Logo

Wasserfälle bei Subiaco

Ident. Nr.: A I 407

ObjID: obj:960964

Details (Expert)

Beteiligte
Joseph Anton Koch (1768 - 1839),
Maler*in
Datierung
1812-1813
Systematik/Art
Provenienz
Kauf: Robert von Langer, München,
1812
Schenkung: Johann Peter von Langer, München (Vater von Robert Langer),
376814
Max Jordan, Berlin,
376815
Kunstauktionshaus Rudolf Lepke, Berlin,
24.8.1887
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 58 x 68 cm
Erwerbung
1887 Ankauf vom Kunstauktionshaus Rudolph Lepke, Berlin

Objektbeschreibung

Das Bild entstand während eines dreijährigen Aufenthaltes Joseph Anton Kochs in Wien, wo er auf einen Kreis romantischer Schriftsteller stieß, dessen Mittelpunkt der Philosoph Friedrich Schlegel war. Schlegels Auffassungen von idealer, ›historischer‹ Landschaftsmalerei waren den seinen verwandt und bestärkten ihn auf seinem Wege: »Diese Gegend ist ganz Geschmack des Caspar Poussin, nur im Kolorit lustiger« (zit. nach: O. R. von Lutterotti, J. A. Koch, Berlin 1940, S. 156). Als Schöpfer der ›heroischen Landschaft‹ im 17. Jahrhundert gehörte zwar Nicolas Poussin zu Kochs Leuchttürmen, doch in diesem Fall ist sein Zeitgenosse Gaspard Dughet, genannt Poussin, gemeint, in dessen Kompositionen Koch mehr heitere Natürlichkeit, wenn auch weniger Großartigkeit fand. Denselben Flußabschnitt, zwei Jahre zuvor aus anderem Blickwinkel und in größerem Format gemalt (»Gegend bei Subiaco«, 1811, ehemals Museum der bildenden Künste Leipzig, seit 1945 verschollen), feierte man in München als »unstreitig die Krone der Ausstellung im Landschaftsfach, ein Werk von eigentümlichem, aber echt deutsch zu nennendem Stil« (zit. nach: ebd., S. 287).
Glatt wie ein stiller See legt sich das Blau des Flusses Anio um eine kleine baumbestandene Insel – im Hintergrund erblickt man Badende –, und ehe sich die beiden Arme auf tieferem Niveau wieder vereinigen, bilden sie zwei kleine Wasserfälle. Der schattige Vordergrund setzt erst in einiger Entfernung vom Betrachter an; ein umgestürzter Baum grenzt ihn nach vorn ab. Immer wieder suchte Koch leicht erhöhte Standpunkte, die einen freien Blick in die reich entfaltete Ferne erlaubten und durch die eine Überschneidung von Motiven möglichst vermieden werden konnten. Gemächlich überquert der Blick das Flußtal und gewinnt über hügeliges, besiedeltes Gelände die Höhe der Sabiner Berge, wo sich der Fels unter dem lapislazuliblauen Himmel von der Vegetation verabschiedet. Keine Luftperspektive verschleiert die Klarheit der Linien, doch nicht nur an diesen werden die Dimensionen des Raumes erlebt: Sie sind auch hörbar, denn auf dem kleinen Plateau links spielt ein Hirt den Dudelsack. Über das Wasser hinweg leitet der Klang seines Instruments schräg durch das Bild nach vorn, und als genaue Fortsetzung dieser Schräge tritt die Hirtenfamilie mit dem Esel aus dem Schatten hervor.
Diese Gruppe wiederholt sich unter anderem in der »Landschaft bei Ronciglione« (1815, Hamburger Kunsthalle). Die biblische Reminiszenz ist deutlich: Durch die Campagna-Landschaft zieht eine säkularisierte heilige Familie auf ihrem Weg nach Ägypten. Koch, der einstige Jakobinerfreund, mißtraute zwar den Priestern, nicht aber dem Christentum; und wie in seiner Hirtenfamilie das Neue Testament nachklingt, so darf man in der vielteiligen Landschaft, die Stufe für Stufe aus Idylle und Mühsal menschlichen Lebens zur zeitlosen Erhabenheit der Berge hinleitet, ein Resümee der göttlichen Schöpfung erkennen. In diesem Zusammenhang deutet die entwurzelte Eiche vorn symbolisch auf die Gefährdungen des Diesseits hin – und zugleich der Gegenwart, die mit ihren Nutzbauten und Uferbefestigungen, mit rauchenden Schornsteinen im Bilde präsent ist und sich zwanglos in das ›ideale‹ Ganze einordnet. Nur solch ein umfassendes System aus Natur und Menschenleben, jenseits der konventionellen Einteilung der Kunstgattungen – Historienmalerei, Landschaftsmalerei, Genremalerei – konnte nach Kochs wiederholt vorgetragener Ansicht die bloße Nachahmung der Natur überwinden. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

n/a

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Im Etappenquartier vor Paris

Im Etappenquartier vor Paris

Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg

Dorflandschaft,
Verso: Blumenvase

Dorflandschaft, Verso: Blumenvase

Den Blick auf Worpswede mit der Kirche auf dem Weyerberg im Hintergrund zeigt auch eine zeitgleich ausgeführte, kleinere Ausführung des Motivs, die über den Kunsthandel veräußert wurde - nach Angaben des Otto-Modersohn-Museums, Fischerhude. Beiden Arbeiten liegt die Abkehr von der impressionistisch-symbolistischen Malweise der ersten Jahre Modersohns in der Künstlerkolonie Worpswede und ein verändertes Bemühen um Realität zugrunde. „Das ist mein uraltes Ideal. Schon meine Kompositionen beschäftigen sich mit der Konzeption und Intimität. Im Atelier entstanden auf Grund meiner Studien und Zeichnungen meine besten Bilder. […] dekorative Konzeption, – intimes Leben. – Man muß das Erlebnis fühlen das man hatte“, notierte Modersohn (Tagebucheintrag, 29.11.1933, zit. nach Otto Modersohn, 1865–1943, Otto-Modersohn-Nachlaß-Museum Fischerhude, Hamburg 1981, S. 150). Diese Bilder wollen nicht Abbild der Wirklichkeit sein, sondern Ausdruck individuellen Gefühls für das Geschaute: Hier sieht man die an und auf dem Berg stehenden Häuser und die Kirche schräg gegeneinandergesetzt, mit Auf- und Untersichten und Figuren auf jeder Höhe des geschwungenen Weges. Farbflächen, das Rot der Dächer, das Grün der Bäume und Wiesen, die Helle des Weges, stehen deutlich nebeneinander, überwölbt wird die Szene von einem Sommerhimmel. Leicht kann solch eine Komposition den Anschein bewusster Naivität erzeugen. Die Rückseite der Leinwand zeigt einen Pfingstrosenstrauß in einer weiß-blau gemusterten Vase, die auch auf weiteren Stillleben Modersohns zu sehen ist. Blumensträuße, gern bei Kunstlicht gemalt, gehören fest zum Spätwerk des Malers. | Angelika Wesenberg