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Mädchenkopf

Ident. Nr.: B I 510

ObjID: obj:961669

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Haller (1880 - 1950),
Künstler*in
Datierung
1927/1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchenkopf
Übersetzung: Head of a Girl
Material / Technik
Ton und Stukko
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 42,5 x 21 x 27 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1930 Ankauf vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Mit den Fingerspitzen hat Haller in die weiche Terrakotta das lockige kurze Haar hineingeknetet. Wie eine Haube liegt es eng am Kopf der jungen Frau an. Zahlreiche Stellen lassen erkennen, dass der Kopf farbig gefasst war: Die Haare sind in einem dunklen Ton gehalten, Augen und Augenbrauen dunkel nachgezogen und die Lippen rot geschminkt. Hallers Entscheidung, einige seiner Plastiken zu bemalen, war damals eher ungewöhnlich und wurde durch das Material begünstigt, wie Julius Meier-Graefe schon früh bemerkt hat: „Haller hat eine Terracotte gefunden, aus sehr poröser rauher Erde, die sich ausserordentlich zur Bemalung eignet. Es ist, glaube ich, die erste annehmbare Bemalung von modernen Statuen, weil sie das Material intakt lässt und für dieses gedacht ist“ (Julius Meier-Graefe, Neue deutsche Römer, in: Kunst und Künstler, 5. Jg. [1907], S. 433). Die Bemalung wurde jedoch außerdem auf seine Faszination von der ägyptischen Kunst zurückgeführt (vgl. Maria Theresia Apel, Hermann Haller, Leben und Werk, 1880–1950, Münster 1996, S. 71). 1924 war die Büste der Nofretete (14. Jh. v. Chr.) erstmals auf der Berliner Museumsinsel öffentlich präsentiert worden. Mit dieser lassen sich die feine Ausmodellierung des schmalen Gesichts und des überlangen Halses, die Bemalung der dünnen Augenbrauen und der vollen Lippen von Hallers „Mädchenkopf“ durchaus in Verbindung bringen. Um 1935 entwickelte der Künstler, in dessen Atelier eine bemalte Kopie der Nofretete stand, diesen Typus weiter zu einer „Ägypterin“ (Musée d’art et d’histoire, Genf), die sich klar auf die Königin der Amarna-Zeit bezieht. Seine charakteristische raue, geknetete Oberflächenbehandlung erinnert jedoch schon in dem Kopf von 1927/1928 an die Formensprache altägyptischer Kunst. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz