Trinkender Knabe
Ident. Nr.: B I 180
ObjID: obj:960938
Kontakt
Einrichtung:
Alte Nationalgalerie
E-Mail:
n/a
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1870-1873
- Material / Technik
- Bronze
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 84 x 34 x 32,5 cm (mit Plinthe)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/960938
Objektbeschreibung
Als sich Hildebrand 1873 auf der Weltausstellung in Wien mit dem Trinkenden Knaben vorstellte, wurde er als Erneuerer der deutschen Plastik gefeiert. Die Bronzefigur ist eine seiner ersten Auftragsarbeiten. Der Kunsttheoretiker Conrad Fiedler, mit dem Hildebrand seit ihrer ersten Begegnung in Rom 1869 eine wachsende Freundschaft und ein enger Gedankenaustausch verband, wünschte sich eine Plastik für seinen Salon. Auf die antikisierenden Genrefiguren im Statuettenformat, mit denen das wohlhabende Bürgertum damals seine Wohnungen schmückte, verweisen die Größe des Trinkers und die Weintrauben in seiner Linken, die einen Bezug zum Mythos des Weingotts Bacchus herstellen. Mit der rechten Hand hält der Knabe eine Schale, an der er genießerisch nippt. Ganz hingegeben an das Trinken, hat er Oberkörper und Kopf leicht nach vorne gebeugt. Über seine Arbeit am Trinkenden Knaben schrieb Hildebrand an Fiedler: »Es kam mir hauptsächlich darauf an, die Glieder alle frei zu haben wegen der guten Silhouette, denn das ist bei dunkler Bronze doch immer eine Hauptsache. Durch das Schlürfen kommt der ganze Organismus in Aktion und das gibt mir für den Körper stets einen festen Anhalt« (G. Jachmann, » Adolf von Hildebrands Briefwechsel mit Conrad Fiedler «, Dresden, 1927, S. 23). Hildebrands Anliegen ist die Klarheit der Form und die überzeugende Vermittlung der dargestellten Tätigkeit. Dass beides für ihn zusammengehört, wird in einem Brief an seine Schwester deutlich: »Klarheit und Ruhe im Kunstwerk ist dasselbe. Sie sind umso größer, je größer der eiserne Zwang ist, der Idee teilhaftig zu werden, die das Kunstwerk ausdrücken will. [...] die Erscheinung der Idee ist die Form« (B. Sattler, Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 108). Im Trinkenden Knaben wird der so schlichte wie elementare Vorgang des Trinkens anschaulich. Die Nacktheit legt dabei das Zusammenspiel der Gliedmaßen offen. »Das Nackte ist ein lebendiger Organismus, der funktioniert«, schrieb Hildebrand einmal (ebd., S. 502). Von der Konzentration auf den Vorgang lenkt allenfalls die dekorativ dargebotene Weintraube ab. Auf allegorisches Beiwerk wie dieses verzichtete Hildebrand in der Folgezeit. Während die Bildhauer des Neubarock mit virtuosen Kompositionen zu faszinieren suchten, verfolgte Hildebrand den Anspruch, allgemeingültige Bilder der menschlichen Existenz zu schaffen. | Eve Förschl
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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