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Morgennebel

Ident. Nr.: A II 425

ObjID: obj:961222

Details (Expert)

Beteiligte
Carl Gustav Carus (1789 - 1869),
Maler*in
Datierung
nach 1828/1830
Systematik/Art
Provenienz
Kunsthandlung Hugo Perls, Berlin,
6.8.1924
Material / Technik
Öl auf Papier auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 19,5 x 26 cm
Erwerbung
1924 Ankauf aus der Kunsthandlung Hugo Perls, Berlin

Objektbeschreibung

Die auf Papier gemalte Studie »Morgennebel« gewährt einen Ausblick in eine Waldlandschaft, über der bläuliche Dunstschleier schweben. Der den Horizont verunklärende Nebel suggeriert unbegrenzte Weite; goldgelbes Licht der aufgehenden Sonne beleuchtet den bewölkten Himmel. »Wie unendlich mannigfaltig und zart sind nicht endlich die atmosphärischen Erscheinungen!«, heißt es in Carus’ sechstem Brief über Landschaftsmalerei. »Alles was in des Menschen Brust widerklingt, ein Erhellen und Verfinstern, ein Entwickeln und Auflösen, ein Bilden und Zerstören, alles schwebt in den zarten Gebilden der Wolkenregionen vor unsern Sinnen; und auf die rechte Weise aufgefaßt, durch den Kunstgenius vergeistigt, erregt es wunderbar selbst das Gemüt, an welchem diese Erscheinungen in der Wirklichkeit unbemerkt vorübergleiten« (C. G. Carus, Briefe und Aufsätze über die Landschaftsmalerei, Leipzig 1982, S. 63). Carus, der seit 1818 in regem Austausch mit Goethe stand, ließ sich spätestens seit Beginn der 1820er Jahre von dessen naturwissenschaftlichen Betrachtungen über meteorologische Phänomene, insbesondere über Wolken, inspirieren und zu Darstellungen atmosphärischer Erscheinungen anregen; denn könnte die Kunst die Geheimnisse der Wissenschaft klar erschauen und anmutig umhüllen, wäre sie für Carus der »Gipfel der Wissenschaft« (ebd., S. 62). Die Datierung der Studie beruht auf Ergebnissen einer Farbanalyse. | Birgit Verwiebe

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

E-Mail:

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Berliner Zimmer

Berliner Zimmer

Das fein und liebevoll gemalte bürgerliche Interieur war vor allem während der Zeit des Biedermeier sehr verbreitet, der Hochachtung vor einem häuslich-genügsamen, das Familiäre betonenden Leben entsprechend. Vater und Sohn Graeb trugen das Biedermeierliche in der Architekturmalerei wie in der Interieurmalerei noch mehrere Jahrzehnte weiter. Das Fenster, als ein Hauptelement des Raumes, ist Mittelpunkt der meisten Interieurdarstellungen, in der Romantik meist nahsichtig gegeben, das Innen und das Außen sinnig verbindend, oder auch, wie hier, am Ende der Raumflucht, den Blick auf Möblierung und Bildschmuck der beiden Längswände freigebend. Paul Graeb wählte sich als Vorlage für seine beiden Bilder typische, spätbiedermeierliche Interieurs: Die kleinere der beiden Wohnstuben wird durch schwere Möbel in Mahagoni – Glasschrank, Schreibschrank, Kommode, Sofa, runder Tisch mit Mittelkonsole – vor gelbgemusterter Tapete bestimmt. Sofabezug, Tischdecke und Vorhang nehmen den roten Ton der Möbel auf. Im zweiten, schräg gegebenen Zimmer dominieren blaulilafarbene Töne, es wirkt heller und geräumiger. Zwischen den Fenstern steht eine Pfeilerkommode mit großem Spiegel, an der rechten Wand ein großes Rollbureau. Die Ausstattung mit Kunst ist bescheiden, die Räume wirken eher solide als repräsentativ.Beide Innenraumansichten zeigen nach einem Vermerk im Inventar (sicher als Mitteilung des Verkäufers) Wohnräume über der »Roten Apotheke« in Berlin. Doch lassen die Größe der Zimmer und der Fensterausblick vermuten, daß es sich nicht um die Rothe-Apotheke, Rosenthalerstr. 47, sondern wohl eher um die Rothe-Adler-Apotheke, Unter den Linden 53, gehandelt haben wird. Das Haus wie auch das gegenüberliegende sind kriegszerstört. – Über der Rothen-Adler-Apotheke wohnten nach dem Wohnungsanzeiger von 1881 der Apotheker und Mineralwasserfabrikant A. Lucae, der Apotheker Mentzel und der Arzt La Pierre, gutbürgerliche Mieter also. | Angelika Wesenberg

