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Kronprinz Friedrich besucht den Maler Pesne auf dem Malgerüst in Rheinsberg

Ident. Nr.: F.V. 46

ObjID: obj:961908

Credit: Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Details (Expert)

Beteiligte
Adolph Menzel (1815 - 1905),
Maler*in
Datierung
1861
Systematik/Art
Provenienz
Kommerzienrat C. A. F. Kahlbaum, Chemiefabrikant, Berlin,
1861 – 1872
Kommerzienrat A. W. Kahlbaum, Berlin,
1872 – 1884
Frau E. Kahlbaum, Berlin,
1905
Sammlung Max Böhm, Berlin,
1931
Sammlung Ilse und Robert Neumann, Berlin/Meran,
1935
Kauf: Deutsches Reich, „Sonderauftrag Linz“,
1939 – 1945
Verwahrung: Freistaat Bayern,
1949 – 1952
Verwahrung: Bundesrepublik Deutschland,
Ab 1963
Leihe: Nationalgalerie, Berlin,
Seit 1967
Abmessungen
Höhe x Breite: 24 x 32 cm
Erwerbung
Seit 1967 Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Objektbeschreibung

Mit der »Ansprache bei Leuthen« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 839) brach die Reihe der Friedrichsbilder ab und wurde durch kleine parodistische Geschichts-Genrebilder von hochartifizieller Abseitigkeit und malerischem Witz abgelöst, deren Reihe sich bis in die achtziger Jahre hinein erstreckt: verwirrende Selbstbespiegelungen einer Kunst, der der Stoff entgleitet. Anfang der sechziger Jahre bestellte der Berliner Chemiefabrikant Kahlbaum bei Menzel, in bemerkenswerter Mischung, vier Motive aus der Kronprinzenzeit Friedrichs II. und fünf Motive aus der Gegenwart, alles Gouachen. Die einzelnen Gegenstände waren zweifellos Menzels eigene Wahl. Während einer Kur in Rheinsberg 1860 hatte er das Schloß studieren können, das Kronprinz Friedrich für seine musische Hofhaltung hatte umbauen lassen. Dabei erhielt die Decke des Ballsaales ein Deckenbild von Antoine Pesne: »Apollo vertreibt die Finsternis« (1740) – eine Allegorie, die man in der Umgebung des Kronprinzen auf den baldigen Thronwechsel bezog.
Mit großem Aufwand an bewegten Figuren, erzählerischen wie malerischen Pointen, Querblicken, Beleuchtungs- und perspektivischen Effekten schildert die kleine Komposition eine Episode während der Entstehung dieses Freskos. Wiewohl an sich belanglos, schlägt sie doch das im 19. Jahrhundert weitverbreitete Rahmenthema ›König und Künstler‹ an und berührt damit die Würde der Kunst. Man befindet sich, vom Boden abgelöst, ›bodenlos‹, in der Höhe des Malgerüstes und nimmt dennoch das Meiste aus der Untersicht wahr. Große, überlaufende Farbtöpfe stehen kipplig umher. Weil alle Künste zusammengehören, füllt der Hofmusiker Franz Benda den Raum verträumt mit seinem Bratschenspiel. Während ein Gehilfe die Palette reinigt, scherzt, eine Gerüststufe höher und fast schon mit dem Himmel des Freskos verschmelzend, Friedrichs Hofmaler Antoine Pesne mit seinem Modell. Neugierig hinaufblickend nähert sich Friedrich, dessen Erscheinen ein kräftiger Sonnenstrahl hervorhebt. Ihn begleitet der Baumeister des Schlosses, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.
Der Bildraum ist aufs reichste durch die Gerüstkonstruktionen perspektivisch verbaut, alle Figuren sind Abgründen nahe, am augenfälligsten der einsame Musiker, der einem Somnambulen gleicht. Die vornübergefallene Gliederpuppe scheint nicht nur auf den Sieg der Natur über akademische Künstlichkeit anzuspielen, sondern die Perspektive als solche zu parodieren. Die Mittelachse ist mit einer schweren pyramidalen Kombination aus Figur und Gegenständen besetzt. Darunter ist ein prächtig gedrechselter barocker Stuhl – unerwartet auf einem Malgerüst. Nur die wenigen Besucher von Menzels Atelier wußten damals: Es ist Menzels eigener Stuhl! Indem er ihn, was durchaus nicht naheliegt, dem Künstler des 18. Jahrhunderts zuordnet, identifiziert er sich mit ihm und wird selbst ›der Maler Friedrichs des Großen‹. Oder anders: Der Stuhl ist noch leer, es fehlt nur noch sein Besitzer, um das Bild eines Glücksmoments der Kunst zu vervollständigen. Dies zu legitimieren, mobilisiert Menzel allen Zauber und alle Subtilität seiner Malerei. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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