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Der Fliederstrauß

Ident. Nr.: A II 379

ObjID: obj:962534

Details (Expert)

Beteiligte
Edouard Manet (1832 - 1883),
Maler*in
Datierung
um 1882
Provenienz
Kauf: Carl und Félicie Bernstein,
1882–30.9.1894
Nachlass/Vermächtnis: Félicie Bernstein, Berlin,
30.9.1894–11.6.1908
Nachlaß Félicie Bernstein, Berlin,
11.6.1908–8.5.1909
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 54 x 42 cm
Erwerbung
1909 Vermächtnis der Félicie Bernstein, Berlin

Objektbeschreibung

Der »Fliederstrauß« gehörte zu der kleinen vorzüglichen Sammlung von Bildern der französischen Impressionisten, mit denen ab 1882 das Ehepaar Carl und Felicie Bernstein in Berlin seine Gäste verwunderte. Während Adolph Menzel abwehrend blieb, entwickelten Hugo von Tschudi und Max Liebermann hier ihr Verständnis für diese Malerei. Den von Tschudi viel bewunderten Fliederstrauß vermachte Felicie Bernstein bei ihrem Tode der Nationalgalerie. In seinem Aufsatz über die Sammlung Bernstein schrieb Tschudi über dieses besondere Spätwerk Manets: »Seine Krankheit hatte ihn schon an das Haus gefesselt. Die ganze Pracht seiner in der Sonne leuchtend gewordenen Palette breitete er über diese kleinen Wunderwerke, Tulpen und Rosen in einem Glas, Päonien in einer bunten Emailvase und wieder in einem Glas ein Strauß weißen Flieders. Der Geschmack der Anordnung, die koloristische Kraft, diese suggestive Technik, die mit dem geringsten Aufwand die Erscheinung erschöpfend gibt, ist reifster Manet« (H. von Tschudi, Gesammelte Schriften zur neueren Kunst, München 1912, S. 234).
Manet malte in seinem letzten Jahr vorzugsweise Motive, die auch als Symbole der Vergänglichkeit gelesen werden können: Früchte und Blumen, die nach kurzer Pracht rasch vergehen. Nicht nur die Freundin Méry Laurent ließ ihm täglich Blumen bringen. Er stellte diese meist vor neutralem Grund dar, vollkommen auf ihre fragile Schönheit konzentriert. Am 28. Februar 1883 malte Manet noch einmal Flieder in einer Glasvase, am 1. März einen bunten Strauß, es waren seine letzten Bilder. Am 30. April 1883 starb Manet nach langer Krankheit. Diese späten Bilder waren bereits zu Manets Lebzeiten begehrt und hoch bezahlt. Einige der nur auf den ersten Blick schlichten, auf den malerischen Ausdruck hin konzentrierten Stilleben und Blumenstücke besaß auch Liebermann, der sie wie Tschudi ganz besonders schätzte. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 19.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Passionskreuz

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In Vorbereitung des Auftrags für die Ausmalung der Wallfahrtskirche Sankt Apollinaris in Remagen, die durch die Vermittlung des Lehrers an der Düsseldorfer Akademie, Wilhelm Schadow, zustande gekommen war, reisten Andreas Müller und der befreundete Ernst Deger im Herbst 1837 nach Italien. Müller, der Sohn einer rheinischen Malerfamilie, blieb dort, von einer Unterbrechung im Sommer 1840 abgesehen, bis 1842. Bereits während seines Studiums hatte sich der tiefgläubige Maler auf das religiöse Fach spezialisiert und in Düsseldorf bald eng mit den dortigen Jesuiten verkehrt. Es nimmt nicht wunder, daß er in Rom schnell Anschluß an den Kreis der Nazarener um Friedrich Overbeck fand, mit dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Sicher auch unter Overbecks Anregung und Anleitung schulte Müller im Kopieren von Bildern und Fresken sein Auge, skizzierte die Landschaft der Campagna und unternahm zahlreiche Ausflüge nach Subiaco, Assisi, Perugia oder Siena. Spätestens dort wird Müller Beispiele der sogenannten ›Croce dipinta‹ gesehen haben, jener gemalten Kruzifixe, deren Tradition bis weit in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Wieder in Deutschland blieb Müller der religiös-nazarenischen Malerei treu und schuf noch in der Zeit als Professor und Konservator der graphischen Bestände der Düsseldorfer Kunstakademie mehrere Tafelbilder für Kirchen. Zudem begann Müller am 22. Juni 1858 im Auftrag des Düsseldorfer Kunsthändlers Budeus die Arbeiten an vorliegendem großen Passionskreuz. Das plastische, fein ausgearbeitete, vergoldete Kruzifix mit neugotischem Maßwerk und darin eingefaßten, auf Pergament gemalten Darstellungen aus der Passion Christi zählt zu Müllers Hauptwerken. Es wird im Sammlungskatalog der Nationalgalerie von 1888 ausführlich beschrieben: »Den oberen Abschluß dieses Kreuzes bildet eine gothische Kreuzblume, mit dem Pelikan, welcher seine Jungen mit dem eigenen Blute nährt (Sinnbild für den Opfertod Christi); am Querbalken die Inschrift: ›Christus crucifixus et mortuum pro nobis‹. In den Füllungen der kleeblattförmigen Abschlüsse der Kreuzarme ist auf Goldgrund dargestellt: links Christus am Ölberge vor dem Kreuze knieend, mit der Umschrift: ›Christus sanguinem sudans pro nobis‹; oben: der gegeißelte Christus, mit der Umschrift: ›Christus flagellatus pro nobis‹; rechts: Christus mit der Dornenkrone, mit der Umschrift: ›Christus spinis coronatus pro nobis‹; unten: Christus das Kreuz tragend, mit der Umschrift: ›Christus crucem portans pro nobis‹« (Katalog der Königlichen National-Galerie, Berlin 1888, Kat.-Nr. 509). »Jedes der Gemälde Müller’s«, resümierte der Biograph Franz Kaufmann 1895, »bietet einen Schatz katholischer, inniger Empfindung, die er mit mittelalterlicher Reinheit, aber doch zugleich mit der Frische einer jüngeren Zeit in Anmuth und süße Keuschheit kleidet« (F. Kaufmann, Andreas Müller, in: Frankfurter zeitgemäße Broschüren, Bd. 16, 1895, H. 12, S. 399).Eine Wiederholung in kleinerem Format entstand als Reliquiar für den Fürsten Karl Heinrich Ernst Franz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834–1921). Eine Kreidezeichnung zum Bild (111 × 83 cm) befindet sich seit 1861 im Museum der bildenden Künste Leipzig. Darüber hinaus ließ Budeus das vollendete ›Croce dipinta‹ als Stich reproduzieren und beteiligte Müller mit zehn Prozent am Verkauf (vgl. den Brief des Bruders Karl Müller an die Nationalgalerie vom 13.2.1883, SMB-ZA, I/NG 1811). Ein weiterer Kupferstich von 1888 stammt von Joseph Kohlschein. 1884 erwarb die Nationalgalerie das ursprünglich von Budeus bestellte »Passionskreuz« von dem Kölner Kaufmann J. M. Heimann. | Regina Freyberger