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Stalino

Ident. Nr.: A IV 491

ObjID: obj:961840

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Ehmsen (1886 - 1964),
Künstler*in
Datierung
1943
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1964
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass des Künslters / Horst Ehmsen und Lis Bertram-Ehmsen, Wien,
1964–1980
Kulturfonds der DDR,
1980–1984
Leihe: Nationalgalerie, Berlin (Ost),
1980–1984
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 38 x 53,5 cm
Erwerbung
1984 Überweisung des Kulturfonds der DDR an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endete abrupt die erfolgreiche Arbeit Ehmsens. Seine Bilder wurden aus den Museen entfernt; aufgrund seiner Nähe zum nunmehr geächteten Flugzeugbauer Hugo Junkers war er eine Zeit lang in Haft. Bis 1940 hielt sich Ehmsen mit kunstgewerblichen Arbeiten über Wasser. Wegen seiner Sprach- und Sachkenntnisse kam er dann als Mitarbeiter in einer Abteilung der Propagandastaffel nach Paris als „Kontaktmann“ zur dortigen Künstlerschaft (1941 war er mit seinen Freunden André Derain und Maurice de Vlaminck in Weimar). 1942 wurde er als Kriegsmaler an die Ostfront versetzt. Hier entstand die Ansicht von Stalino (seit 1961 Donezk). 1869 als Jusowka gegründet, 1924 nach Josef Wissarionowitsch Stalin benannt, stand die Bergwerksstadt seit 1941 unter deutscher Besatzung. Fast die Hälfte der 500.000 Einwohner war geflohen, 60.000 wurden ermordet. In der warmen, aber weltuntergangshaften Abendbeleuchtung erhebt sich die Stadt auf den Abraumhalden der Erzbergwerke. Unheimlich bricht eine Lawine amorpher Schlammmassen aus der Mitte des Bildes hervor und reißt die architektonische Ordnung der Stadt entzwei. Vereinzelte Menschen bringen ihre Habe in Sicherheit, im Vordergrund schreitet eine stolze Bäuerin mit Korb aus. Mit großer formaler Beherrschung zwingt das Bild die Gegensätze zusammen. Stalino: ein Gomorrha und ein Utopia zugleich. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz