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Paolo Veronese beim Prior von San Giorgio Maggiore in Venedig

Ident. Nr.: W.S. 260

ObjID: obj:962757

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Gottfried Wichmann (1828 - 1858),
Maler*in
Datierung
1856
Provenienz
Kauf: Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, Berlin,
1856–18.1.1861
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 98 x 137,5 cm
Erwerbung
1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Der 1828 in Berlin geborene Otto Gottfried Wichmann wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Sein Vater war der bekannte und erfolgreiche Bildhauer Ludwig Wilhelm Wichmann. Der Sohn hatte sich für die Malerei entschieden und brach 1851 nach Paris auf, um sich dort im Atelier des Historienmalers und Kupferstechers Joseph-Nicolas Robert-Fleury ausbilden zu lassen. Mit Aktstudien in der Manier Paul Delaroches und mit seiner Teilnahme an den Pariser Salons 1852 und 1853 machte er auf sich aufmerksam. Unter anderem war sein Gemälde Katharina von Medici beim Giftmischer, das 1876 aus dem Nachlass in die Nationalgalerie kam, 1853 im Pariser Salon ausgestellt (Explication des ouvrages de peinture et dessins, sculpture, architecture et gravure, des artistes vivants, exposés aux menus-plaisirs le 15 mai 1853, Ausst.-Kat. Paris 1853, S. 203, Nr. 1192). Im Frühjahr 1853 reiste Wichmann nach Rom, wo er sich die meiste Zeit bis zu seinem frühen Tod 1858 aufhielt. 1856 sandte Wichmann sein Gemälde Giorgione und seine Geliebte Virginia auf die Berliner Akademieausstellung, das Beachtung fand (Katalog zur Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste, Berlin 1856, Kat. 959). Im gleichen Jahr vollendete er in Rom seine Komposition Paolo Veronese beim Prior von San Giorgio Maggiore in Venedig, die der Bankier Wagener für seine Sammlung zum Preis vom 575 Talern erwarb (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J.H.W. Wagener, Berlin 1850, Kat. 257, SMB-ZA, IV/NL Wagener). Im Juli 1857 hielt sich Wichmann offensichtlich mit dem Werk in Berlin auf, denn er schrieb von dort an Wagener, kurz vor seiner Rückreise nach Rom, daß er ihm nun das bestellte Bild senden werde und hoffe, es werde seinen Platz in Wageners Galerie behaupten. Zum Sujet erläuterte er, dass sich das in seinem Bild eine Rolle spielende Gemälde von Veronese, Die Hochzeit zu Kana in Paris befindet (1563, Öl auf Leinwand, 666 x 990, Louvre) (O.G. Wichmann an J.H.W. Wagener, Brief vom 11.07.1857, SMB-ZA IV/NL Wagener 1247).
    Wichmann hatte während seines Paris-Aufenthaltes das berühmte monumentale, fast zehn Meter breite Renaissance-Gemälde im Louvre eingehend studiert und mehrfach in Skizzen festgehalten. Ursprünglich befand sich Veroneses Werk im Kloster San Giorgio Maggiore in Venedig und zierte dort die Rückwand des Refektoriums. Napoleon raubte das Bild und brachte es 1797 nach Paris.
     In Wichmanns Darstellung ist Paolo Veronese zu sehen, der dem Prior des Klosters S. Giorgio Maggiore und zwei Mönchen die Farbskizze für das geplante Gemälde Die Hochzeit zu Kana vorstellt. Während der Künstler sich lässig auf die Lehne des Stuhles mit der Skizze stützt, wirken die drei Betrachter grüblerisch misstrauisch. Möglicherweise war Wichmann bekannt, dass sich Veronese zehn Jahre nach der Hochzeit zu Kana wegen seines monumentalen Gemäldes Das Gastmahl im Hause des Levi für Santi Giovanni e Paolo (1573, Öl auf Leinwand, 560 x 1306 cm, Gallerie dell’Accademia di belle arti, Venedig) auf Grund der phantasiereichen und unkonventionellen Komposition einer inquisitorischen Befragung stellen musste. Mit seiner Komposition ergriff Wichmann Partei für das schöpferische Genie. Das Werk erscheint wie ein Kommentar zum Verhältnis zwischen dem nach freier Entfaltung strebenden Künstler und der politischen Macht. 1860, zwei Jahre nach dem Tod des nur 30 Jahre alt gewordenen Wichmann, präsentierte Wagener dessen Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung (Katalog zur Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste, Berlin 1860, Kat. 1066). Im 1858 erschienenen Nachruf wurde Otto Wichmann, als „ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigter Künstler, der schon recht Tüchtiges leistete“ gewürdigt. (Dioskuren, 3. Jg., Nr. 32, Berlin 1858, S. 70). | Birgit Verwiebe


Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Alte Nationalgalerie

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Spaziergänger (Der Überfall)

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Die unterschiedlichen Titel des Werkes erschließen mehrere Ebenen seiner Interpretation. »Die rote Mauer«, so der junge Klinger in der Widmung einer Fotografie des Bildes an seine Eltern vom 22. Oktober 1878 (Stadtarchiv Naumburg, Klinger Nachlaß) – ist eine für jene Zeit bezeichnende ›rein malerische‹ und deutet auf den gewagten, harten Dreiklang von Rot, Grün und Blau. Die Träger dieser Farben – Mauer, Gras, Himmel – zeigen sich alle gleichermaßen einförmig, ereignislos; das Licht modelliert nicht, der Farbauftrag bleibt plakathaft flach, die monotone Geometrie der Fugen auf der brandneuen Ziegelmauer wird nicht pittoresk verbrämt. Dies alles ist einer Szenerie sehr gemäß, aus der alles ausgestülpt scheint, was sonst ›Landschaft‹ oder ›Natur‹ ausmacht. Sie sind durch die baumlose Öde städtischer Peripherie ersetzt: Einstiges Bauernland wurde der Bauspekulation der Gründerjahre preisgegeben, die indes vorerst nur vermocht hat, es zu verunstalten. Diese Einsamkeit ist trotz der Tageshelle und Sonnenglut unheimlich. Der ursprüngliche Bildtitel »Spaziergänger« (so präsentiert auf der 52. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste, Ausst.-Kat., Berlin 1878, Kat.-Nr. 399) ist zweifellos als Plural gemeint und somit ironisch. Ein weiterer Titel, »Der Überfall«, macht darauf aufmerksam, daß der junge Mann – in einem frühen Zustand des Bildes von einer Frau begleitet – von Ganoven mit Stöcken bedroht wird weil auch er der Unterwelt angehört, hat er den Revolver gezogen (eine damals ganz neue, amerikanische Erfindung). Der Vorgang könnte einem Zeitungsbericht oder einem Kolportageroman entnommen sein, und er ist vorbehaltlos gegenwärtig, ohne alle romantische Tragik; nicht einmal in Architekturformen oder stilisierten Gebärden deutet Klinger eine historische Dimension an. Das eigentliche Thema des Bildes ist jedoch, worauf eine alte französische Titelfassung »Cerné« (»Umzingelt«; G. de Chirico, Max Klinger, in: Il Convegno, Mailand, 10.11.1920, S. 32–44, abgedruckt in: Max Klinger, Wege zum Gesamtkunstwerk, Ausst.-Kat., Hildesheim 1984, S. 141) hindeutet: die Bedrohung, die akute Angst. Diese wird anschaulich in der räumlichen Spannung zwischen den wie regungslosen Gestalten, die sich der Gruppierung versagen. Sie scheinen zur Vereinzelung verurteilt. Das auffallend überstreckte Bildformat erlaubt große Abstände, die durch die langen Schlagschatten unterstrichen werden und die der Blick nicht ohne Sprünge überwindet. Die Leere wird zum Ausdrucksträger des schleichenden Entsetzens am ›toten Punkt‹ des Geschehens. Denn wie das Drama ausgehen wird, bleibt, entgegen der klassischen Forderung nach dem ›fruchtbaren Moment‹, offen. All dies wird man in den Bildern surrealistischer Maler wiederfinden.Nicht zuletzt der Umschlag von Lapidarität und Nüchternheit ins Unheimliche (»Die Mauer macht den Eindruck, als bedeute sie die Grenze der Welt«) veranlaßte Giorgio de Chirico, in Klinger »den modernen Künstler schlechthin« zu erblicken (beides zit. nach: ebd. S. 140 und 142). »Spaziergänger« ist ein Frühwerk des 21jährigen Gussow-Schülers Max Klinger. In seinen Berliner Jugendjahren, die von einer fast beispiellos explosiven Produktivität erfüllt waren, wurzelt sowohl der sozial-naturalistische wie der symbolistische Zweig seiner Kunst. Während aber dieser sich fortlaufend entfaltete, wurde jener – ungeachtet des Aufsehens, das »Spaziergänger« bei seiner Ausstellung 1878 machte – erst im radierten Zyklus »Dramen« (1883) wiederaufgenommen und blieb auf das graphische Werk beschränkt. | Claude Keisch

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Gänsegeier

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Lautespielendes Mädchen

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Das Motiv der musizierenden Genien in Form zweier Laute beziehungsweise Lyra spielenden Mädchen (B II 87 a, b) entwickelte Hildebrand aus der ursprünglichen Idee einer Orpheus-Darstellung. Verschiedene Skizzen und plastische Entwürfe (Sigrid Esche-Braunfels, Adolf von Hildebrand [1847–1921], Berlin 1993, S. 335–342) zeigen Sänger sowohl mit Laute als auch mit Leier. War das durch den Orpheus-Mythos angerissene Thema der Musik im Zusammenhang mit der Idee einer Brunnenanlage zunächst noch als Relief vorgesehen, so tritt das Motiv mit der Konzeption der beiden musizierenden Mädchen plastisch in den Vordergrund. Der Bildhauer hatte nach dem Wegfall des stark räumlich entwickelten Brunnenbeckens offensichtlich nach einem plastischen Ausgleich gesucht und die beiden wandgebunden konzipierten Gestalten vollplastisch ausgeformt. Beide Musikerinnen sind in einem komplizierten Spiel gegenläufiger Achsen aufeinander bezogen; sie bekrönten einst den treppenartigen Aufbau einer von Pilastern bestandenen Wandnische. Die Ausführung der Marmorarbeiten für das Denkmal, das Joseph Joachim gewidmet ist (vgl. B II 87 c, d), war dem Bildhauer Rothenburger übertragen worden, doch befriedigte diese nicht vollständig. Augenscheinlich sind die Figuren nicht mit der gleichen subtilen Oberflächenqualität gehauen wie eigenhändig von Hildebrand ausgeführte Werke. Jener war sich dieser Abweichung im arbeitsteiligen Werkprozess durchaus bewusst, unterschied er doch das Original als „Ergebnis eines gestaltenden Prozesses, einer schaffenden Phantasie“ von der „Kopie“ als „das Resultat einer Nachahmungsfähigkeit“ (Adolf von Hildebrand an Alfred Hildebrand-Koppel, Dezember 1891, zit. nach Bernhard Sattler [Hrsg.], Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe und Erinnerungen, München 1962, S. 373). Die Originalgipse beider Figuren befinden sich zusammen mit dem umfangreichen Ateliernachlass in der Neuen Pinakothek in München. | Yvette Deseyve

Rebekka und Elieser am Brunnen

Rebekka und Elieser am Brunnen

»Im Cimelienschrein der Romantik« habe dieses Gemälde von Johann Anton Ramboux seinen Platz, schrieb Alfred Neumeyer in der »Zeitschrift für Bildende Kunst« anläßlich der Erwerbung des Bildes 1931 durch die Nationalgalerie (65. Jg., 1931/32, H. 1, S. 217). Vermutlich schon zu Lebzeiten von Ramboux gelangte das Werk in den Besitz des Trierer Bankiers Christoph Nell und verblieb über hundert Jahre unbekannt in dessen Sammlung. Unter den wenigen erhaltenen Ölgemälden gilt die mit lichthellen Lasurfarben gemalte kleine Holztafel als ein Hauptwerk des Künstlers. Als Schüler Jacques-Louis Davids war Ramboux zunächst vom französischen Klassizismus beeinflußt. Während seines Romaufenthaltes von Frühjahr 1816 bis 1822 schloß er sich dem Kreis der Nazarener an und teilte seither ihre Kunstauffassung. Dargestellt ist die Gegend des Tibertals oberhalb Roms, ein von zeitgenössischen Künstlern häufig gewähltes Motiv. In dieser Landschaft, an der Quelle Acqua Acetosa, siedelte Ramboux eine biblische Szene an: Elieser, der Knecht Abrahams, begegnet während der Brautsuche für dessen Sohn Isaak Rebekka am Brunnen (1. Mose, 24). Rebekka reicht Elieser einen Wasserkrug. Rechts nähert sich seine Karawane mit Kamelen und Hunden. Im Hintergrund schimmert zart, fast entmaterialisiert, in ungewöhnlich hellen Tönen die Tiberlandschaft mit den Sabiner Bergen am Horizont. Die streng geordnete, nahezu archaisch anmutende Komposition erinnert an den Freskostil von Renaissancemeistern wie Ambrogio Lorenzetti oder Francesco Traini. »Ganz bezaubernd ist die goldschmiedhaft saubere Zeichnung und Malerei, die äußerst zarte Stufung der bräunlichen und violetten Töne, und darin vorn die feinen Gestalten wie aus lauter Edelsteinen. Immer neue Kostbarkeiten der Farbe entdecken wir. Demütige Hingabe ergreift uns in diesem Wunderbild. Es ist ein holder Traum von Rom, von frommen Menschen und von alter heiliger Kunst« (L. Justi, Von Runge bis Thoma, Berlin 1932, S. 77). | Birgit Verwiebe