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Bildnis des Dichters Friedrich Rückert

Ident. Nr.: A I 750

ObjID: obj:961346

Details (Expert)

Beteiligte
Bertha Froriep (1833 - 1920),
Maler*in
Datierung
1864
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 61,5 x 49,5 cm
Erwerbung
1903 Ankauf von der Künstlerin

Objektbeschreibung

Friedrich Rückert (1788–1866), Lyriker und Übersetzer orientalischer Literatur, war Professor für orientalische Philosophie in Erlangen, danach in Berlin. Seit 1848 lebte er zurückgezogen auf dem Gut Neuses bei Coburg. Er hinterließ ein überreiches Werk voll kunstvoller Sprachspiele und schlichter Weltweisheit.
Bertha Froriep, Tochter des Weimarer Mediziners und Verlegers Robert Froriep, lebte im Hause des Vaters und hatte Anteil an dessen freundschaftlichen Beziehungen zu Friedrich Rückert, den dieser in den vierziger Jahren in Berlin kennengelernt hatte. Dessen Sohn August heiratete Berthas Schwester Alma. Das Bildnis entstand zwei Jahre vor dem Tode des Dichters, zwischen dem 5. und 10. März 1864 bei einem Besuch der Malerin auf Neuses, wo Rückert mit Sohn und Schwiegertochter lebte. Es zeigt den 76jährigen ›Brahmanen von Neuses‹ mit langem Haar und gelblich bleicher, lederner Haut, ernst und schmallippig, mit der nervigen Energie eines Sektenpredigers und einem unfrohen Ausdruck, den der trockene Farbauftrag ›alla prima‹ und die steife Zeichnung noch unterstreichen. Man vergleiche das von Schnorr von Carolsfeld gezeichnete Bildnis des Dreißigjährigen (1818, Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien), in welchem, bei vollblütigerer Vitalität, eine ähnlich willensbetonte Konzentration den Ausdruck verfinstert.
Rückert bedankte sich für das Bild mit einem elfzeiligen Gedicht: »Du hast mein Bild mit Liebe gemalt, / Drum ist es so schön gelungen: / Denn wo aus dem Irdischen Schönes strahlt, / Das ist aus Lieb’ entsprungen; Davon die Spur / Trägt jede Flur / In Farbenabschattungen; / Das ist die Liebe der Natur; / Und Kunst, die ihr nacheifert nur, / Hat gleichen Sieg errungen, / Mit Liebe den Stoff bezwungen.«
1884 malte Bertha Froriep postum den Dichter abermals, diesmal in ganzer Figur am Schreibtisch sitzend (ehemals Besitz der Stadt Coburg, im Zweiten Weltkrieg zerstört; eine Zweitfassung von 1888 im Stadtarchiv Schweinfurt). Der Kopf dieser Darstellung ist eine genaue Wiederholung des Bildnisses von 1864, von dem es zwei weitere Repliken gab; eine davon, 1866 für die Söhne des Dichters ausgeführt, befindet sich heute in Neuses bei Coburg. (Auskünfte von Rudolf Kreutner, Stadtarchiv Schweinfurt; dort Nachlaß Rückert und darin Nachlaß Bertha Froriep). | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Gänsegeier

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An der Düsseldorfer Kunstakademie bei Karl Janssen geschult spezialisierte sich Pallenberg auf Tierdarstellungen. Obwohl er in seiner detailreichen Gestaltung einer weitestgehend konventionellen Formensprache gefolgt ist, enthält die Skulptur „Gänsegeier“ durch ihre polychrome Ausgestaltung ein modernes Moment. Der Bildhauer kombinierte die natürliche Färbung des grau geäderten Marmors mit rot-bräunlich lasierten Partien am Fels sowie eingesetzten Glasaugen und getönten Krallen. Eine Fehlstelle am Schnabel und Bohrungen auf der rechten Seite des Felsens deuten ebenso auf heute verlorene Materialergänzungen hin. 1918 wurde Pallenbergs Schaffen auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“, die in jenem Kriegsjahr in Düsseldorf stattfand, mit über sechzig Tierplastiken gewürdigt, doch schon damals bemängelten Kritiker seine Formauffassung: „Pallenberg […] wirkt sympathisch durch seine anspruchslose Freude an Form und Bewegung meist exotischen Getiers. Leider bleibt er in der Auffassung der Form etwas kleinlich, gibt mehr Oberflächenplastik mit einem zu liebevollen Eingehen auf jede Einzelheit der zufälligen Erscheinung, da doch gerade das Typische der Tierform eine stilistisch größere Behandlung nahelegt. Nicht zufällig greift er meist zu kleinen Formaten“ (Adam Kuckhoff, Große Berliner Kunstausstellung Düsseldorf, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 11/12, S. 222). Pallenberg baute sich für seine Studien eine beachtliche naturwissenschaftliche Sammlung auf und fertige neben freien Schöpfungen auch Rekonstruktionsmodelle urzeitlicher Tiere an. | Yvette Deseyve

Lautespielendes Mädchen

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Rebekka und Elieser am Brunnen

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Mit der romantischen Rückbesinnung auf Traditionen der altdeutschen und altitalienischen Malerei wurden zugleich Bildtypen und Ornamentformen revitalisiert, die am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit die künstlerische Gestaltgebung bestimmt hatten. Dazu gehören das Tondo ebenso wie die Schmuckform der Arabeske. Schon Philipp Otto Runge hatte wieder auf eine die Bildaussage vertiefende Allegorisierung mittels arabeskem Rahmenornament zurückgegriffen. Für das Doppelbildnis seiner Eltern, des kurpfälzischen Amtmanns Franz Anton Peter Begasse (1764–1842) und dessen Ehefrau, Susanne Henriette, geborene Hofstadt (1769–1851), nutzte der noch ganz von nazarenischen Idealen durchdrungene Begas sowohl das Rahmenornament auf goldenem Grund als auch die Pathosformel strenger Profilbildnisse im Rund eines verdoppelten Tondos, dessen Ursprünge bis in die antike Medaillenkunst zurückreichen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, das Elternpaar ins Ideale zu verklären, ohne dabei auf die sachliche Beobachtung der Details mit all ihren stofflichen Reizen und auf eine liebevolle Erfassung ihrer individuellen, vom Alter gezeichneten Gesichtszüge verzichten zu müssen. Die plastisch herausmodellierten Köpfe, die vor dunklem Grund einander gegenübergestellt sind, werden durch die allegorischen Anspielungen auf der Rahmenleiste miteinander in Verbindung gebracht: Oben in der Mitte sind es die Genien des häuslichen Fleißes und der Gerechtigkeit, die ausgestattet mit den Attributen Spinnrocken und Blütenkranz bzw. Waagschale auf die Wirkungsbereiche der Mutter im Hause und des Vaters im Amte verweisen. Auch die anderen Symbolfiguren beziehen sich auf Charakterzüge der Eltern: Links neben der Mutter sind es das Lamm als Zeichen christlicher Demut sowie der Bienenkorb und das Eichhörnchen als Metaphern des Fleißes und der häuslichen Fürsorge, während der sich seinen Jungen opfernde Pelikan und der Hund, als Zeichen der Opferbereitschaft und Treue, dem Vater zugeordnet sind. Das auf einem festen Fundament ruhende Genienpaar unten in der Mitte versteht sich hingegen als eine allgemeine Allegorie der Ehe. – Beim Berliner Bild handelt es sich um eine Replik nach dem Original im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. | Gerd-Helge Vogel

Monica, die Tochter der Künstlerin

Monica, die Tochter der Künstlerin

Das im Jahre 1900 auf der Ausstellung der Berliner Secession gezeigte Bild der Tochter Monica (1893–1961) war unerwartet erfolgreich und bewog etliche Familien zu dem Wunsch, ihre Kinder ebenfalls von dieser Künstlerin malen zu lassen. Sabine Lepsius, die so anspruchs- und hoffnungsvoll ihre künstlerische Arbeit begonnen hatte (vgl. das Selbstbildnis von 1885, Nationalgalerie, NG 1/56), sah sich dadurch auf ein typisch weibliches Motivfeld zurückgeworfen. Sie benötigte jedoch die Einkünfte, um ihren anspruchsvollen Hausstand mit etlichen Kindern, Hauslehrern, aber auch vielen Gästen finanzieren zu können. Was hatte das Bild so erfolgreich werden lassen? Das etwa siebenjährige Mädchen sitzt betont ungezwungen auf einer Decke auf dem Boden, ohne Schuhe und Strümpfe, die Haare offen. Die gute Herkunft aber beweisen die Rokokokommode im Hintergrund, das feine Empirekleid, die Perlenkette am Fußgelenk, der goldene Armreif, die gezierte Haltung. Der modernen Lebensreform zugeneigte, wohlhabende Familien fühlten sich von diesem gemäßigt unkonventionellen Bilde, das auch pädagogische Reformideen widerspiegelte, angenehm überrascht. Auch mit einem zweiten Bild ihrer eigenen Kinder, der Tochter Sabine (1899–1982), Krokusse pflückend (1906, Verbleib unbekannt), war Sabine Lepsius besonders erfolgreich. Ludwig Justi, der mit dem Künstlerpaar Lepsius befreundet war, hatte nach eigener Aussage 1914 geschwankt, ob er »dieses oder das Monica-Bild für die Galerie erwerben sollte« (Justi an Sabine Lepsius, Brief vom 13.7.1942, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zit. nach: A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 202, Anm. 346). – Monica Lepsius heiratete später den Innenarchitekten John Berenberg und war lebenslang selbst als Malerin tätig. | Angelika Wesenberg