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Die Skatspieler

Ident. Nr.: FNG 74/95

ObjID: obj:962482

1995 erworben durch die Freunde der Nationalgalerie und das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Dix (1891 - 1969),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Skatspieler
Übersetzung: The Skat Players
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1959
Kauf: süddeutscher Privatbesitz,
1959–1995
Abmessungen
Höhe x Breite: 110 x 87 cm
Erwerbung
1995 Ankauf aus süddeutschem Privatbesitz vom Verein der Freunde der Nationalgalerie und dem Land Berlin für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Im Herbst 1920 fand in der Dresdner Galerie Arnold die dritte Ausstellung der Dresdner Sezession Gruppe 1919 statt. Dix zeigte dort drei Gemälde – darunter „Die Skatspieler“ –, in denen die inzwischen vollzogene Hinwendung des Künstlers zu Dada und zur Wirklichkeit deutlich wurde. Kurz zuvor hatte er bereits auf Einladung von George Grosz und John Heartfield an der „Ersten Internationalen Dada-Messe“ in Berlin teilgenommen. Auslöser für „Die Skatspieler“ (das auch den alternativen, aus heutiger Perspektive abschätzigen Titel „Kartenspielende Krüppel“ trägt) war eine Szene, die Dix in einem Dresdner Kaffeehaus gesehen hatte: In einem Hinterzimmer spielten drei Kriegsversehrte unter Zuhilfenahme ihrer Prothesen Skat. Das daraufhin geschaffene Bild wird geprägt durch Collageelemente wie Spielkarten, Notgeld und Tageszeitungen. Die künstlerische Technik korrespondiert mit den gleichfalls aus künstlichen Ersatzteilen zusammengesetzten Körpern der Invaliden. Bei seiner ersten Präsentation in Dresden wurde das Gemälde als anstößig, zynisch und nihilistisch empfunden. In der Zeit des Nationalsozialismus dann galten die Dada-Bilder von Dix, zu denen noch weitere Darstellungen mit Kriegsversehrten gehören, als „wehrzersetzend“ und „entartet“. Umseitig hat der Künstler die Leinwand mit „Skatklub ehemaliger 342er“ beschrieben. Damit bezog er sich auf ein Regiment, das während des Krieges aufgestellt gewesen war. Dix selbst hatte den Ersten Weltkrieg ohne körperliche Schäden überstanden. Spurlos sind die erlebten Grausamkeiten jedoch nicht an ihm vorübergegangen: Bis ins hohe Alter wurde er von Albträumen aus dieser Zeit heimgesucht. | Sven Beckstette

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz