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Menü 3 (Tafel 11)

Ident. Nr.: A IV 591

ObjID: obj:962422

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hartwig Ebersbach (1940 ),
Künstler*in
Datierung
1987
Weitere Titel
Sammlungstitel: Menü 3 (Tafel 11)
Übersetzung: Set Menu 3 (Panel 11)
Provenienz
im Besitz des Künstlers / Kunstgalerie Vogtland, Plauen,
1987–1988
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 81 x 122 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler über die Kunstgalerie Vogtland Plauen und den Staatlichen Kunsthandel der DDR

Objektbeschreibung

Kurze Zeit nach Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig beteiligte sich Ebersbach 1965 an der kontrovers diskutierten „7. Kunstausstellung des Bezirks Leipzig“. Ihn traf die besonders vernichtende Kritik von offizieller Seite, sein Werk bezeuge unter anderem einen „extremen Individualismus“ und den „reinen Selbstausdruck der isolierten Persönlichkeit“ (Peter Guth, Ebersbach, Hartwig, in: Artists of the World, Berlin u.a. 2023, https://aow.degruyter.com/artist/_10200183). Damit war er für den kollektivistisch ausgerichteten Kunstbetrieb der DDR dequalifiziert. Dennoch kultivierte er eine psychologisch determinierte, farbkräftige Malerei, der sich die Gestik des Künstlers impulsiv einschrieb. In den 1970er-Jahren hielt Ebersbachs Alter Ego „Kaspar“ – Identifikations- und Projektionsfigur zugleich – Einzug in sein Schaffen. In unzähligen Einzelwerken, Werkfolgen und teils raumgreifenden Ensembles verlieh er ihm immer wieder neue Erscheinungsformen. In dem querformatigen Gemälde „Menü 3 (Tafel 11)“ treten die groß ins Bild gesetzten Köpfe zweier Kasperpuppen schemenhaft aus einem weiß-gräulichen Farbraum hervor. Kindheitserinnerungen an solche aus Holz geschnitzten Handpuppen liegen Ebersbachs Kaspar-Figur zugrunde. Durch den wuchtigen Pinselstrich ihrer malerischen Ausführung und das betont schräge Grinsen erhalten sie einen spitzbübisch-listigen Ausdruck. Damit verweist Ebersbach auf den Ursprung des Kaspers als Gegenfigur des rechtschaffenen Bürgers. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz