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Heideprinzeßchen

Ident. Nr.: A II 841

ObjID: obj:961186

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz von Uhde (1848 - 1911),
Maler*in
Datierung
1889
Provenienz
Otto Julius Bierbaum,
366643
Geschenk: Advokat Emil Hajós,
366642
Baron Dr. Adolf Kohner, Budapest,
bis 26./28. Februar 1934
Kauf: Februar bis Mai 1934 Galerie Heinemann, München,
26./28. Februar bis Mai 1934
Verlagerung in die Sowjetunion,
1945
Rückkehr in die Nationalgalerie (Ost),
1958
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 140 x 111 cm
Erwerbung
1934 Ankauf von der Galerie Heinemann, München

Objektbeschreibung

Nahe und in ganzer Figur sehen wir ein kleines Dorfmädchen. Es steht mit gestrecktem Oberkörper da, die Hände auf dem Rücken, selbstbewußt und ob der exponierten Situation etwas schüchtern zugleich. Ein Strohhalm hängt ihr so lässig im Mund, wie manchem Dandy die Zigarette. Bedingt durch die Größe des Bildes steht das Kind dem Betrachter gleichsam Aug in Aug gegenüber.
Bettelkinder gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum festen Repertoire der jährlichen Kunstausstellungen. Innerhalb des Genres erfolgte der Übergang vom Rührstück zu einem eher nüchternen Milieurealismus, der sein Gegenstück in der modernen sozialkritischen Literatur besaß.
Im selben Jahr wie das »Heideprinzeßchen«, 1889, malte Uhde auch die Gemälde »Kinderstube« und »Das Bilderbuch« (beide Hamburger Kunsthalle), dargestellt sind seine wohl umhegten Töchter. Uhde suchte hier wie dort die Eigenart von Kindern genau zu erfassen. Der Erstbesitzer des »Heideprinzeßchen«, der Kunstschriftsteller Otto Julius Bierbaum, schätzte gerade dies an Uhde: »Als Kindermaler zumal steht Uhde auf einer ausserordentlichen Höhe. Er stellt sie nicht so ›süss‹ dar, wie es beliebt war, d. h. nicht als drollige oder ›reizende‹ Puppen, sondern mit äusserster, strengster Natürlichkeit« (Fritz von Uhde, München 1893, S. 39).
Zumindest der Titel wirkt dennoch wie eine Konzession an die Bettelkindromantik. Er verleiht dem Bild einen erzählerischen, auch ironischen Zug. Zugleich lenkt der Glanz des Begriffes ›Prinzessin‹ den Blick auf das seltsame Licht, durch welches das Kind wie von einer Aureole umstrahlt ist. Auch die Nähe zwischen Kind und Natur klingt mit an. Das Mädchen ist ganz umgeben von Pflanzen. Jedoch steht es nicht auf einer Wiese, sondern auf unkultivierter Heide. Das Dickicht stacheliger Pflanzen verstärkt den anarchischen Zug des Bildes. Eine Kirche, Zeichen für Gesetz, Maß und Regel der Erwachsenenwelt, ist schemenhaft in der Ferne erkennbar. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Im Etappenquartier vor Paris

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Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg

Dorflandschaft,
Verso: Blumenvase

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Den Blick auf Worpswede mit der Kirche auf dem Weyerberg im Hintergrund zeigt auch eine zeitgleich ausgeführte, kleinere Ausführung des Motivs, die über den Kunsthandel veräußert wurde - nach Angaben des Otto-Modersohn-Museums, Fischerhude. Beiden Arbeiten liegt die Abkehr von der impressionistisch-symbolistischen Malweise der ersten Jahre Modersohns in der Künstlerkolonie Worpswede und ein verändertes Bemühen um Realität zugrunde. „Das ist mein uraltes Ideal. Schon meine Kompositionen beschäftigen sich mit der Konzeption und Intimität. Im Atelier entstanden auf Grund meiner Studien und Zeichnungen meine besten Bilder. […] dekorative Konzeption, – intimes Leben. – Man muß das Erlebnis fühlen das man hatte“, notierte Modersohn (Tagebucheintrag, 29.11.1933, zit. nach Otto Modersohn, 1865–1943, Otto-Modersohn-Nachlaß-Museum Fischerhude, Hamburg 1981, S. 150). Diese Bilder wollen nicht Abbild der Wirklichkeit sein, sondern Ausdruck individuellen Gefühls für das Geschaute: Hier sieht man die an und auf dem Berg stehenden Häuser und die Kirche schräg gegeneinandergesetzt, mit Auf- und Untersichten und Figuren auf jeder Höhe des geschwungenen Weges. Farbflächen, das Rot der Dächer, das Grün der Bäume und Wiesen, die Helle des Weges, stehen deutlich nebeneinander, überwölbt wird die Szene von einem Sommerhimmel. Leicht kann solch eine Komposition den Anschein bewusster Naivität erzeugen. Die Rückseite der Leinwand zeigt einen Pfingstrosenstrauß in einer weiß-blau gemusterten Vase, die auch auf weiteren Stillleben Modersohns zu sehen ist. Blumensträuße, gern bei Kunstlicht gemalt, gehören fest zum Spätwerk des Malers. | Angelika Wesenberg