1987 bis 1991 stand die monumentale Fassung von „O Deutschland, bleiche Mutter“ im damals gepflasterten Lustgarten vor dem Alten Museum auf der Museumsinsel. Nach dem Tod Cremers wurde sie vor der Alten Nationalgalerie aufgestellt, später auf der Rasenfläche zwischen der Alten Nationalgalerie und dem Berliner Dom. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Badende

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Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

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Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans