Logo

Kuttenberg

Ident. Nr.: A IV 171

ObjID: obj:961480

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Josef Horn (1902 - 1951),
Künstler*in
Datierung
1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kuttenberg
Übersetzung: Kutná Hora
Provenienz
Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
um 1931 - 25.4.1939
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 49 x 59 cm
Erwerbung
1939 vom Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung als Werk der "Verfalls- und Judenkunst" der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben

Objektbeschreibung

Im Sommer 1931 erwarb der Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen auf einer Ausstellung in Dortmund drei Werke mit einer vom Kultusministerium bereitgestellten Summe, darunter Horns Bild „Kuttenberg“, das seinen Platz in den Diensträumen des Oberpräsidiums in Münster fand. Seit 1926 vergab das Ministerium hin und wieder Gelder an Ober- und Regierungspräsidenten, damit diese Werke lebender Künstler zur Förderung des Kunstschaffens ihrer Region ankaufen konnten. Die Bilder verblieben in Staatsbesitz und wurden deshalb in der Nationalgalerie inventarisiert, jedoch als Leihgaben bei den Präsidenten belassen. Ende 1928 äußerte Kultusminister Wilhelm Nentwig in einem Rundbrief die Bitte, die Inventarisierung in der Nationalgalerie nicht publik zu machen (vgl. SMB-ZA/NG 474, Bl. 215), da manche Künstler damit für sich geworben hätten, die Qualität aber nicht das erste Kriterium der Auswahl sei und meist nicht den Werken der Nationalgalerie entspreche. Ende 1930 schloss das eigens angelegte Inventar zugunsten eigener Listen im Ministerium. Horns Bild ist noch aktenkundig, aber nicht mehr inventarisiert (vgl. ebd., Bl. 365). 1939 gelangte es mit Horns „Stadtbild Freiburg im Breisgau“ (A IV 172) dennoch in die Nationalgalerie. Dargestellt ist, kaum erkennbar, das berühmte alte Kuttenberg (heute Kutná Hora), von einem Bauplatz am Stadtrand gesehen. Horn ließ sich offensichtlich von Form- und Farbgegensätzen mehr inspirieren als von Baudenkmälern. Entsprechend sind die Stadtnamen im Titel meist später hinzugefügt. Der Maler hatte den Ort 1928 während einer Reise durch die Tschechoslowakei besichtigt. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz