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Sonja

Ident. Nr.: FNG 80/97

ObjID: obj:962720

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie aus Mitteln der Stiftung von Ingeborg und Günter Milich
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Christian Schad (1894 - 1982),
Künstler*in
Datierung
1928
Provenienz
Galerie Brockstedt, Hamburg,
spätestens 1995 - 1997
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 60 cm
Erwerbung
1997 Ankauf von der Galerie Brockstedt, Hamburg, durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie aus Mitteln der Stiftung Ingeborg und Günter Milich, Berlin

Objektbeschreibung

Das Bildnis der „Sonja“ genannten jungen Frau, die Schad 1928 in der Kulisse eines Berliner Kaffeehauses malte, gilt nicht nur als eines der Hauptwerke des Künstlers, sondern auch als Ikone der Neuen Sachlichkeit sowie als prototypische Darstellung selbstbewusst-emanzipierter Frauen in der Weimarer Republik. Der Maler hatte sieben Jahre in Italien gelebt, sich dort Raffael (1483–1520) zum Vorbild erkoren und gleichzeitig aktuelle Anregungen der Novecento-Gruppe aufgenommen. Im April 1928 bezog er ein Atelier in der Berliner Hardenbergstraße. Dort porträtierte er die kühl-distanziert und leicht melancholisch blickende „Sonja“. Mit modisch kurz geschnittenem Haar, Zigarettenspitze zwischen den Fingern, Camel-Zigarettenpackung, Puderdose und Lippenstift auf dem Tisch demonstriert sie ihre Unabhängigkeit. Über einem Unterkleid aus Seidenkrepp trägt sie ein Chiffonkleid nach Art des „kleinen Schwarzen“ von Coco Chanel. Die partielle Transparenz des Stoffs, das über ihr Knie hinaufgerutschte Kleid, die sich auffächernde Seidenkamelie auf der Schulter sowie die phallisch anmutende Flasche im Sektkübel verleihen dem Bild ein erotisches Flair, das jedoch durch die sich abgrenzende Körperhaltung und den ernsten Gesichtsausdruck konterkariert wird. Angeschnitten im Hintergrund sind rechts ein Pianist und links der Schriftsteller Max Herrmann-Neiße (1886–1941) zu sehen. Der Schauplatz ist demnach ein Literaten- und Künstlercafé, in dem die Dargestellte ihre Individualität behaupten kann. „Sonja“ hieß mit bürgerlichem Namen Albertine Gimpel (1896–1973), war zum Zeitpunkt des Porträts 32 Jahre alt und als Korrespondentin beschäftigt. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz