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Der Maibaum

Ident. Nr.: A I 785

ObjID: obj:962481

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Francisco José de Goya y Lucientes (1746 - 1828),
Maler*in
Datierung
um 1808/1812
Systematik/Art
Provenienz
Fürst Alois Wenzel von Kaunitz, Wien,
376617
Domenico Artaria, Kunsthändler, Wien,
1820 - mindestens 1828
Marqués de Casa Torres, Spanien,
1900
Friedrich Krupp, Essen,
3.9.1903
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 82,7 x 103,5 cm
Erwerbung
1903 Geschenk von Friedrich Alfred Krupp, Essen

Objektbeschreibung

»Es ist ein seltsamer Mai«, schrieb tief berührt Rainer Maria Rilke, »schwer, wolkig, und seine beweglichen Wolkenmassen auf Zinnober gemalt. Die Brücke mit dem unheimlich verschluckten Kreuz, und auf der Anhöhe dieses unvergeßliche weiße Haus, beschienen und vom Schein ergriffen und wieder losgelassen ins Grau hinein: alles in allem ein Hintergrund, vor dem sich eine Kreuzaufrichtung abspielt, obwohl nur ein Maibaum da ist. Und vorne Gestalten und Maultiere. Und in einer Entfernung, halb vom Land verdeckt, nochmal, ziehend: Gestalten und Maultiere. Daumier muß dies Bild gekannt haben« (Rainer Maria Rilke an Clara Rilke, 5.7.1905, in: Briefe, Bd. 1, Wiesbaden 1950, S. 109).
Doch seit längerer Zeit wird das überlieferte Œuvre Goyas nach strengeren Maßstäben gesichtet, um das ganz Eigenhändige von dem Anteil der Ateliergehilfen, der Kopisten und der Nachahmer zu trennen. Wie andere berühmte Bilder wird der »Maibaum«, einst ungeachtet seines bereits vor 1900 breit übermalten Himmels als »sein [Goyas] Meisterwerk«, als »ein Meisterstück der impressionistischen Malerei« gefeiert (Hans Rosenhagen: Neuerwerbungen der Königl. Nationalgalerie zu Berlin, in: Die Kunst für Alle, 19. Jg., 1903/1904, S. 148), heute mit Skepsis betrachtet. Erschwert wird die Meinungsfindung durch die Existenz von mindestens zwei, vielleicht drei Fassungen, von denen eine (Privatbesitz) nachweislich zu den Bildern gehörte, die bei einer vorsorglichen Vermögensteilung des Malers 1812 berücksichtigt wurden. Indes ist dieses Werk seit Jahrzehnten dem Vergleich entzogen. Wie mittelbar sich Goyas Bildvision im Berliner »Maibaum« auch manifestieren mag, sie ist charakteristisch für die Verdüsterung seiner Malerei nach 1800. Den Landschaften fehlen die vertrauten gliedernden Versatzstücke. Jede erscheint als ein Ort des Unheimlichen und möglicher Gewalt. Auch hier: Ein summarisch hingestrichener und -gespachtelter Berg, ein abweisendes Gebäude, von einem gewittrigen Schein der Dunkelheit entrissen, eine Brücke, darauf ein Kruzifix, Symbol der im Spanien des Bürgerkrieges beängstigend allgegenwärtigen Kirche – das alles ist eher symbolischer Hintergrund als Lebensraum für die unruhige Menschenmenge, die sich auf der Wiese niedergelassen hat. Der einzelne ist darin zum Farbfleck reduziert. Das folkloristische Maibaum-Motiv kam schon, jedoch als Kurzweil einer unbeschwerten Oberschicht interpretiert, auf einem von Goyas rokokohaften Gobelin-Entwürfen (1787, Museo Nacional del Prado, Madrid) vor. Nur ein Vierteljahrhundert später scheint diese Welt schon unendlich fern. | Claude Keisch

Letzte Aktualisierung: 21.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Porträt Johann Georg Sulzer

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Im Etappenquartier vor Paris

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Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

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Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg