Selbstbildnis in Samarkand
Ident. Nr.: A IV 303
ObjID: obj:960985
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1962
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Selbstbildnis in SamarkandÜbersetzung: Self Portrait in Samarkand
- Material / Technik
- Tempera und Öl auf Leinwand auf Hartfaser
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 42 x 35,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/960985
Objektbeschreibung
Auf Vermittlung des Kulturfunktionärs Alfred Kurella erhielt Tübke 1961/1962 ein Stipendium für einen Aufenthalt in der Sowjetunion. Die Absicht war, den vielversprechenden Künstler noch besser mit den Bitterfelder Prinzipien des Sozialistischen Realismus vertraut zu machen. Nach kurzen Aufenthalten in Leningrad und Moskau wich er vom Reiseplan ab und begab sich auf ausgedehnte Erkundungstouren durch Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Armenien. Kaukasische Berglandschaften kehrten seither bis ins späteste Werk in Aquarellen und Gemälden wieder. Notizen zu diesem Selbstbildnis in seinen Tagebüchern aus dem April 1962 bestätigen: Tübke geht es hier um eine grundsätzliche Selbstverortung als Künstler (Anna Michalski und Eduard Beaucamp [Hrsg.], Werner Tübke, Göttingen 2017, S. 228ff., S. 369f.). Er zeigt sich als einsamer Wanderer mit archaisierendem Wanderstab, Kniebundhose, Proviantsack und Zeichenmappe in der Fremde. Architekturdetails aus Samarkand sind zu einem Fantasieort vor großartiger Gebirgskulisse verschmolzen. Sich seiner Herkunft vergewissernd, wendet sich der Wanderer zum Betrachter um. Zwei Hunde begleiten ihn, ein unbeteiligter Reiter verschwindet hinter ihm auf einem Esel und unterstreicht so die Aufbruchssituation und den Zug in die Bildtiefe. In der Tagebuchnotiz identifiziert Tübke diese Selbstverortung mit dem Wesen von „Abbilden“: Abbilden heiße, „Ausdehnung im Raum begreifen“ und das Verhältnis von Ich zu Gott, Natur und Gesellschaft in der Zeit zu klären, „und zwar sogar wörtlich:“ rechts Grün (Zukunft), links Gelb (Vergangenheit), oben Blau (Gottdenken), unten Rot (Vitalsphäre) (ebd.). | Oliver Seifert
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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