Frau Agnes Jordan

Frau Agnes Jordan

Agnes Jordan, geborene Preuß (1836–1894), Tochter eines Obergerichtsanwalts in Hannover, zuerst als Lehrerin tätig, hatte sich 1859 mit Max Jordan, dem nachmaligen ersten Direktor der Nationalgalerie, verlobt und heiratete ihn 1861. Bis 1874 wohnte das Ehepaar in Leipzig und pflegte eine Vielzahl geistiger und gesellschaftlicher Beziehungen. Agnes brachte sieben Kinder zur Welt, von denen fünf früh starben. Ihr eigener Tod 1894 soll die Gesundheit ihres damals 57jährigen Mannes derart erschüttert haben, daß er bald darauf alle seine Ämter aufgeben mußte.Max Jordan war seit seinem Romaufenthalt im Frühjahr 1861 mit dem um wenige Jahre älteren Maler Theodor Grosse befreundet. Während er als Kustos des Leipziger Museums tätig war, vollendete Grosse einen Freskenzyklus in der Loggia des Obergeschosses, zu dessen Veröffentlichung Jordan eine Einführung schrieb. Im Mai 1872 hielt er einen Vortrag über das Werk seines Freundes, dessen ›ideale‹ Richtung ihm besonders lag. »In dem Sinn für das schöne Maaß, für Anmuth und Geschlossenheit des Bildes im Raume liegt die Stärke seiner Begabung […]. Seiner hochstrebenden Phantasie stand die stilvolle Form unbedingt zur Verfügung«, schrieb er im Katalog der Nachlaßausstellung der Nationalgalerie (Ausst.-Kat., Berlin 1892, S. 4). Im Vergleich zur raffaelitischen Formelhaftigkeit von Grosses großen Kompositionen steht in dem Bildnis der Stilwille nicht der Abbildlichkeit im Wege, doch er diszipliniert die Form. Neben Erinnerungen an Renaissancebildnisse des 16. Jahrhunderts verrät das Bild den tiefen Eindruck, den der Maler von Feuerbachs Darstellungen der »Nanna« empfing, die zwischen 1860 und 1864 entstanden, also während Grosse sich in Rom aufhielt. Auch bei ihnen wird die kühle Beherrschtheit oft durch den empfindsamen Ausdruck der Hand kontrapunktisch ergänzt. Zu Feuerbachs Typenschöpfung (vgl. z. B. »Nanna im Profil nach links«, 1861, Kunsthalle Karlsruhe) hat Grosse ein zarteres und befangeneres, bürgerliches, deutsches Gegenstück geschaffen. | Claude Keisch

Sitzende

Sitzende

Maillols bekannteste Kleinplastiken stammen aus Editionen, die der Kunsthändler Ambroise Vollard herausgegeben hat. Von 1902 bis 1911 schlossen beide Verträge über mehr als zwanzig Plastiken, dabei wurde dem Kunsthändler das uneingeschränkte Reproduktionsrecht eingeräumt. Das Modell der „Sitzenden“ ist im zweiten Vertrag zwischen Maillol und Vollard vom 20. Dezember 1905 als „Jeune fille assise, tenant son pied aux mains“ („Junges sitzendes Mädchen, seinen Fuß mit den Händen haltend“) aufgeführt (Nachlass Vollard, Privatbesitz). Die Statuette war vermutlich kurz zuvor entstanden. Vollard gab diese Kleinplastik sowohl in Bronze als auch in Terrakotta in unlimitierten Auflagen heraus. Die Nationalgalerie erwarb bei ihm von 1905 bis 1907 sechs Bronzestatuetten, von denen zwei weitere erhalten sind („Kniender weiblicher Akt“, 1900, B I 249 b und „Junges Mädchen, sich die Haare bindend“, um 1900, B I 249); drei weitere jedoch sind seit 1945 verschollen. Im November 1905 bestellte Nationalgalerie-Direktor Tschudi die „Sitzende“, die daraufhin gegossen wurde; sie traf erst im Juni 1906 in Berlin ein (Barbara Paul, Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im deutschen Kaiserreich, Mainz 1993, S. 373). Tschudis Erwerbungen in Paris waren die ersten Ankäufe von Maillol-Plastiken für ein öffentliches Museum. Die Ankaufsgelder stammten aus Mitteln des Generalkonsuls Paul Freiherr von Merling. Als Käufer wird in den Unterlagen der Galerie Vollard jedoch Tschudi genannt (Fonds Vollard, Musée d’Orsay, Paris). Später gelangte auch das ebenfalls von Vollard vertriebene Porträt von Auguste Renoir (B II 66) in die Sammlung. | Ursel Berger

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci

Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci

Nach »König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci« (1850, Nationalgalerie, Kriegsverlust; vgl. die erhaltene Skizze, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 503), in der der König als aufgeklärter Geistespartner Voltaires erscheint, schildert das »Flötenkonzert« eines der privaten Konzerte, bei denen Friedrich als Soloflötist aufzutreten pflegte – mitunter mit selbstkomponierten Stücken. Menzel zeigt ihn im preußisch schlichten Uniformrock und – im Unterschied zu einer Illustration zu Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842), in der er den Gegenstand vorweggenommen hatte – mit den scharfen Zügen des ›Alten Fritzen‹. Ein Anachronismus, denn er ist hier 38 Jahre alt. Wohl nach den Memoiren des Chevaliers de Chazot, eines Jugendfreunds des Königs (der im Bildhintergrund auftritt), wird ein Abendkonzert zu Ehren von Friedrichs Schwester, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, während ihres letzten Besuches (1750) in Potsdam gegeben. Schauplatz ist der im stimmungsvollen Schein der Kerzen und des Kronleuchters schimmernde Konzertsaal im Schloß Sanssouci mit seinen von dem Hofmaler Antoine Pesne und dem Stukkateur Johann August Nahl gestalteten Wänden. Die gebildete Wilhelmine, selbst eine ernstzunehmende Komponistin, ist die leuchtend weiße Gestalt auf dem hellroten Sofa unter den Flammen und Spiegelungen der Kerzen, die mit träumerisch geneigtem Kopf lauscht, flankiert von der anderen Schwester, Prinzessin Amalie. Hinter ihr steht der Kapellmeister Carl Heinrich Graun. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, Mathematiker und Physiker, blickt zur Decke hinauf. Ganz links lauscht Baron Jakob Friedrich von Bielfeld, halbverdeckt von dem Bonvivant Gustav Adolf von Gotter, dem Opernintendanten. Unter den Musikern, die, auf ihren Einsatz am Ende der Flötenkadenz wartend, zum Solisten blicken, sitzt am Cembalo Carl Philipp Emanuel Bach; andere sind Franz Benda und Johann Joachim Quantz, der strenge Flötenlehrer des Königs. In dieser Gemeinschaft von Kunstfreunden sind Rangunterschiede nur am Rande wahrnehmbar.Die Psychologie der Figuren findet ihr Echo in der Raumstimmung, im subtilen Wechsel des warmen, vielfach aufgespaltenen Lichtes. So ist den Musikern die Reihe der Kerzenflammen, den Zuhörern der Kronleuchter zugeordnet; zum König aber gehören sowohl eine Kerze wie das Spiegelbild des Kronleuchters. Im Vergleich zu dem zehn Jahre zuvor entstandenen Holzschnitt, der einen viel spontaneren, konzentrierteren Blick in die Szene hinein gibt, wahrt die Komposition einen bühnenhaften Zug. Bei der Übertragung der Skizze (Inv.-Nr. A III 504 ) in das große Format (Inv.-Nr. A I 206 ) wurde der Vordergrund durch Tilgung der quer über die vordere Bildebene schreitenden Dame freigeräumt.Die 1848 entworfene Komposition wurde in mehreren Arbeitsphasen in das große Format umgesetzt. Im Frühjahr 1850 bestellte der Zuckerfabrikant Ludwig von Jacobs in Potsdam das Bild. Anfang August 1852 war es vollendet und wurde auf Anhieb Menzels populärstes Werk. Bald diente es auch, tausendfach reproduziert, der Untermauerung der offiziellen Preußen-Legende – ohne wirkliches Zutun des Künstlers, der ihm im Alter vielmehr mit grimmiger Selbstkritik begegnen konnte: »Der König steht da wie ein Kommis, der Sonntags Muttern etwas vorflötet […]. Überhaupt habe ich’s bloß gemalt des Kronleuchters wegen […]. Manchmal reut’s mich, daß ich’s gemalt habe: enfin bestand die Hälfte meines Lebens aus Reue. So oder so.« (zit. nach: Erinnerungen an Adolph Menzel, Leipzig 1992, S. 107 f.). | Claude Keisch

Klosterruine Eldena bei Greifswald

Klosterruine Eldena bei Greifswald

In der anonymen Rezension »Briefe einer Freundin über die diesjährige Dresdner Kunstausstellung« findet Friedrichs Werk eine erste kurze Erwähnung: »Eine kleine Landsch. dieses Meisters stellt die Überreste der Abtei Eldena in Vorpommern dar. Diese edle Ruine mit dem sie leicht und luftig umgebenden Strauchwerk macht ein sehr angenehmes Bildchen« (Literarisches Conservationsblatt 1825, S. 888). Die Ruine des 1199 von Zisterziensern begründeten Klosters Eldena, die sich nur wenige Kilometer vor den Toren Greifswalds, Friedrichs Heimatstadt, befindet, gehörte zu den Lieblingsmotiven des Künstlers. Schon als Knabe, wohl noch unter der Leitung seines Zeichenlehrers Johann Gottfried Quistorp, interessierte er sich für das alte Gemäuer, dessen imposante Reste malerisch in den Himmel ragen und ein dankbares Objekt für Zeichenstudien abgaben. Dem 1824/25 entstandenen Gemälde, das den Blick aus dem Kircheninneren auf die Westwand mit zugemauertem Fenster zeigt, liegt eine bereits um 1803 gefertigte Studie nach der Natur zugrunde (Hamburger Kunsthalle), die schon für die beiden Sepia-Zeichnungen »Der Winter« (1803, Kupferstichkabinett, Berlin; um 1826, Hamburger Kunsthalle) genutzt worden war. Bemerkenswert ist der vedutenhafte Charakter des Bildes, der für eine Gruppe von Friedrichs Werken der beginnenden zwanziger Jahre typisch ist. Die wuchernde Vegetation, mit der die Natur das architektonische Menschenwerk zurückzuerobern scheint, entspricht künstlerischer Phantasie, während die in die Ruine eingebaute Tagelöhnerkate den vorhandenen Tatsachen folgt. Erst 1828 wurde sie im Zuge beginnender denkmalpflegerischer Maßnahmen abgerissen. Friedrich diente die Dürftigkeit des Gebäudes als Zeichen für die ärmliche Gegenwart, die er zu den imposanten Relikten des religiösen Mittelalters in Kontrast setzte. | Gerd-Helge Vogel

Glatzer Gebirgslandschaft

Glatzer Gebirgslandschaft

Von dem Landschaftsmaler Gustav Olbricht sind heute nur mehr wenige Arbeiten bekannt. Die farblich zurückgenommene Ansicht eines baumbestandenen Dorfwegs, der sich an einem Bach entlang in die Tiefe zieht, zeigt einen heute topographisch schwer bestimmbaren Landstrich der Grafschaft Glatz (Kłodzko) im heutigen Polen, einer Region, in der der Künstler geboren und aufgewachsen war. Das Bild befand sich seit 1920 im Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau. Hier war Olbricht von 1880 bis zu seinem Tod 1892 Gemälderestaurator gewesen, was den privaten Sammler Siegfried Gerstel dazu veranlaßt haben mag, das Bild 1920 dem Breslauer Museum zu vermachen. 1953 zählte die »Glatzer Gebirgslandschaft« zu jenen rund hundert Werken »deutscher Künstler […], die Denkmäler der Kultur des deutschen Volkes« darstellten und auf Bestreben des damaligen polnischen Parteichefs und Ministerpräsidenten Bolesław Bierut als »Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes« an die Deutsche Demokratische Republik übergegeben wurden (Deutsche Malerei, Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk, Ausst.-Kat., Berlin 1953, S. 8). Etwa die Hälfte dieser Werke stammte aus dem Schlesischen Museum der bildenden Künste in Breslau, darunter Arnold Böcklins Entwurf für das Wandgemälde im Treppenhaus des Museums (»Fertur lux in tenebras«, Inv.-Nr. A III 313), Arbeiten von Anton Graff, Carl Bantzer oder Lovis Corinth sowie 32 Arbeiten von Hans Thoma (davon 27 aus dessen Nachlaß). Thomas Arbeiten waren vor 1945 nach Schlesien ausgelagert worden; 1993 wurden sie an die Erben restituiert. | Regina Freyberger

Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz

Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz

Friedrich August von Sachsen hatte eine Villa in Wachwitz am Elbhang südöstlich von Dresden erworben, die er mit einer »Galerie vaterländischer Ansichten« (zit. nach: Ernst Ferdinand Oehme, Ausst.-Kat., Dresden 1997, S. 17) ausschmücken wollte – eine Idee, die durch die patriotische Bewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts inspiriert worden war. Einer der Künstler, der auf Wunsch des Prinzen zur Ausstattung dieser Galerie beitrug, war Ernst Ferdinand Oehme, der dafür die beiden Ansichten »Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz« und »Burg Scharfenberg bei Nacht« schuf. Für die letztgenannte Darstellung griff er auf eine 1824 in Rom entstandene Zeichnung eines Renaissanceschlosses bei Mondschein zurück. Seine Phantasie habe Oehme dabei in die Heimat getragen, berichtete Ludwig Richter (vgl. Ludwig Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Frankfurt am Main 1890, S. 179). Die um 1200 nahe der Elbe gegründete Burg Scharfenberg, seit dem späten Mittelalter im Besitz des sächsischen Rittergeschlechts von Miltitz, war nach Blitzschlag und Brand seit 1783 unbewohnt. Als sich 1812 der kunstinteressierte Carl Borromäus von Miltitz die Ruine ausbaute, als Wohnsitz nahm und Freunde wie August Apel, Moritz Retzsch und Friedrich de la Motte Fouqué einlud, wurde die Burg für einige Jahre zu einem Treffpunkt der sächsischen Romantiker. Oehme stellte das auf hohem Felsen sich erhebende Schloss im Mondlicht dar. Festlich sind die Fenster erleuchtet, ein Ritter galoppiert durch die stürmische Nacht. Unten auf der Elbe schimmern Reflexe des nächtlichen Gestirns. In dem formatgleichen, im selben Jahr gemalten Bild »Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz« hat Oehme mit Präzision die Gebäude der Burganlage vor einem goldgelb leuchtenden Abendhimmel wiedergegeben. Tiefdunkle Schatten liegen bereits über der Schlucht unterhalb der Burg, die wie entrückt am Horizont aufragt. Den Vordergrund beherrscht die unberührte Wildheit der felsigen Natur.| Birgit Verwiebe