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Der Sturz Robespierres im Konvent am 27. Juli 1794

Ident. Nr.: A I 348

ObjID: obj:961392

Details (Expert)

Beteiligte
Max Adamo (1837 - 1901),
Maler*in
Datierung
1870
Provenienz
Privatgalerie,
375554
Amalia Baronin von Leutritz, Dresden,
17.12.1884
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 87 x 119 cm
Erwerbung
1884 Ankauf von Amalia Baronin von Leutritz, Dresden

Objektbeschreibung

Die stürmische Sitzung des Konvents am Neunten Thermidor 1794 – der Bildtitel ignoriert den ›revolutionären Kalender‹ – beendete die Herrschaft der radikalen Jakobiner, die in eine Diktatur Maximilien Robespierres abgeglitten war. Mit seiner Verhaftung und Hinrichtung begann der Weg zum Direktorium und zur Machtergreifung Bonapartes. – Zwar ähnelt Robespierre, von der Übermacht seiner Gegner überwältigt, allen über Jahrzehnte von der Historienmalerei bevorzugten ›gescheiterten Helden‹, etwa »Napoleon in Fontainebleau« von Paul Delaroche (1845, Museum der bildenden Künste, Leipzig). Doch anders als diesen bleibt ihm nicht die Würde der Einsamkeit; ihn umringen theatralisch empörte, fordernde, trauernde Gestalten: Vadier, eine Broschüre in der Hand; Jean-Marie Collot d’Herbois mit geballten Fäusten; am Rednerpult der Präsident des Konvents Jean-Nicolas Billaud-Varennes, über ihm Jean-Lambert Tallien, der symbolisch einen Dolch erhebt. Beide haben die eindrucksvollsten Anklagereden gehalten, doch wie mehreren anderen wird auch ihnen ihre Vergangenheit als jakobinische ›Königsmörder‹ bald zum Verhängnis werden. Ganz oben rechts schüttelt Thuriot de la Rozière als Vorsitzender die Glocke, und von der Tribüne steigt Bertrand Barère, von seinen Anhängern umdrängt; ihm gegenüber aber, auf der linken Seite in Rot, Robespierres Freund Saint-Just, der mit ihm stürzen wird; am linken Rand Durand de Maillane, der einen Jakobiner abführen hilft.
Wie ein Bild im Bild öffnet sich die Hintergrundwand zur großen Zuschauertribüne. Neben ihr hängt, der historischen Situation getreu, Jacques-Louis Davids »Ermordeter Marat« (1793, Musées Royaux des Beaux-Arts, Brüssel). Auf David – der selbst nach dem Neunten Thermidor unter Anklage gestellt wurde – spielt Adamos ganze Komposition an: Ihre symmetrische Raumordnung mit Öffnungen oben, die hochgestimmte, auf eine Mitte bezogene Menschenmenge, alles entspricht der großen, durch Stiche wohlbekannten Zeichnung »Der Schwur im Ballhaus« (1791, Musée national du château, Versailles). David feierte den Beginn einer historischen Epoche; Adamo schildert – im Sinne der Münchner Schule Carl von Pilotys – das Ende einer politischen Episode.
Auffallend ist der abrupte Wechsel von der bunten und plastischen vorderen zur fast monochromen, ungreifbar dunstigen hinteren Figurenschicht: den Protagonisten und der Masse der Kleindarsteller – in einem Revolutionsbild erscheint dies als ein besonders deutliches Bekenntnis zu hierarchischen Ordnungen. In gleichzeitigen Darstellungen aus der Französischen Revolution steht die radikale Linke stets in negativem Licht. So konnte Adamo dieses Bild unbesorgt gleich nach Vollendung im Pariser Salon zeigen. Es blieb sein erfolgreichstes Werk. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Edward T. Pearson

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Die Porträtbüste Edward T. Pearsons (Lebensdaten unbekannt) wirft einige Fragen auf. Interessant ist, dass sie 1930 beim Künstler gegen einen Aufpreis gegen ein früheres Werk, und zwar den „Kopf von Werner Krauß“ (Verbleib unbekannt), ertauscht wurde. Dieser war 1922 erworben worden, wiederum durch einen Tausch. So war das erste Werk, das die Nationalgalerie von Ebbinghaus besaß, eine 1912 auf der Ausstellung der Berliner Secession ausgestellte Bildnisbüste des Malers Albert Hertel (Verbleib unbekannt). Doch wer mag das Tauschgeschehen angeregt haben? War es der Künstler, der immer sein bestes Werk in der Sammlung der Nationalgalerie wissen wollte? Es erscheint wahrscheinlicher, dass die Nationalgalerie Initiator des Tauschs gewesen war und es um den Dargestellten ging. Wer Pearson war, lässt sich jedoch heute nicht mehr sicher bestimmen. Er ist als alter Mann porträtiert. Nase und Ohren sind groß, das Gesicht faltig, der Haaransatz hoch und die Augen trüb. Die Zufälligkeit der Patinierung wirkt geschickt genutzt, da sie den Eindruck des Alters verstärkt. Im Inventarbuch findet sich der Hinweis, dass es sich um den Bruder der Mutter von Ebbinghaus handelt, einen englischen Kaufmann. In Paris lebte ein Engländer und Kunstsammler mit dem Namen Pearson, der enge Beziehungen zu Berlin besessen haben muss. Sein Nachlass wurde 1927 auf einer großen Auktion in der Berliner Kunsthandlung Cassirer angeboten, auf der auch die Nationalgalerie ein Werk („Italienische Landschaft“, A II 587) erwarb. In diesem Sinne wäre es von Interesse gewesen, die Büste des Kunstsammlers zu besitzen. | Johanna Yeats

Knabe am Schreibtisch

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Läuferin

Läuferin

Der aus Riga stammende Starck begann sein Studium in Stuttgart und wechselte 1887 an die Berliner Hochschule für die bildenden Künste. Dort studierte er bei Albert Wolff, Fritz Schaper und Ernst Herter, von 1891 bis 1898 war er Meisterschüler von Reinhold Begas. Sein 1891 entstandener „Flötenspieler“ weist noch letzte Wurzeln im Neobarock auf, ehe sich der Bildhauer verstärkt einer neoklassizistischen Formensprache zuwandte, wie sie in seiner Bronze „Träumerei“ (1898, B I 129) oder auch in der polychrom gefassten Marmorarbeit „Die Quelle“ (1903, B I 200) zu beobachten ist. Die kleinformatige Statuette einer antikisierend gestalteten Läuferin im weiten Ausfallschritt und mit erhobenem rechten Arm wurde 1928 vom Kultusminister für die Nationalgalerie angekauft. In Starcks handschriftlichem Werkverzeichnis (NL Starck, vgl. Sabine Hannesen, Der Bildhauer Constantin Starck (1866–1939). Leben und Werk, Frankfurt am Main 1991, Kat. Nr. 154) lautet der Titel „Läuferin“; in anderer Literatur werden auch „Im Ziel“, „Am Ziel“ oder „Durchs Ziel“ genannt. Der Originalgips befindet sich im Besitz der Erben des Künstlers in Berlin. Nicht zuletzt durch die Statuetten der Bildhauerin René Sintenis (vgl. etwa „Der Läufer Nurmi“, B I 463) erfreuten sich in der Weimarer Republik Darstellungen von Sportlern zunehmend großer Beliebtheit. Starck betrieb häufig Studien auf Sportplätzen, die er mehrfach in entsprechende Motive umsetzte und teilweise lebensgroß ausführte: Golfspielerinnen, Tennisspielerinnen und andere, von denen manche auch in kleinformatigen Wiederholungen angeboten wurden. Vom vorliegenden Motiv ist keine großformatige Version bekannt. | Yvette Deseyve und Bernhard Maaz

Tafelaufsatz

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Der zunächst als Illustrator und Grafiker tätige Geyger beschäftigte sich 1886 erstmals autodidaktisch mit der Bildhauerei. Sein figürlich ausgestalteter Standspiegel (1896, B I 136), modelliert für Kaiserin Victoria, sowie sein von Kaiser Wilhelm II. für den Schlosspark Sanssouci erworbener „Bogenschütze“ (1900) zählen zu seinen bekanntesten Werken. Großen Anteil an der Verbreitung hatte die vielfache und in verschiedenen Formaten ausgeführte Reproduktion seiner Arbeiten sowohl durch die Württembergische Metallwarenfabrik in Geislingen an der Steige (WMF) als auch durch die Gießerei der Aktien-Gesellschaft Gladenbeck. Ebenfalls aus der Produktion Gladenbecks stammt der kunsthandwerkliche Entwurf eines Tafelaufsatzes mit figuralem Schaft sowie Alabasterfuß und -schale; er ist eine verkleinerte Version der Marmorausführung (Verbleib unbekannt) für den Sammler, Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Gutmann, der 1909 eine der frühesten Würdigungen des Künstlers verfasst hatte. 1910 hieß es schwärmerisch über den Tafelaufsatz: „Knaben und Mädchen in der ersten knospenden Jugendschönheit umdrängen den Schaft des Kandelabers oder der Schale mit Karyatidengebärden und das wundervolle Ensemble ergibt Profile von einem unsagbaren Reiz“ (Maximilian Rapsilber, Ernst Moritz Geyger, in: Kunst und Künstler, 8. Jg. [1910], S. 627). Die jugendstilhafte Komposition der ineinander verschlungenen Aktfiguren wird durch die wenig anmutige, harte Körpermodellierung gebrochen und steht damit stilistisch Geygers in der Nationalgalerie verwahrten monumentalen Marmorfiguren „Arbeit“ und „Fleiß“ (1904, B I 352, B I 303) nahe. | Yvette Deseyve

Schweizer Gebirgslandschaft

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Seit 1829 unternahm der junge Johann Wilhelm Schirmer, Lehrer der neugegründeten Landschaftsklasse an der Düsseldorfer Akademie, jährliche Studienfahrten. 1835 reiste er mit Johann Heinrich Schilbach etwa drei Monate durch den Schwarzwald und die Schweiz (vgl. G. Bergsträsser, Johann Heinrich Schilbach, Darmstadt 1959, S. 60–61; vgl. zudem Schilbachs Studie »Alpenlandschaft mit Wetterhorn« von 1835, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 1003). Schirmer brachte von dieser Reise neben Skizzenbüchern über fünfzig in Öl gemalte Studien mit. »Meine Schweizer Studien finden hier die größte Anerkennung, ja es ist ordentlich Ton hier unter den kunstliebenden Leuten geworden, sich bei mir die Schweiz zu vergegenwärtigen« (Brief vom 8.10.1835, zit. nach: K. Zimmermann, Johann Wilhelm Schirmer, Saalfeld 1920, S. 24). 1836/37 fand in Dresden eine Ausstellung von Werken der Düsseldorfer Malerschule statt; von den dort präsentierten Landschaften Schirmers zeigte sich Ludwig Richter sehr beeindruckt: »Das Betrachten der Landschaften von Schirmer hat mir übrigens ein Licht aufgesteckt über eine Betrachtungs- und Auffassungsweise der Natur, wofür ich gar sehr dankbar bin; ich habe auch auf frischer Tat ein Bildchen gemalt« (Brief an Wilhelm von Kügelgen vom 5.2.1837, in: L. Richter, Lebenserinnerungen, Leipzig 1909). Diese Ölstudien von unmittelbarer Frische und zugleich Nüchternheit der Ausführung gehören zu einer betont realistischen Phase von Schirmers Landschaftsmalerei, die – unter dem Einfluß seines Studienfreundes Carl Friedrich Lessing entwickelt – mit der Italienreise von 1839/40 beendet war. Eine größere Anzahl der Studien von 1835 gelangte in den Bestand der Akademie zu Karlsruhe, deren Direktor Schirmer ab 1854 war. | Angelika Wesenberg