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Eiserne Jungfrau

Ident. Nr.: NG 9/13

ObjID: obj:961819

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Peter Alvermann (1931 - 2006),
Künstler*in
Datierung
1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: Eiserne Jungfrau
Übersetzung: Iron Maiden
Material / Technik
Eisen
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 30 x 130 x 60 cm
Erwerbung
1979 Schenkung des Künstlers, Düsseldorf

Objektbeschreibung

Als „Eiserne Jungfrau“ wird ein Foltergerät bezeichnet, das angeblich im Mittelalter verwendet wurde, aber vermutlich eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist, die nie zum Einsatz kam. Die Exemplare, die in Museen besichtigt werden können, haben etwa die Größe eines erwachsenen Menschen und von außen eine glatte, menschenähnliche Form, wie eine Person in einem Gewand. Nicht so bei Alvermann: Die rechteckige Truhe ohne Kopfende ist nur 130 cm lang, sodass eine erwachsene Person nur gekrümmt hineinpassen würde. In der geöffneten Truhe sieht man die Spitzen vieler Nägel, die jeglichen Inhalt aufspießen würden. Alvermann führt diese Grausamkeit ins Extrem: Denn wo die angeblich mittelalterliche Eiserne Jungfrau so konstruiert war, dass das Folteropfer erst beim Schließen des Deckels aufgespießt würde, sind hier die Nägel so lang, dass in die Truhe gar nicht erst etwas hineingelegt werden könnte. Im geschlossenen Zustand erinnert nichts mehr an die eigentliche Funktion der Konstruktion, zu sehen ist lediglich eine Holztruhe mit metallenen Handgriffen. Wie bei vielen seiner Werke scheint es dem Künstler darum zu gehen, Unwohlsein oder Schrecken bei den Betrachter*innen auszulösen. Seine Materialien sind an sich keine ungewöhnlichen Gegenstände, umso provokanter dafür die Interpretationsmöglichkeiten. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz