Logo

Grünes Mädchen

Ident. Nr.: A IV 232

ObjID: obj:962256

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1915
Weitere Titel
Sammlungstitel: Grünes Mädchen
Übersetzung: The Green Girl
Provenienz
Kurt Schmidt, Karl-Marx-Stadt,
1969
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 85 x 76 cm
Erwerbung
1969 Ankauf von dem Bruder des Künstlers, Kurt Schmidt, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

Objektbeschreibung

Im Mai 1915 wurde Schmidt-Rottluff zum Heeresdienst eingezogen, für lange Zeit war er nur noch eingeschränkt künstlerisch tätig. Während der bedrückenden Kriegsmonate zuvor waren etliche Porträts von Kunsthistorikern und Freunden entstanden, aber auch anonyme Frauenbildnisse. Das „Grüne Mädchen“ in bergiger Landschaft hat die Hände zu den Schultern gehoben, eine Neuaufnahme der Geste aus dem Holzschnitt „Die Sonne“ von 1914 (WVZ Schapire 1924, 152). Sie trägt ein blaues Wickelkleid mit weiß gezacktem Rand, eine Zeichnung von 1915 zeigt nur den Kopf und die Zackenborte (WVZ Grohmann 1956, S. 68). Die Farben der Bildnisse von 1915 sind überraschend gedämpft, die Darstellungen gegenständlicher als zuvor, diese Frauen wirken in sich gekehrt, sie verharren in melancholischem Ernst. Das Interesse des Malers hat sich auf das Gesicht und seinen psychischen Ausdrucksgehalt verschoben. An Gustav Schiefler hatte Schmidt-Rottluff im Dezember 1913 geschrieben: „Köpfe habe ich oft im Verhältnis zu den anderen Körperformen ins Ungeheure gesteigert, als einen Sammelpunkt aller Psyche, allen Ausdrucks. Aber alle anderen Körperformen tendieren in ihren geistigen Bewegungen nach dem Kopfe, sammeln sich darin und so wächst die Form ganz von selbst ins Große“ (Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907–1912, Mainz 1995, S. 147). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz