Logo

Bratsker Landschaft

Ident. Nr.: A IV 130

ObjID: obj:960973

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wolfgang Mattheuer (1927 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1967
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bratsker Landschaft
Übersetzung: Bratsk Landscape
Abmessungen
Höhe x Breite: 95 x 118 cm
Erwerbung
1967 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Mattheuer hatte von 1946 bis 1951 in Leipzig an der Kunstgewerbeschule, der späteren Hochschule für Grafik und Buchkunst, studiert. Im Anschluss war er bis 1974 dort tätig, zunächst als Assistent im Fachbereich Schriftgestaltung, ab 1965 hatte er eine Professur inne. Mattheuer arbeitete zunächst vor allem als Gebrauchsgrafiker, in den 1960er-Jahren gewann die Malerei die Oberhand. 1966 unternahm er mit seinen Malerkollegen Karl-Erich Müller und Willi Neubert eine mehrwöchige, staatlich geförderte Studienreise in die Sowjetunion. Eine Station war die damals gerade im Aufbau befindliche Industriestadt Bratsk nördlich des Baikalsees inmitten der sibirischen Taiga. Dort wurde im selben Jahr – ein sowjetisches Prestigeprojekt – ein Wasserkraftwerk fertiggestellt, wofür einer der weltweit größten Stauseen angelegt worden war. See und Kraftwerk sind in Mattheuers Gemälde im Hintergrund zu sehen. Vor dem Panorama der für die neue Planstadt gerodeten und aufgerissenen Landschaft hat Mattheuer einige Personen platziert, die teils verloren in der desolaten, mit industriellen Bauteilen übersäten Gegend sitzen oder ihre Lebenssituation zu meistern versuchen, wie die beiden sinnbildlich dafür auf einem Rohr balancierenden Frauen. Mattheuers Gemälde verdeutlicht, dass die Umformung der Landschaft im Sinne der Industrialisierung nicht von allen Beteiligten entsprechend der Staatsdoktrin als Fortschritt wahrgenommen wurde. Die Szene ist damit nicht nur ein Symbol für das Eindringen der Zivilisation in die Natur, sondern stellt deutlich den ungetrübten Glauben an den sozialistischen Fortschritt in Frage. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz