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Kopf der Gelähmten

Ident. Nr.: B III 313

ObjID: obj:962702

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wieland Förster (1930 ),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1964/1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf der Gelähmten
Übersetzung: Head of a Paralytic
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 21,5 x 18,5 x 23 cm
Erwerbung
1990 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Die „Gelähmte“ war Försters Nachbarin. Der Kopf ist fast geometrisch dargestellt: Kinn, Kiefer- und Wangenknochen sind abgerundet, Kopf und Nacken ruhen direkt auf dem Untergrund. Rückblickend beschrieb Förster, was ihn an dieser Frau interessierte: „Es gibt ein natürliches, stilles Heldentum, das täglich von Abertausenden geleistet wird. Nehmen Sie die ‚Gelähmte‘, deren Bildnis ich machte, für sie war das Heizen ihres Ofens schwieriger, gefahrvoller als die Leistungen vieler bestaunter ‚Helden‘. Und das ist es, was mich besonders interessiert.“ (Förster im Gespräch mit Achim Roscher, in: Neue deutsche Literatur, Jg. 33, H. 6 [1985], S. 41) Doch die unrealistische Kopfform stieß in der DDR zur Zeit der Entstehung auf Ablehnung. Die Plastik wurde zum Jahresende 1990 von der Nationalgalerie (Ost) gekauft (die Wiedervereinigung der Staatlichen Museen zu Berlin erfolgte erst zum 1.1.1992). Der Künstler schrieb an die Institution: „Ich gestehe Ihnen ganz freimütig, daß ich in früheren Jahren schwerlich an so viele Nähe und Vertrauen zu meiner Arbeit durch Sie und Ihre Kollegen geglaubt hätte. Nehmen Sie das nicht als Undankbarkeit, sondern als ein Staunen, daß Sie so mutig für uns einstehen, es wäre doch wirklich leichter für Sie, uns fahren zu lassen und, wie soll ich sagen, uns einfach dem Gang der Geschichte zu übergeben. Vor der werden wir sowieso bestehen müssen.“ (Brief vom 7.12.1990, SMB-ZA, II A/NG 287). | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Der gebürtige Brite Hayter war nach einem Studium der Chemie und Geologie 1926 nach Paris gegangen, um an der Académie Julian Kunst zu studieren. Er wandte sich nun vor allem der Druckgrafik zu. Bereits 1927 führte er ein privates Atelier für experimentelle Grafik, das ab 1931 als „Atelier 17“ bekannt wurde. Es war bald ein kreativer Ort der Lehre und des Gedankenaustauschs für Künstler wie Yves Tanguy, André Masson, Joan Miró, Wassily Kandinsky, Roberto Matta und Hans Arp. Anfang der 1930er-Jahre löste sich Hayter von seinen figurativen Anfängen und baute mehr und mehr abstrakte, organische Formen in seine Grafiken ein, die seine Nähe zu den Surrealisten bezeugen. Zu den frühesten Arbeiten, die diesen Wechsel dokumentieren, gehört die sechsteilige Radierserie „Apokalypse“. Die auf den ersten Blättern noch dominanten figurativen Elemente – ein Mann, dessen Herz offen in seiner Brust schlägt; eine Gruppe von Pferden oder ein brennendes Haus, das von tiefen Rissen umgeben ist – werden von amorphen Linien- und Flächengebilden überlagert, die in den letzten drei Blättern überhandnehmen und den apokalyptischen Prozess der Auflösung unterstreichen. Erst als die Veröffentlichung der Radierungen, begleitet von Versen des surrealistischen Dichters Georges Hugnet, in der Pariser Édition Jeanne Bucher 1932 bevorstand, wurde deren Reihenfolge festgelegt. Seine künstlerische Expertise nahm Hayter 1940 mit nach New York, wo er ein neues Atelier eröffnete, das bald zum Anlaufpunkt von Künstlern wie William Baziotes, Robert Motherwell, Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und Adolph Gottlieb wurde. | Maike Steinkamp