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Selbstbildnis

Ident. Nr.: NG 62/81

ObjID: obj:962407

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1944
Weitere Titel
Sammlungstitel: Selbstbildnis
Übersetzung: Self Portrait
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Ton
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 28 x 13,7 x 15 cm (ohne Sockel)
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Noch während des Krieges, im Sommer 1944, schuf Sintenis ihr letztes Selbstporträt. Ebenso wie das Bildnis von 1933 (NG 64/81) ist es ein Fragment. Die Haarpartie hat die Künstlerin ausgespart, was die markanten, gealterten Gesichtszüge akzentuiert. Zwischen der Maske von 1944 und jener von 1933 liegen elf Jahre, in denen die Bildhauerin erhebliche seelische und physische Erschütterungen durchlebt hatte. Die brutale Wirklichkeit der (kultur-)politischen Gegenwart im Nationalsozialismus – mit der Verfolgung von Freunden, Berufsverboten, Ängsten und zerstörten Hoffnungen, den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, dem Tod ihres Mannes, Emil Rudolf Weiß, 1942 wie der Vernichtung von Teilen ihres künstlerischen Werkes durch die Zerstörung ihres Ateliers und ihrer Wohnung bei einem Bombenangriff – hatte sie nachhaltig erschüttert. Ihre Maske von 1944 ist sicher das psychologisch stärkste Selbstporträt der Künstlerin. Gleichzeitig spiegelt sich in ihm exemplarisch die Stimmung einer ganzen Generation, wie es der Kritiker Karl Ludwig Skutsch beschrieben hat: „Es ist die Sprache des Menschen, des wissenden Menschen jener vor 1900 geborenen Generation, der mit Sensibilität und Erkenntnis in den Wandlungen, Stürzen und grundsätzlichen Veränderungen einer schicksalhaften, völligen Welt- und Kunstwandlung steht. Ein Antlitz, stellvertreterisch für die Situation des Geistes in Jahrzehnten der Bedrohung, der Umwertung, der Abwertung von allem, was humanitär, was humanistisch gesichert schien; ein Antlitz der Strenge gegen sich selbst, der Stille der Trauer“ (zit. nach Britta Buhlmann, Renée Sintenis, Darmstadt 1987, S. 25). | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz