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Orangenpflücker. Studie zu den Fresken in der Zoologischen Station Neapel

Ident. Nr.: A I 1024/2

ObjID: obj:962380

Details (Expert)

Beteiligte
Hans von Marées (1837 - 1887),
Maler*in
Datierung
1873
Provenienz
Ingenieur Petersen, Neapel,
376975
Ingenieur Storrer, Neapel,
376976
Gabriele Palumbo, Neapel,
376977
Adolf von Hildebrand, München/Florenz,
4.12.1907
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 198 x 98 cm
Erwerbung
1907 Geschenk von Adolf Hildebrand, München

Objektbeschreibung

Nach dreijährigem Aufenthalt in Deutschland kehrte Marées 1873 in das ›klassische Land‹ zurück, in dem er zuvor schon jahrelang gelebt hatte; er sollte es nicht wieder verlassen. Er entfloh dem Wirtschaftsfieber der deutschen Gründerjahre ebenso wie Bismarcks Machtpolitik und dem Trubel der Ausstellungen und Kunstvereine. Zwischen den Kunstbetrieb und sich schaltete er seinen Mäzen Conrad Fiedler. Doch so sehr die Isoliertheit seinem elitären Kunstideal entgegenkam, so wenig verabschiedete er sich von monumentalen, raumgebundenen Bildgattungen, die eine strukturierte Gemeinschaft von Betrachtern voraussetzen, und namentlich vom Fresko, das seit Beginn des Jahrhunderts einen romantischen Bund zwischen Kunst und Volk besiegeln sollte, faktisch aber nur die Kunst an Fürsten band.
Doch wie die Fresken der Casa Bartholdy ging Marées’ erster und einziger Auftrag auf diesem Gebiet von einem Privatmann aus und war nur für eine beschränkte Öffentlichkeit bestimmt. Der junge, darwinistisch motivierte deutsche Zoologe Anton Dohrn hatte bei Neapel eine Station zur Beobachtung der Meeresfauna eingerichtet und darin einen Saal – dem Studium und der abendlichen geistigen Geselligkeit vorbehalten – zum Gesamtkunstwerk aus Fresken und dekorativer Plastik bestimmt. Dazu gehörte auch der Ausblick auf die blaue Bucht, den die Bildkompositionen fortsetzen; es gehörten dazu die in dem Raum aufgestellten Bücher; und ebenso die Musik und die wissenschaftlichen Veranstaltungen. Marées’ Konzept entstand in Gemeinschaft mit dem ihm damals noch eng befreundeten, zehn Jahre jüngeren Bildhauer Adolf Hildebrand, und sehr gegen seine Gewohnheit vollendete er die großen Bilder in wenigen Monaten – mit zu leichter Hand, wie der Geldgeber Conrad Fiedler fand.
Gemeinsam mit dem noch sehr jungen Bildhauer Adolf Hildebrand, seinem Freund (der die dekorativen Einfassungen und plastische Arbeiten übernahm), gestaltete Marées alle vier Wände mit neun Fresken. Das gemeinsame Thema ist, vom Üblichen abweichend, nicht Geschichte, Religion oder Allegorie. Eher schon eine große ›allégorie réelle‹ im Sinne Courbets, in der die Wirklichkeitsdichte durch das Metaphorische nicht gemindert wird. Im Mittelpunkt steht das benachbarte Meer, der Forschungsgegenstand der Stazione Zoologica: Unter dem Freskensaal befindet sich das eigentliche ›Aquarium‹. Die Bilder erkunden nicht das Wasser selbst, sondern schildern die Küste und ihre Bewohner.
Ein über mehrere Wandabschnitte verteiltes Fresko, einem Panorama ähnlich, schildert die Ausfahrt von Fischern; ein anderes, wie ein Fischerboot ins Wasser geschoben wird; ein drittes das abendliche Beieinandersitzen der Gelehrten mit ihren Freunden, den Künstlern, vor einem Wirtshaus; ein weiteres zeigt einen paradiesartigen Orangenhain mit Gärtnern und sitzenden Frauen. Dynamischer Kraftaufwand wechselt mit statischer Ruhe, Schrägen mit Senkrechten, offene Tiefe mit raumschließenden Fronten. Sehr weite Bildräume, der Verzicht auf Erzählendes zugunsten zeitloser Ruhe, die feierliche Strenge und Vereinfachung von Haltungen und Komposition, die Suche nach Größe und Allgemeingültigkeit: All das hebt Sujets, die damals nur der Genremalerei angemessen schienen, auf die Höhe des Idealen.
Jeweils unmittelbar bevor Marées seine Gehilfen ein Stück Wand mit Putz bewerfen ließ, um ›al fresco‹ zu arbeiten – was eine sichere Hand erforderte –, entstanden zur Übung nach dem Modell ›Skizzen‹ in Öl zu Teilen der Komposition, jeweils in der endgültigen Größe: Meist sind es Einzelfiguren, doch die Dynamik der Ruderer konnte nur an der ganzen Vierergruppe eingeübt werden. Die fünf in Berlin erhaltenen Skizzen zeigen eine unterschiedliche Faktur: summarisch und fast monochrom wie der »Grabende Mann«, an dem auch die Reuezüge deutlich zu erkennen sind, oder stark ausgearbeitet und farbig. Dies hat bei Uta Gerlach-Laxner die Vermutung ausgelöst, die »Ruderer« könnten, statt eine vorbereitende Arbeit, eine nachträgliche Variante sein (vgl. U. Gerlach-Laxner, Hans von Marées, München 1980, S. 135). Wie dem auch sei, die strahlende, ungebrochene Farbigkeit dieses Bildes – eine wahre Trikolore! – ruft die Gleichzeitigkeit mit ähnlichen Werken von Manet und Monet ins Bewußtsein, wie auch der Einsatz der Parallelen schon früh den Namen Ferdinand Hodlers auf den Plan rief. Die schlichte Hoheit der »Frau auf der Treppe« in ihrer kubisch gebauten Umgebung muß heute an den frühen Picasso erinnern. Andererseits ist die »Austernfrau« eine Anleihe aus Tizians »Tempelgang Mariä« (1534–1538, Gallerie dell’Accademia, Venedig). Diese Figur fehlt noch im farbigen Gesamtentwurf des Freskos »Pergola«. Ihre Hinzufügung rückt die Sitzende auf ihrem hohen Treppenpfosten in die Mittelachse und räumt die ganze rechte Bildhälfte einer schmucklosen, großflächigen Architektur ein, in der die Alte, ganz in die rechte Bildecke versetzt, die dichtgedrängte Männergruppe der linken Bildhälfte balanciert.
In allen diesen Arbeiten für Neapel ist ein unbefangener Realismus am Werke, den keine klassizistischen Rückgriffe trüben. So suggeriert die Farbe licht- und winderfüllte Luft um die bewegten massigen Körper, obwohl diese die ganze Fläche der Ölskizze füllen – während sie auf dem Fresko klein vor riesigem Himmel und weiter Wasserfläche erscheinen. Andererseits bereiten schon die Teile die entschiedene Konstruktion der Fresken vor: hier den Parallelismus der Schrägen, die sich im Fresko gegen pfahlhafte Senk- und gedehnte Waagerechten stemmen. Marées bestand auf bewußtes, theoretisch begründetes Arbeiten, und zugleich nimmt man in seinen Arbeiten einen Grundklang von verschleierter, träumerischer Entrücktheit wahr, eine labile Balance von Geometrie und Geheimnis. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

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Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Sitzende

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Maillols bekannteste Kleinplastiken stammen aus Editionen, die der Kunsthändler Ambroise Vollard herausgegeben hat. Von 1902 bis 1911 schlossen beide Verträge über mehr als zwanzig Plastiken, dabei wurde dem Kunsthändler das uneingeschränkte Reproduktionsrecht eingeräumt. Das Modell der „Sitzenden“ ist im zweiten Vertrag zwischen Maillol und Vollard vom 20. Dezember 1905 als „Jeune fille assise, tenant son pied aux mains“ („Junges sitzendes Mädchen, seinen Fuß mit den Händen haltend“) aufgeführt (Nachlass Vollard, Privatbesitz). Die Statuette war vermutlich kurz zuvor entstanden. Vollard gab diese Kleinplastik sowohl in Bronze als auch in Terrakotta in unlimitierten Auflagen heraus. Die Nationalgalerie erwarb bei ihm von 1905 bis 1907 sechs Bronzestatuetten, von denen zwei weitere erhalten sind („Kniender weiblicher Akt“, 1900, B I 249 b und „Junges Mädchen, sich die Haare bindend“, um 1900, B I 249); drei weitere jedoch sind seit 1945 verschollen. Im November 1905 bestellte Nationalgalerie-Direktor Tschudi die „Sitzende“, die daraufhin gegossen wurde; sie traf erst im Juni 1906 in Berlin ein (Barbara Paul, Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im deutschen Kaiserreich, Mainz 1993, S. 373). Tschudis Erwerbungen in Paris waren die ersten Ankäufe von Maillol-Plastiken für ein öffentliches Museum. Die Ankaufsgelder stammten aus Mitteln des Generalkonsuls Paul Freiherr von Merling. Als Käufer wird in den Unterlagen der Galerie Vollard jedoch Tschudi genannt (Fonds Vollard, Musée d’Orsay, Paris). Später gelangte auch das ebenfalls von Vollard vertriebene Porträt von Auguste Renoir (B II 66) in die Sammlung. | Ursel Berger

Gänsegeier

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Lautespielendes Mädchen

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Das Motiv der musizierenden Genien in Form zweier Laute beziehungsweise Lyra spielenden Mädchen (B II 87 a, b) entwickelte Hildebrand aus der ursprünglichen Idee einer Orpheus-Darstellung. Verschiedene Skizzen und plastische Entwürfe (Sigrid Esche-Braunfels, Adolf von Hildebrand [1847–1921], Berlin 1993, S. 335–342) zeigen Sänger sowohl mit Laute als auch mit Leier. War das durch den Orpheus-Mythos angerissene Thema der Musik im Zusammenhang mit der Idee einer Brunnenanlage zunächst noch als Relief vorgesehen, so tritt das Motiv mit der Konzeption der beiden musizierenden Mädchen plastisch in den Vordergrund. Der Bildhauer hatte nach dem Wegfall des stark räumlich entwickelten Brunnenbeckens offensichtlich nach einem plastischen Ausgleich gesucht und die beiden wandgebunden konzipierten Gestalten vollplastisch ausgeformt. Beide Musikerinnen sind in einem komplizierten Spiel gegenläufiger Achsen aufeinander bezogen; sie bekrönten einst den treppenartigen Aufbau einer von Pilastern bestandenen Wandnische. Die Ausführung der Marmorarbeiten für das Denkmal, das Joseph Joachim gewidmet ist (vgl. B II 87 c, d), war dem Bildhauer Rothenburger übertragen worden, doch befriedigte diese nicht vollständig. Augenscheinlich sind die Figuren nicht mit der gleichen subtilen Oberflächenqualität gehauen wie eigenhändig von Hildebrand ausgeführte Werke. Jener war sich dieser Abweichung im arbeitsteiligen Werkprozess durchaus bewusst, unterschied er doch das Original als „Ergebnis eines gestaltenden Prozesses, einer schaffenden Phantasie“ von der „Kopie“ als „das Resultat einer Nachahmungsfähigkeit“ (Adolf von Hildebrand an Alfred Hildebrand-Koppel, Dezember 1891, zit. nach Bernhard Sattler [Hrsg.], Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 373). Die Originalgipse beider Figuren befinden sich zusammen mit dem umfangreichen Ateliernachlass in der Neuen Pinakothek in München. | Yvette Deseyve

Rebekka und Elieser am Brunnen

Rebekka und Elieser am Brunnen

»Im Cimelienschrein der Romantik« habe dieses Gemälde von Johann Anton Ramboux seinen Platz, schrieb Alfred Neumeyer in der »Zeitschrift für Bildende Kunst« anläßlich der Erwerbung des Bildes 1931 durch die Nationalgalerie (65. Jg., 1931/32, H. 1, S. 217). Vermutlich schon zu Lebzeiten von Ramboux gelangte das Werk in den Besitz des Trierer Bankiers Christoph Nell und verblieb über hundert Jahre unbekannt in dessen Sammlung. Unter den wenigen erhaltenen Ölgemälden gilt die mit lichthellen Lasurfarben gemalte kleine Holztafel als ein Hauptwerk des Künstlers. Als Schüler Jacques-Louis Davids war Ramboux zunächst vom französischen Klassizismus beeinflußt. Während seines Romaufenthaltes von Frühjahr 1816 bis 1822 schloß er sich dem Kreis der Nazarener an und teilte seither ihre Kunstauffassung. Dargestellt ist die Gegend des Tibertals oberhalb Roms, ein von zeitgenössischen Künstlern häufig gewähltes Motiv. In dieser Landschaft, an der Quelle Acqua Acetosa, siedelte Ramboux eine biblische Szene an: Elieser, der Knecht Abrahams, begegnet während der Brautsuche für dessen Sohn Isaak Rebekka am Brunnen (1. Mose, 24). Rebekka reicht Elieser einen Wasserkrug. Rechts nähert sich seine Karawane mit Kamelen und Hunden. Im Hintergrund schimmert zart, fast entmaterialisiert, in ungewöhnlich hellen Tönen die Tiberlandschaft mit den Sabiner Bergen am Horizont. Die streng geordnete, nahezu archaisch anmutende Komposition erinnert an den Freskostil von Renaissancemeistern wie Ambrogio Lorenzetti oder Francesco Traini. »Ganz bezaubernd ist die goldschmiedhaft saubere Zeichnung und Malerei, die äußerst zarte Stufung der bräunlichen und violetten Töne, und darin vorn die feinen Gestalten wie aus lauter Edelsteinen. Immer neue Kostbarkeiten der Farbe entdecken wir. Demütige Hingabe ergreift uns in diesem Wunderbild. Es ist ein holder Traum von Rom, von frommen Menschen und von alter heiliger Kunst« (L. Justi, Von Runge bis Thoma, Berlin 1932, S. 77). | Birgit Verwiebe