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Ecce Homo

Ident. Nr.: A IV 32

ObjID: obj:962454

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Bruse (1904 - 1953),
Künstler*in
Datierung
1948
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1948–1953
Leihe: Galerie des 20. Jahrhunderts (Ost),
1949–1953
Nachlass/Vermächtnis: Marianne Bruse, Berlin (Ost),
1953–1964
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 70 x 53 cm
Erwerbung
1964 Ankauf von Marianne Bruse, der Witwe des Künstlers, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges malte Bruse ein Bild mit deutlichem Bezug zu den Verbrechen des NS-Regimes. Ein bis aufs Skelett abgemagerter Mensch liegt nackt auf dem Boden, mehr tot als lebendig, die Augen fast geschlossen, die Haut totenblass und stellenweise blutrot, wie an den Beinen. Der Dargestellte erinnert an die Häftlinge der Konzentrationslager. Mit dem Oberkörper lehnt er am Stacheldrahtzaun, der sich wie eine Dornenkrone um seinen Kopf zu legen scheint. Auf das biblische Motiv weist bereits der lateinische Titel („Siehe, der Mensch“) hin. Im Neuen Testament spricht Pontius Pilatus diese Worte, als die Soldaten Jesus die Dornenkrone aufgesetzt haben und er ihn den Hohepriestern zur Kreuzigung übergibt (Joh 19,2–6). In der Verwendung der christlichen Symbolik interpretiert Bruse die Grausamkeit der NS-Verbrechen in ihrer übergeordneten Bedeutung für die gesamte Menschheit. Bruse selbst wurde während der NS-Diktatur inhaftiert und wird die desolate Situation in den Lagern und Gefängnissen aus eigener Anschauung gekannt haben. Seine Erfahrung als politisch Verfolgter wurde in der DDR, wo er lebte, durchaus gewürdigt, die Rezeption von „Ecce homo“ war jedoch kontrovers. Einerseits wurde es um 1950 als rückwärtsgewandt kritisiert und Bruse sah sich gezwungen, sich davon zu distanzieren (Formalismus – Feind der Kunst!, in: Bildende Kunst, 1. Jg. [1953], H. 2, S. 58–62); andererseits wurde es als gutes Beispiel antifaschistischer Kunst gelobt. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz