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Stilleben mit Blumen und Früchten

Ident. Nr.: A I 965

ObjID: obj:961532

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Cézanne (1839 - 1906),
Maler*in
Datierung
um 1890
Systematik/Art
Provenienz
vermutlich Paul Cézanne (Sohn des Künstlers),
376273
Josse Bernheim-Jeune und Gaston Bernheim de Villers, Paris,
376274
Paul Cassirer, Berlin,
376275
Kauf: Hugo von Tschudi für die Nationalgalerie, Berlin,
April 1904
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 66 x 81,5 cm
Erwerbung
1906 Geschenk Berliner Kunstfreunde (Eduard Arnhold und Robert von Mendelssohn)

Objektbeschreibung

Von allen Bildgattungen hat Cézanne das Stilleben von Anbeginn bis zum Ende am beständigsten gepflegt. So entstanden etwa zweihundert Bilder, für deren Erfindung er sich mit einigen wenigen, immer wiederkehrenden schlichten Gegenständen begnügte; und da er sehr langsam arbeitete, ersetzte er die allzu rasch vergehenden Früchte und Blumen bisweilen durch künstliche. Blumenbilder (wie sie etwa Henri Fantin-Latour so bevorzugte) bleiben jedoch vergleichsweise selten. Zwanzig Jahre liegen zwischen dem älteren Stilleben und diesem, das die Kunst Cézannes in ihrer vollen Entfaltung zeigt. Eine kaum weniger instabile Anordnung der Gegenstände wird diesmal aufgefangen durch erkennbare Geometrie, durch eine abstrahierende Interpretation der Farben, die deren Lichtwert den Vorrang vor der Lokalfarbigkeit gibt (wozu »Früchte und Geschirr« nur in den mittleren Früchten ansetzt, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 964), und eine gezügelte, behutsame Pinselführung. Die Geometrie gibt sich nicht nur in der langen Schräge des Tischtuches kund, sondern vor allem in der senkrechten Teilung der Bildfläche, die von der Spitze einer gelben Birne markiert wird: Die rechte Hälfte wird beherrscht von dem – in Cézannes Bildern so oft vorkommenden – Ingwergefäß, hinter dem die Feldblumen sich ausbreiten, die andere von dem bergförmig aufgetürmten Tischtuch. Hinter diesem ein undurchdringlich nächtliches Blau, auf ihm aber die Früchte in immateriell leuchtenden, reinen Tönen, wodurch der Komplementärkontrast von Gelb und Violett höchst aussagekräftig wird.
Die Pracht sucht Cézanne in steigendem Maße in der räumlichen Entfaltung der Dinge. Dabei müssen sich die konkreten räumlichen Verhältnisse dem Zusammenklang der Dinge in einem farbig aufgefaßten Licht unterordnen: Wie sich etwa der Stuhlpfosten zur Lehne, der Stuhl insgesamt zum Tisch verhält, bleibt, der Öffnung der Volumen zum Raum hin zuliebe, undefiniert. Ebensowenig gewinnen Licht und Schatten selbständige Wirkung: Die Farbe vermittelt dies alles simultan. Die Farbschicht ist dünn, bisweilen fast aquarellartig durchsichtig. Die kurzen, schräg geführten Striche kreuzen einander stellenweise und lassen innerhalb jeder Farbzone unterschiedliche Töne anklingen, namentlich im Blau und im Weiß des Tuches: Hier wird anschaulich, was Cézanne meinte, wenn er vom ›Modulieren‹ des Tons sprach. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 29.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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