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Selbstbildnis in Samarkand

Ident. Nr.: A IV 303

ObjID: obj:960985

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Werner Tübke (1929 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1962
Weitere Titel
Sammlungstitel: Selbstbildnis in Samarkand
Übersetzung: Self Portrait in Samarkand
Abmessungen
Höhe x Breite: 42 x 35,5 cm
Erwerbung
1974 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Auf Vermittlung des Kulturfunktionärs Alfred Kurella erhielt Tübke 1961/1962 ein Stipendium für einen Aufenthalt in der Sowjetunion. Die Absicht war, den vielversprechenden Künstler noch besser mit den Bitterfelder Prinzipien des Sozialistischen Realismus vertraut zu machen. Nach kurzen Aufenthalten in Leningrad und Moskau wich er vom Reiseplan ab und begab sich auf ausgedehnte Erkundungstouren durch Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Armenien. Kaukasische Berglandschaften kehrten seither bis ins späteste Werk in Aquarellen und Gemälden wieder. Notizen zu diesem Selbstbildnis in seinen Tagebüchern aus dem April 1962 bestätigen: Tübke geht es hier um eine grundsätzliche Selbstverortung als Künstler (Anna Michalski und Eduard Beaucamp [Hrsg.], Werner Tübke, Göttingen 2017, S. 228ff., S. 369f.). Er zeigt sich als einsamer Wanderer mit archaisierendem Wanderstab, Kniebundhose, Proviantsack und Zeichenmappe in der Fremde. Architekturdetails aus Samarkand sind zu einem Fantasieort vor großartiger Gebirgskulisse verschmolzen. Sich seiner Herkunft vergewissernd, wendet sich der Wanderer zum Betrachter um. Zwei Hunde begleiten ihn, ein unbeteiligter Reiter verschwindet hinter ihm auf einem Esel und unterstreicht so die Aufbruchssituation und den Zug in die Bildtiefe. In der Tagebuchnotiz identifiziert Tübke diese Selbstverortung mit dem Wesen von „Abbilden“: Abbilden heiße, „Ausdehnung im Raum begreifen“ und das Verhältnis von Ich zu Gott, Natur und Gesellschaft in der Zeit zu klären, „und zwar sogar wörtlich:“ rechts Grün (Zukunft), links Gelb (Vergangenheit), oben Blau (Gottdenken), unten Rot (Vitalsphäre) (ebd.). | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz