Dorf Jaski, Russland
Ident. Nr.: A IV 388
ObjID: obj:961985
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1916
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Dorf Jaski, RusslandÜbersetzung: The Village of Yasky, Russia
- Provenienz
- Sammlung Ida Döhler, Dresden,
381344Ilonka Hoepner, Berlin,
1979 - Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 70,5 x 75 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/961985
Objektbeschreibung
Nach Anfängen an der Kunstgewerbeschule in Bielefeld wechselte Böckstiegel im Herbst 1913 an die Kunstakademie in Dresden. Prägender als die akademische Ausbildung war die Begegnung mit der Kunst Vincent van Goghs, die er auf der Sonderbundausstellung 1912 in Köln kennenlernte und die sein eigenes Œuvre deutlich inspirierte. Anfang 1915 wurde Böckstiegel als Landsturmmann zum Kriegsdienst in Russland eingezogen. Aus seiner Abneigung gegen den Krieg machte er keinen Hehl: „Ich habe das europäische Geschehen von 1914 bis 1918 mit allen Fasern meines Ichs gehaßt, verflucht und verdammt“ (zit. nach David Riedel, Peter August Böckstiegel. Die Gemälde, 1910–1951, München 2014, S. 75). In dieser Ausnahmesituation entstand ein Ausnahmewerk. Seinen Empfindungen entsprechend tendierte die Farbpalette der Bilder aus jener Zeit zu dunklen, bedrohlichen Tönen. Böckstiegel kam im November 1916 durch das verlassene Dorf Jasky. In seiner Darstellung sind die Häuser des Ortes unangetastet und intakt, aber der aufgewühlte Himmel und die zerfurchte Straße lassen erahnen, was sich hier abgespielt haben mag. In dieser unheilvollen Umgebung ist die eigenartige Farbgebung der Pferde vermutlich nicht nur als expressionistisches Stilmittel zu verstehen, sondern auch als Verweis auf die Apokalypse. Laut Offenbarungstext (Offenbarung 6, 4–8) nimmt der Reiter auf einem roten Pferd den Menschen den Frieden, „dass sie sich untereinander umbrächten“. Der Reiter auf einem fahlen Pferd ist der Tod, „und die Hölle zog mit ihm einher“. Böckstiegel zeigt, wie beide Richtung feuerrotem Widerschein im Hintergrund von dannen ziehen, eine Schneise der Verwüstung hinter sich lassend. | Katharina Wippermann
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de