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Stillleben mit Masken

Ident. Nr.: A IV 58

ObjID: obj:962242

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Völker (1889 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Stillleben mit Masken
Übersetzung: Still Life with Masks
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
397820
Nachlass/Vermächtnis: Horst Völker, Halle/Saale,
1963–1965
Abmessungen
Höhe x Breite: 104 x 59,5 cm
Erwerbung
1965 Ankauf vom Sohn aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

1928 zog Völker von Halle nach Celle um, wo er in das Büro des Architekten Otto Haesler eintrat, mit dem er schon seit 1922 gelegentlich zusammengearbeitet hatte. Während der Künstler nun hauptberuflich die Farbgestaltung der Siedlungsentwürfe Haeslers (unter anderem für die Siedlung Dammerstock in Karlsruhe) entwickelte, konnte er nur noch in seiner Freizeit malen. Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise, der zunehmend instabilen Regierungen in Deutschland und massiv zunehmender nationalsozialistischer Agitation entstanden nicht nur sozialkritische Rummelplatz-, Boulevard- und Kaffeehausszenen (vgl. etwa A IV 413), sondern auch – scheinbar – ins Unpolitische ausweichende Stillleben mit Blumen und Masken. 1927 hatte Völker Bilder von James Ensor, dem „Maler der Masken“, in der Kestner-Gesellschaft in Hannover gesehen. Die anschließend geschaffene Werkgruppe Völkers entfaltet die spezifische Dialektik der Maske. Das Stillleben von 1928 zeigt vier hässliche, leere Larven vor dem Faltenwurf eines ebenfalls leeren Kostüms an der Wand. Die Abwesenheit des Menschlichen ist die eigentliche Voraussetzung für das dämonenhafte Eigenleben der Masken, die paradoxerweise mit Augen und Zunge ausgestattet sind. Dabei steht die Beschränktheit von Handlung, Kolorit und Raum in unheilvollem Gegensatz zur Vitalität des Sujets, die die Betrachter:innen physisch anzugehen scheint. Eine virtuos gehandhabte Koloristik – Schwefelgelb, Schwärenrot, Schimmelgrün – zieht aus dem Unlustgefühl einer gleichsam abgewürgten Farbigkeit die negative Macht des Toxischen. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz