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Hornform

Ident. Nr.: B 90

ObjID: obj:962171

1953 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wassily Kandinsky (1866 - 1944),
Künstler*in
Datierung
1924
Weitere Titel
Sammlungstitel: Hornform
Originaltitel: Forme de corne
Übersetzung: Horn Shape
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
Juni 1924 - 1944
Kommission: Galerie L’Esquisse, Paris,
- Dezember 1944
Privatbesitz, Schweiz,
1953
Kunstkabinett Asta von Friedrichs, Berlin,
1953
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1953–1968
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 57,5 x 49,5 cm
Erwerbung
1953 Ankauf vom Kunstkabinett Asta von Friedrichs, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Die Kunstvermittlerin Galka Scheyer rief 1924 die Gruppe Die Blaue Vier ins Leben, um die Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Alexej von Jawlensky und Lyonel Feininger in den USA zu fördern. Mit dem Namen erinnerte sie an die expressionistische Kunstinitiative Der Blaue Reiter, die Kandinsky 1911/1912 gemeinsam mit Franz Marc begründet hatte. Von 1922 bis 1933 war der in Moskau geborene und in München zum Maler ausgebildete Kandinsky als Meister am Bauhaus tätig. Die Einflüsse dort sowie der Kontakt zum russischen Konstruktivismus führten seine Malerei, die sich bereits seit 1910 mit freier Geste zur Abstraktion bewegt hatte, zu strengerer Gliederung und geometrischeren Formen. Im Reigen seiner rationaler gestalteten Bilder der 1920er-Jahre fällt „Hornform“ durch die spielerisch-narrative Erscheinung auf. Die leuchtend farbigen, dynamisch auf dunklem Grund arrangierten Bildelemente sind nur so weit abstrahiert, dass viel Raum für figurative Assoziationen bleibt. Das gelbe Horn und das grau gezackte Profil scheinen von einem Bläser und seinem Instrument zu erzählen, die Linien, Kreise und Rechtecke rundherum von der Vielfalt musikalischer Klänge. In seiner bekanntesten kunsttheoretischen Schrift, „Über das Geistige in der Kunst“ (1911), setzte sich Kandinsky intensiv mit synästhetischen Phänomenen auseinander, insbesondere dem Zusammenspiel von Musik und bildender Kunst. Zudem ordnete er Farben Eigenschaften und dem jeweiligen Farbklang ein Instrument zu. Diese Farbcodierung findet sich in „Hornform“ ebenso wieder wie die Idee, dass die im Bild eingefangene Musik als imaginierter Klang die Seele der Betrachter:innen bewegt. | Christina Thomson

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz