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Der Heilige

Ident. Nr.: B 54/1

ObjID: obj:961973

1952 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Moriz Melzer (1877 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1914
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Heilige
Übersetzung: The Saint
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1952
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1952–1968
Material / Technik
Öl auf Papier auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 130,5 x 97 cm
Erwerbung
1952 Ankauf vom Künstler durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Christliche Motive spielten im Schaffen Melzers bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine große Rolle. Während Expressionisten wie Ludwig Meidner oder Karl Schmidt-Rottluff derartige Stoffe auch inhaltlich aktualisierten und als Vorlagen für Kommentare zur Gegenwart nutzten, fand Melzers Aneignung nur auf formaler Ebene statt und folgte den überlieferten Bildtraditionen. Ein Rezensent, der Melzers Monotypien „Farbenschnitte“ nannte, befand, dass in dessen religiösen Bildern „der Rausch gleichsam nach innen gekehrt ist. Auf einem der schönsten Blätter, ‚Der Heilige‘ genannt, steht der Jüngling in jener schlaffen Haltung, die letzte Weltabgewandtheit kennzeichnet, er lässt die Hände und den Kopf hängen, wie im Schlaf, aber um ihn herum führen die Gestalten seiner religiösen Inbrunst: Christus, die Marien, Engel, einen sonderbaren Reigen auf. Dies Bild kann zur Erklärung des visionären Ursprungs Melzer’scher Kunst dienen, es ist eigentlich ein Bekenntnis und ein Symbol seines Schaffens“ (Ignaz Beth, Moritz Melzer, in: Kunst und Künstler, 15. Jg. [1917], S. 319 f.). Melzers Gemälde speist sich aber auch aus der Kunstgeschichte: Der Körper des toten Christus’ im Hintergrund scheint Rogier van der Weydens „Grablegung Christi“ (um 1450; Uffizien, Florenz) entnommen zu sein, Kopf- und Handhaltung der Hauptfigur Melzers dagegen der Darstellung Maria Magdalenas in van der Weydens „Kreuzabnahme“ (um 1435/1440; Prado, Madrid). Entsprechend dürfte „Der Heilige“ bei Melzer den dunkelrot gewandeten Jünger Johannes meinen, auf dessen Schoß ein Tuch der blau gekleideten Maria liegt. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz